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Der deutsche Fußball zeigt in Europa und der Welt derzeit zwei Gesichter. Da ist zum Einen die Nationalmannschaft, die uns spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land verzaubert und begeistert. Zum Anderen droht den deutschen Klubs auf internationaler Bühne aber seit einigen Jahren die Chancenlosigkeit. Angekommen im Mittelmaß, geht es nun darum, wenigstens den dortigen Platz zu sichern. Selbstverständlich scheint das aber auch in einem Land, das vom EM-Titel 2008 träumt, keineswegs.
Um den letzten internationalen Erfolg einer deutschen Mannschaft in Europa zu finden, muss der Fußball-Fan nun bereits sechseinhalb Jahre zurückschauen. Im Mai 2001 gewann Bayern München in einem dramatischen Finale die Champions League. Der letzte deutsche UEFA-Cup-Sieger hieß vor genau zehn Jahren Schalke 04. Zum Vergleich: In diesem Zeitraum holten spanische Teams insgesamt sieben internationale Titel. Auch aktuell gibt es wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Statistik sich in absehbarer Zeit ändert.
Die ersten Auftritte der deutschen Mannschaften in der Champions League-Saison 2007/2008 haben es deutlich gezeigt. Mit den Top-Teams der europäischen Königsklasse kann in Deutschland derzeit niemand mithalten und auch die ausländischen Klubs aus der zweiten Reihe bereiten große Probleme. So mussten sowohl Stuttgart, Schalke als auch Bremen zum Auftakt Niederlagen hinnehmen.
Am wenigsten muss sich wohl Werder Bremen für die Auftakt-Pleite grämen. Das Team von der Weser verlor trotz starker Leistung nur knapp mit 1:2 bei Titel-Favorit Real Madrid. Stuttgart und Schalke haben gegen die schlagbaren Gegner aus Glasgow und Valencia noch deutlicher ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Während die Schwaben eine 1:0 Führung in Schottland noch aus der Hand gaben, verloren die Schalker sogar in der heimischen Arena mit 0:1. Spätestens jetzt dürften sich einige Fußball-Fans die Bayern mit ihrer Millionen-Truppe zurück in die Champions League wünschen um den deutschen Fußball zu repräsentieren.
Die Münchner müssen sich allerdings im UEFA-Cup herumschlagen, der von vielen Experten gerne mal als „Cup der Verlierer“ bezeichnet wird. Doch auch hier gab es für die Star-Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld zum Auftakt nur ein mageres 1:0 gegen den Außenseiter aus Lissabon. Mit dem gleichen Ergebnis startete der Hamburger Sportverein im bulgarischen Lowetsch in den Wettbewerb. Während Bayer Leverkusen den Pflichtsieg gegen das portugiesische Leira mit 3:1 relativ deutlich über die Bühne brachte, tat sich der 1.FC Nürnberg in seinem ersten Spiel gegen Rapid Bukarest bei einem 0:0 eher schwer.
Dabei ist gerade die letzte Paarung in Anbetracht der Tatsache, dass der Gegner der Nürnberger aus Rumänien kommt, von besonderer Bedeutung. Über die Vergabe von Startplätzen für internationale Vereins-Wettbewerbe entscheidet nämlich eine Fünfjahres-Wertung. In der Rangliste des europäischen Verbandes UEFA hat Rumänien Deutschland mittlerweile knapp überholt. Auch Portugal, die Niederlande und Russland kommen den derzeit auf Rang sechs stehenden Deutschen gefährlich nah. Am zukünftigen Abschneiden der deutschen Teams auf internationaler Ebene hängt also weitaus mehr als nur der eigene Erfolg.
Ganz anders ist die Situation bei der deutschen Nationalmannschaft. Sie verbesserte sich in der Weltrangliste jüngst auf einen sehr guten vierten Platz hinter Weltmeister Italien, Argentinien und Brasilien. Die Bilanz des Bundestrainers Joachim Löw ist beeindruckend: Von 13 Spielen der deutschen Mannschaft seit der WM gewann das Team elf, bei nur einer Niederlage und einem Unentschieden. Nicht zuletzt auch deshalb wird die Mannschaft bei der Europameistershaft in Österreich und der Schweiz im kommenden Jahr als einer der großen Favoriten gehandelt.
Kurioserweise sieht das Verhältnis von Vereins- und Nationalmannschaftserfolgen in vielen Ländern umgekehrt aus. Spanien und England beispielsweise stellen seit Jahren auf europäischer Bühne sechs bis acht Top-Klubs. Die Nationalmannschaften der Länder konnten aber in der jüngeren Vergangenheit nie wirklich überzeugen.
Ob das wiederum überraschenderweise dieses Jahr doch mal einem deutschen Klub gelingt, bleibt abzuwarten. Falls nicht, können wir uns wenigstens auf die EM im nächsten Jahr freuen. Dort scheint die Hoffnung auf den Titel wohl wesentlich berechtigter.
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