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Und jährlich grüßt das Erntedankfest


07.10.2007 (S. Vahle) Kategorie: Kultur

Bild: www.sprengel-hanau.de

Erntefeste sind in vielen Kulturen verbreitet und werden seit Jahrhunderten gefeiert. Das Erntedankfest reicht bis in die vorchristliche Zeit zurück. Hier zeigten die Menschen nach Abschluss der Ernte den Göttern ihre Dankbarkeit.

Der Gedanke, der hinter dem Erntedankfest steht, ist, den Menschen daran zu erinnern, dass er Teil der göttlichen Schöpfung ist. Im Vordergrund steht das Bewusstsein einer Abhängigkeit des Menschen vom Naturkreislauf. Auch wenn wir mit den Jahren immer selbstbestimmter geworden sind, nutzen wir weiterhin von der Natur gegebene Dinge, wie zum Beispiel die Grundnahrungsmittel aus der Landwirtschaft. Beim Erntedankfest soll genau das bewusst gemacht und Gott dafür gedankt werden.

Vor dem Hintergrund bot der Abschluss der Ernte schon immer Anlass zu Dank und Feier. Der uralte Brauch wurde später von der Kirche übernommen und angepasst. Im Judentum existieren zwei Erntefeste. Das Wochenfest an Pfingsten und das Laubhüttenfest im Herbst.

In der christlichen Kirche wird das Erntedankfest erst seit dem 3. Jahrhundert gefeiert. Es fehlt aber bis heute ein einheitlicher Festtermin, da der Festzeitpunkt, durch die Klimazonen unterschiedlich fällt. Somit finden sich Erntedankfeste das ganze Jahr über, je nach Erntezeit der einzelnen Länder. In Neuseeland zum Beispiel ist am 26. Dezember Nationales Erntedankfest.

Katholisches und evangelisches Erntedankfest

Die katholischen Kirchen in Deutschland feiern das Erntedankfest immer am ersten Sonntag im Oktober. Das wurde bei der Bischofskonferenz 1972 festgelegt. Es handelt sich dabei aber nicht um einen strengen Feiertag. Den Gemeinden steht es frei, das Fest zu feiern. In den meisten Kirchen ist die Erntedankfeier jedoch in den Gottesdienst integriert. Rund um den Altar befinden sich Erntegaben. Bei der Eucharistiefeier, also dem Abendmahl, wird wörtlich für „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ gedankt und die um den Altar herum liegenden Speisen werden geweiht.

In ländlicheren Gemeinden gibt es nach der kirchlichen Feier oft noch Umzüge und Festlichkeiten mit Wettbewerben. Hier geht es dann um die Wahl zur Erntekönigin und die schönsten Erntekronen. Die Erntekrone hat dabei einen großen symbolischen Wert. Sie wird aus zahlreichen Ähren gebunden und soll so die Abhängigkeit und das Gebundensein des Menschen an die Natur zeigen. Die Wahl der Krone als Symbol soll dabei auf die Macht der Natur verweisen. Zu der Zeit finden zudem zahlreiche Jahrmärkte (Kirchweih, Kirmes, Kirta) statt.

Seit der Reformation wird auch in evangelischen Kirchen das Erntedankfest gefeiert. Einen einheitlichen Festtermin gab es jedoch auch hier nicht. Mit der Zeit entwickelte sich aber der Michaelistag am 29. September heraus. Eine offizielle Einführung des Erntedankfestes fand 1773 in Preußen statt, bei dem der Sonntag nach Michaelis festgelegt wurde.

Noch heute feiern die evangelischen Kirchen in Deutschland an diesem Sonntag das Erntedankfest. Vereinzelt gibt es aber auch Gemeinden, die einen Sonntag früher oder später feiern.

Die Erntedankidee in anderen Festen

Elemente des Erntedank finden sich aber auch in vielen anderen Feiern, wie zum Beispiel dem Almabtrieb in den Bergen oder in einigen Heiligenfesten im Spätherbst. Hierzu zählt unter anderem das Fest des heiligen Martin oder St. Martin (11. November). Hier wird traditionell der neue Wein getrunken und die Martinsgans gegessen. Die Kinder ziehen an dem Tag mit bunten Laternen durch die Straßen.

Der außerkirchliche Brauch zu Erntedank ist mit den letzten Jahren immer weniger geworden. Gerade durch die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Mechanisierung des Ackerbaus hat der Mensch zunehmend den Bezug zur Natur verloren. Nur in ländlichen Gegenden, in denen die Nähe zur landwirtschaftlichen Arbeit vorhanden ist, sind auch die verschiedenen Bräuche noch zu finden. Hier leben die Menschen noch offensichtlicher in der Abhängigkeit von der Natur und wissen, dass eine reiche Ernte zum größten Teil an die Natur gebunden ist.

Der Gedanke des Erntedankfestes ist keinesfalls überholt, sondern passt besser denn je in unsere heutige Zeit. Auch wenn der moderne Mensch oft keinen Bezug mehr zu der Herkunft seiner Lebensmittel hat, ist vieles davon nicht allein von ihm geschaffen. Das zeigt sich vor allem in der Landwirtschaft. Zurzeit wird der Verbraucher in Deutschland mit steigenden Milch- und Kornpreisen konfrontiert, was zum großen Teil auf die schlechte Wetterlage und steigende Nachfrage zurückzuführen ist. Der Mensch ist noch immer an die Natur und ihre Erträge gebunden. Durch dieses Bewusstsein hat das Erntedankfest auch heute noch seine berechtigte Rolle.



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