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Die „MTV Europe Music Awards“: Ruhestörung im Rampenlicht?


05.11.2007 (A. Strehle) Kategorie: Kultur

Bild: ema.mtv.de

Seit 1994 stellen die „MTV Europe Music Awards“ (EMA) das europäische Gegenstück zu den amerikanischen „MTV Video Music Awards“ dar. Am 1. November 2007 wurden die begehrten Trophäen nun schon zum 14. Mal verliehen. Nach Berlin und Frankfurt am Main war München die dritte deutsche Stadt, die das größte Pop-Event Europas ausrichten durfte. Neben den 6.000 Zuschauern im Olympiastadion konnten das Spektakel rund 1,5 Milliarden Fans in 160 Ländern mitverfolgen.

Im Vorfeld des Ereignisses hatte es heftige Kritik von Seiten der Kirche gegeben. Der Termin der Show fiel mit dem Feiertag Allerheiligen zusammen, der in überwiegend katholisch geprägten Ländern begangen wird. Sein stiller, ernster Charakter vertrage sich nicht mit einer lauten, bunten Unterhaltungsshow, hieß es vom Erzbistum München. Deshalb musste sich MTV für deren Ausrichtung um eine Ausnahmegenehmigung bei der Stadt bemühen, die der Sender auch prompt bekam. „Diese Veranstaltung bietet eine große Chance für München, das junge Gesicht der Stadt in die Welt zu transportieren.“, so Oberbürgermeister Christian Ude.

Aus Rücksicht auf den Feiertag wurde immerhin auf eine Außenbühne in der Innenstadt verzichtet. Darüber hinaus musste das Event als geschlossene Veranstaltung deklariert werden, was zur Folge hatte, dass nur geladene Gäste teilnehmen konnten. Die Tatsache, dass kein öffentlicher Kartenverkauf möglich war, umgingen die Veranstalter mit zahlreichen Ticketverlosungen und Sonderaktionen wie beispielsweise einem Publikumscasting. Dabei wurden Zuschauer für die ersten Reihen vor der Bühne ausgesucht, die bei der Fernsehaufzeichnung besonders häufig von den Kameras festgehalten werden. Die begehrten Plätze ergatterten sich die Fans, die am lautesten jubeln und schreien konnten.

Die Show ließ schließlich keine Langeweile aufkommen. Ein großes Staraufgebot sorgte für den nötigen Glamour, die kreischenden Fans für den Rest. Wie es der Zuschauer bereits von den amerikanischen „Video Music Awards“ gewohnt ist, inszenierten sich die Prominenten gekonnt im Rampenlicht. Der Rapper Snoop Dogg, der als Moderator durch die Veranstaltung führte, trat sogar kurzzeitig in typisch bayrischen Lederhosen auf.

Zu den Laudatoren gehörten unter anderem der ehemalige Tennisstar Boris Becker, R.E.M.-Sänger Michael Stipe, Rennfahrer Louis Hamilton und die Sängerin Joss Stone. Für Stimmung bei den Bühnenauftritten sorgten die Foo Fighters, Mika, My Chemical Romance und Pete Doherty mit seinen Babyshambles. Die deutsche Band Tokio Hotel beglückte ihre Fans mit der englischen Fassung ihres Songs „Monsun“.

Die Preise wurden in zwölf Kategorien vergeben, darunter an die beste Band (Linkin Park), den besten Hip Hop Act (Rihanna), das beste Album (Nelly Furtado), den besten Live-Act (Muse) und die beste Webseite (Tokio Hotel). Eine Jury stellte für jede Kategorie jeweils fünf Nominierte auf. Abgestimmt wurde dann von den MTV-Zuschauern übers Internet. Die Gewinnerin des Abends war zweifelsfrei die kanadische Sängerin Avril Lavigne. Sie bekam den Preis für den besten Song und wurde außerdem als beste Künstlerin ausgezeichnet.

Justin Timberlake, insgesamt in vier Kategorien nominiert, und Beyoncé Knowles, nominiert in drei Kategorien, waren nicht bei der Veranstaltung anwesend. Vielleicht hatten sie geahnt, dass sie bei der Verleihung leer ausgehen würden. Zum besten deutschen Künstler wurde Bushido gewählt. Er setzte sich damit gegen Sido, Juli, die Sportfreunde Stiller und die Beatsteaks durch. Eine neue Kategorie bei den EMA bildete der Preis „New Sounds of Europe“. Nominiert dafür waren Nachwuchsbands aus ganz Europa. Die Auszeichnung gewann schließlich die Rockband Bedwetters aus Estland.

Erstmals bei den EMA durften auch die Künstler selbst in der Kategorie „Artist Choice“ einen Favoriten aus dem Kreis ihrer Kollegen bestimmen. Die Wahl fiel auf die Sängerin Amy Winehouse, die in der letzten Zeit durch Drogenprobleme auf sich aufmerksam gemacht hatte. Dennoch honorierten die Stars mit dem Preis die Einzigartigkeit ihrer Stimme und ihres Musikstils. Das Ergebnis verwirrte Amy Winehouse anscheinend ziemlich. Sie nahm den Preis mit einem knappen Danke in Empfang und stand ein paar Sekunden hilflos auf der Bühne, bevor sie wortlos in den Reihen verschwand. Ob und wie sehr an dem Abend irgendwelche Drogen zu ihrem eigenartigen Verhalten beigetragen haben, bildete schließlich ein spannendes Thema für die Presse.

Wieder einmal hat sich die schillernde Welt der Musikszene ausgiebig präsentiert. Allerdings wäre ein größeres Augenmerk auf europäische Künstler und Musiker jenseits der Charts wünschenswert gewesen. So blieben die „MTV Europe Music Awards“ nur eine Kopie ihrer großen amerikanischen Schwester.



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