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10. Oktober 2007: Tag gegen die Todesstrafe


02.11.2007 (L. Haug) Kategorie: Welt

Bild: www.trueten.de

Im Mai 2002 wurde das Komitee „World Coalition against Death“ gegründet. Dieses Komitee besteht neben Amnesty International auch aus religiösen Gruppen sowie kommunalen, regionalen und staatlichen Institutionen. Sie führten im Jahr 2003 den Tag gegen die Todesstrafe ein, der jährlich am 10. Oktober stattfindet. Dieser Aktionstag, an dem unter anderem Mahnwachen und Informationsveranstaltungen stattfinden, appelliert an alle Regierungen die Todesstrafe abzuschaffen.

Aber wieso gibt es überhaupt ein Komitee, das einen solchen Tag einführen muss? Wie ist es möglich, dass sich etwas so Unmenschliches und Grausames wie die Todesstrafe noch in der heutigen Zeit halten kann? Was hindert circa 70 Staaten daran, eine derartige Menschenrechtsverletzung abzuschaffen?

Sie halten daran fest, dass die Todesstrafe Vorteile mit sich bringt. Zum einen soll an dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit festgehalten werden. Angehörige von Mordopfern verlangen meist die schlimmstmögliche Strafe für den Angeklagten. Jedoch stellen sie sich dadurch auf die gleiche Stufe. Mord bedeutet immer ein Mangel an Respekt vor menschlichem Leben. Natürlich leiden die Angehörigen sehr, aber sie sollten sich an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte erinnern. Sie stellt das zu erreichende gemeinsame Ideal von allen Völkern und Nationen dar. Hier heißt es im dritten Artikel: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Dazu gehört auch die Gewährleistung eines Mindestmaßes an Schutzrechten gegenüber dem Staat. Die Bezeichnung „jeder Mensch“ schließt dabei auch jeden Mörder mit ein.

Zudem soll die Hinrichtung als Abschreckung dienen, aber auch dies wurde widerlegt. In Ländern, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde, konnte kein Anstieg von Gewaltverbrechen festgestellt werden. Eher ist das Gegenteil der Fall: Eine Hinrichtung ist ein Mord, der der Bevölkerung die unmissverständliche Botschaft überbringt, dass Töten erlaubt und gerechtfertigt sein kann, um soziale Probleme zu lösen. Eine Regierung kann somit keine Vorbildfunktion mehr darstellen, da sie ein paradoxes Verhalten an den Tag legt. Sie kann nicht gleichzeitig die Menschenrechte achten und die Todesstrafe verhängen.

Ein weiteres Argument ist die mit der Todesstrafe verbundene Kosteneinsparung. Eine lebenslange Freiheitsstrafe koste den Bürger, also auch die Angehörigen der Opfer, zu viel. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Hinrichtungskosten aufgrund langer Wartezeiten im Todestrakt nahezu auf das Gleiche hinauslaufen. Die Kosten der Todesstrafe zu reduzieren, würde bedeuten, die Berufungsmöglichkeiten in dem sehr teuren juristischen Verfahren einzuschränken und damit das Risiko der Hinrichtung Unschuldiger zu erhöhen.

Ein beunruhigender Faktor ist, dass auch entwickelte Industriestaaten wie die USA die Hinrichtung praktizieren. Wie kann sich eine Regierung als Weltmacht vorstellen, wenn sie noch Methoden des Mittelalters anwendet? Ein Punkt ihrer Rechtfertigung ist, dass die heute praktizierte Giftinjektion eine humanere Alternative zu anderen Hinrichtungsmethoden darstellt. Diese Methoden, die in einigen Ländern noch Anwendung finden, sind unter anderem Erschießen, Steinigen, Vergasen oder der elektrische Stuhl. Bei der Hinrichtung mit Gift, bei der es jedoch auch zu Problemen kommen kann, soll das Töten als medizinischer Eingriff gesehen werden und somit moralische Bedenken zerstreuen. Was allerdings erschwerend hinzukommt, ist, dass auch Behinderte sowie Minderjährige die gleiche Bestrafung bekommen.

Es wird also deutlich, dass die Todesstrafe nicht vom Entwicklungsstand abhängt. Das beste Beispiel hierfür ist Afrika: Nach und nach wird die Hinrichtung hier abgeschafft. Das Gegenteil verkörpert auf der anderen Seite Asien. China hat die höchste Exekutionsrate weltweit und es gibt auch keine Hoffnung auf Einsicht.

Der Tag gegen die Todesstrafe soll zur Diskussion anregen. Weltweit gibt es noch Aufklärungsbedarf. Die Menschen müssen daran erinnert werden, dass Töten niemals eine Option sein darf, mit der sich Probleme lösen lassen. Der Tod ist unwiderruflich und genau aus diesem Grund auch nicht verantwortbar. Ein System, von Menschen gemacht, ist niemals fehlerfrei, und somit gibt es keine Garantie, dass nicht gerade jemand Unschuldiges zum Tode verurteilt wird.



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