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Märchenhafter Oktober - Teil 3


08.11.2007 (K. Mechler) Kategorie: Kultur

Bild: www.allposters.de

Mit der Reihe „Märchenhafter Oktober“ möchten wir Ihnen das Thema Märchen näher bringen. Aus Gründen der Einheitlichkeit beziehen wir uns dabei ausschließlich auf die Originalversionen. In Teil 2 ging es um Prinzessinnen und ihr mitunter hartes Los. Teil 3 befasst sich mit Prinzen und den mehr oder weniger feinfühligen Methoden, mit denen sie ihre Liebste erobern.

Ein echter Märchenprinz, auf einem weißen Pferd und mit wehendem Umhang. Welche Frau hat nicht schon einmal davon geträumt? Oft wird vom realen Partner das Idealbild eines solchen Prinzen erwartet. Mutig, heldenhaft und einfühlsam. Doch so romantisch sind die meisten Märchen gar nicht.

Der berühmte „Froschkönig“ beispielsweise war ein eher unangenehmer Zeitgenosse. Zuerst erpresst er eine junge Prinzessin, die dringend seine Hilfe braucht. Er verlangt dafür ihr ständiger Begleiter zu werden. Die Königstochter findet ihn aber so abstoßend, dass sie nichts mit ihm zu tun haben will. Daraufhin belagert er das Schloss ihres Vaters, bis er hereingelassen wird. Fortan kommandiert er die Prinzessin herum, bis es ihr zu bunt wird. Nach der unverschämten Aufforderung das Bett mit ihm zu teilen, wirft das junge Mädchen den frechen Frosch gegen die Wand. Erstaunlicherweise hat es eben das gebraucht, um den schönen Prinzen zu erlösen, der die ganze Zeit in ihm steckte.

„König Drosselbart“ ist schon ein angenehmerer Zeitgenosse. Die Prinzessin, in die er sich verliebt hat, ist eingebildet und hochnäsig. Sie verspottet ihn aufgrund seines etwas schief geratenen Kinns. Dennoch gibt er sie nicht so leicht auf, wie die anderen Bewerber es tun. Er überlegt sich einen komplizierten Plan, um seiner Angebeteten die innere Schönheit der Menschen begreiflich zu machen. Dafür muss die Prinzessin aber eine sehr harte Zeit durchmachen. Von ihrem Vater an einen armen Spielmann verschenkt, arbeitet sie erstmals für ihren Lebensunterhalt. Das fällt ihr jedoch sehr schwer, zumal der Bettler, der in Wirklichkeit König Drosselbart ist, sie sabotiert, wo er nur kann. Erst nachdem das bedauernswerte Mädchen auch noch vor dem versammelten Adel gedemütigt wird, gibt der König sich zu erkennen.

Wirklich romantisch ist das Märchen von der „Goldenen Gans“. Der Held ist ein armer Jüngling, der von allen verspottet und nur der „Dummling“ genannt wird. Er hat jedoch ein großes Herz, was ihm schließlich eine verzauberte Gans mit goldenen Federn einbringt. Jeder, der den Vogel berührt, bleibt unweigerlich an ihm kleben. Der junge Mann zieht schon bald eine große Schar habgieriger und neugieriger Menschen hinter sich her. Dann erfährt er von einer Prinzessin, die sehr schön, aber still und ernst sein soll. So reist er durch das ganze Land, nur um das Mädchen zum Lachen zu bringen. Die Schöne ist begeistert und einer Hochzeit nicht abgeneigt. Der König will seine Tochter aber keinem Habenichts geben. So steht der „Dummling“ bald einer unlösbaren Aufgabe nach der anderen gegenüber. Natürlich besteht er alle Prüfungen und gewinnt so nicht nur das Herz, sondern auch die Hand der Prinzessin.

Märchenprinzen sind also auch nur Menschen und nicht fehlerfrei. Genau wie im Richtigen Leben sind ihre Beziehungen eher turbulent und keinesfalls nur harmonisch. Die Prinzessinnen müssen für ihre Männer zahlreiche Kompromisse eingehen. Die erste muss hart durchgreifen und quasi die Fronten klären, bevor ihr Frosch zum Prinzen wird. Die zweite muss sich selbst völlig ändern und die dritte bekommt zwar einen romantischen, dafür aber mittellosen Ehemann. Das ist eine eher ernüchternde Erkenntnis. Dabei ist jedoch zu beachten, dass gerade die Unvollkommenheit der Charaktere die Märchen für uns so spannend und liebenswert machen.

Sie sind die Schreckgestalten der Märchenwelt. Von Eifersucht und einem schwarzen Herzen getrieben, versuchen sie Glück und Harmonie zu zerstören, wo immer sie auftauchen. Hexen und böse Stiefmütter sind das Thema des vierten Teils der Reihe „Märchenhafter Oktober“.

Was halten Sie von dem Traum vom perfekten Märchenprinzen? Haben Sie selbst so einen zuhause? Oder handelt es sich dabei eher um einen Frosch? Sind Sie vielleicht selbst ein Prinz und fühlen sich missverstanden? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Life-Go-Forum mit.



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