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Evelyn Hamann ist tot


29.10.2007 (I. Switil) Kategorie: Kultur

Bild: www.ndr903.de

Die Schauspielerin Evelyn Hamann ist in der Nacht vom 28. Oktober 2007 in Hamburg verstorben. Die 65-jährige wird besonders durch ihre komischen Fernsehrollen unvergessen bleiben. Als Loriots Kollegin spielte sie sowohl würdevolle Frauen, als auch jene am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Nach der Ausbildung kam der Durchbruch

Evelyn Hamann wurde am 6. August 1942 in Hamburg geboren. Sie stammt aus einer Musiker-Familie. Ihr Vater war von Beruf Geiger, später Konzertmeister des NDR-Sinfonieorchesters und Gründer des Hamann-Quartetts. Ihre Mutter war Sängerin und Musikpädagogin. Ihr verstorbener Bruder war Professor für Violoncello an der Musikhochschule Trossingen.

Nach einer Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg startete Evelyn Hamann ihre Bühnenlaufbahn. Sie übernahm zunächst kleinere Rollen am Thalia Theater in Hamburg. Später spielte sie in Göttingen, Heidelberg und Bremen. Im Jahr 1976 traf die damals 34-jährige auf Vicco von Bülow alias Loriot. Er suchte damals eine blonde, pummelige Sketchpartnerin. Damit fiel die schlanke, dunkelhaarige Evelyn Hamann nicht in die gesuchte Sorte Frau. Durch ihre direkte und kokette Art wurde sie dennoch engagiert.

Die Verwandlungskünstlerin

Drei Jahre lang spielte Evelyn Hamann als Loriots Kollegin die bekanntesten deutschen Fernseh-Sketches der siebziger Jahre. Dazu gehörte unter anderem der „Nudel-Sketch“, bei dem sie als Fräulein Hildegard mit stoischer Miene beobachtet, wie ihrem Gegenüber eine Nudel an verschiedensten Stellen des Gesichts kleben bleibt. Dabei versucht ihr Verehrer ihr seine Liebe und Zuneigung zu gestehen.

Keine andere wechselte in der Folge Perücken, falsche Zähne und Dialekte schneller als Evelyn Hamann. Ihr Ruf als Verwandlungskünstlerin wurde legendär. An Loriots Seite spielte sie auch in den Filmen „Ödipussi“ (1988) und „Pappa ante Portas“ (1991). Ab 1992 war sie in der Fernseh-Reihe „Adelheid und ihre Mörder“ zu sehen. In der Rolle der Polizeisekretärin Adelheid Möbius ließ sie ihren berühmt berüchtigten herben Charme spielen. Für ihre Arbeit erhielt sie mehrere Auszeichnungen, unter anderem dreimal die Goldene Kamera (1977, 1987 und 1997), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1993) und zuletzt im Jahr 2002 den Münchhausen-Preis. Letzterer wird an Personen mit besonderer Begabung in Darstellungs- und Redekunst, Phantasie und Satire vergeben.

Die zurückgezogene Perfektionistin

Über Evelyn Hamanns Privatleben ist wenig bekannt, da sie keine Informationen preisgab. In Portraits wird sie als schwierig und im Grunde uncharmant bei Interviews geschildert. Schauspielerkollegen beschreiben sie als eine brillante sowie beängstigend präzise Schauspielerin. Evelyn Hamann machte den Versuch ihren Perfektionismus zu erklären. „Warum sollte ich an eine Rolle nicht mit der ähnlichen Präzision herangehen, wie ein Musiker, der sich auf ein Cello-Quartett vorzubereiten hat? Dessen Fehler hört das Publikum doch auch heraus.“

Zwischen Weihnachten und Neujahr 2006 musste Evelyn Hamann erkennen, dass sie unheilbar krank ist. Es wurde Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Sie wollte nach Ende einer Tournee mit Lesungen Ideen für eine neue Gastspielreise durchgehen. Dafür reichten ihre Kräfte allerdings nicht mehr. Die 65-jährige, deren einzige Ehe schon in jungen Jahren wieder geschieden wurde, verbrachte ihre letzten Monate mit ihrem Lebensgefährten in Hamburg.

Loriot zeigte sich in der ARD-Sendung „Beckmann“ tief betroffen über den Tod Evelyn Hamanns. „Er fällt mir schwer, Worte zu finden für meine Trauer.“ Er habe „eine treue Partnerin und wir alle eine wunderbare Schauspielerin verloren, der es immer gelang, die heiklen Seiten des Lebens durch Komik zu überwinden.“ Die ARD plant am 2. November 2007 eine Evelyn-Hamann-Nacht.



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