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Seit dem 1. August 2007 sind die Preise für Milch und Molkereiprodukte rasant gestiegen. Um bis zu 50 Prozent mehr müssen die deutschen Verbraucher nun laut Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft bezahlen. Ein Päckchen Butter (250 Gramm) kostet beispielsweise 1,19 Euro statt wie bisher 79 Cent. Auch für Getreide wird immer mehr bezahlt. An einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoffbörse Chicago Board Of Trade (CBOT) ist der Preis für Weizen seit 2006 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Dieser Artikel soll klären, was die Ursachen dafür sind und wer dabei verdient.
Getreide
Neben den erhöhten Preisen für Molkereiprodukte (Teil 1), wird auch Getreide immer teurer. Gegenüber dem Vorjahr wurden mit 40 Millionen Tonnen fast 10 Prozent weniger geerntet. An einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoffbörse Chicago Board Of Trade (CBOT) ist der Preis für Weizen um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das liegt zum einen an den zahlreichen Missernten und zum anderen an der starken Nachfrage.
In Deutschland, Frankreich und England hat es zu viel geregnet. In Südeuropa ist es zu trocken. Die Wetterextreme beeinflussen die Getreideversorgung erheblich. Bulgarien und Rumänien werden zu Importeuren von Weizen, obwohl sie normalerweise genug selbst produzieren können. Im Jahr 2007 wurde dort nur halb so viel Weizen geerntet wie erwartet. Die Ukraine, in der zuvor sehr viel Weizen angebaut und geerntet wurde, wird von Juli bis Oktober 2007 keinen Weizen mehr exportieren. Die langanhaltende Dürre hat dort zehn Millionen Tonnen weniger Weizen eingebracht als geplant. Zudem wird auch der größte Weizenproduzent USA in diesem Jahr weniger ins Ausland verkaufen.
Auf der einen Seite kommt es zum Rohstoffmangel, auf der anderen Seite wächst die Weltbevölkerung immer weiter an. Mit ihr steigen auch die Nachfrage und damit die Preise. Es wird geschätzt, dass sich die Weltbevölkerung bis 2050 von zurzeit circa 6,5 Milliarden auf 9 bis 10 Milliarden vergrößern wird. Dabei muss ein jährlicher Zuwachs von 80 Millionen Menschen versorgt werden. Seit fast zehn Jahren fallen die Ernteerträge jedoch geringer aus als die Verbrauchernachfrage. Damit schmelzen die Lagerbestände aller Länder dramatisch. Selbst die Lager der Vereinten Nationen (VN) sind so gut wie leer. Das bedeutet nicht nur für gutbetuchte Verbraucher, dass sie mehr Geld für Getreide ausgeben müssen. Gleichzeitig gibt es noch mehr Hungersnot und Unterernährung bei der ärmsten Bevölkerung in der so genannten Dritten Welt.
Zudem wird Getreide nicht nur für die Erzeugung von Lebensmitteln angebaut. Für die Produktion von alternativer Energie werden große Mengen an Raps und Mais verarbeitet. Der Trend zu Biosprit verringert die Anbauflächen für andere Zwecke. In Deutschland ist die Entwicklung in Richtung Bio-Energie nicht so stark. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), erwartet jedoch, dass in den kommenden Jahren mehr Getreide für Biosprit angebaut wird.
Für die Landwirte fällt die Preiserhöhung insgesamt positiv aus. Sie werden möglicherweise 5 bis 10 Prozent mehr verdienen als zuvor. Selbst dann, wenn sich ihre Kosten für Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz erhöhen. Müssen mit der Preiserhöhung von Getreide jedoch zwangsläufig alle Getreideprodukte teurer werden? Nicht unbedingt, meint Gerd Billen aus dem Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Anteil an Getreide in einem Brötchen, das beispielsweise 25 Cent kostet, beträgt nur 2 bis 3 Prozent. Das ist 1 Cent pro Brötchen. Damit ist der Preis auch abhängig vom Anteil des Getreides, welches dafür benötigt wird. Gerd Billen mahnt deshalb zur Vorsicht.
Wie sieht es in der Zukunft für die deutschen Verbraucher aus? Experten prognostizieren, dass bis zum Jahr 2009 die Preise für Grundnahrungsmittel wie Milch und Getreide weiter steigen werden. Es wird sogar befürchtet, dass es zum bisher höchsten Preisanstieg kommt. Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), relativiert die Krise jedoch: „Das wird bei weitem nicht so dramatisch ausfallen.“ Der historische Preisanstieg wird nicht in wenigen Wochen geschehen. Zudem könne der scharfe Wettbewerb ihn zum Teil verhindern.
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