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Ein Portrait über den „Tiger von Madras“


18.11.2007 (P. Laux) Kategorie: Sport

Bild: upload.wikimedia.org

Der neue Schachweltmeister des Verbandes „Fédération Internationale des Échecs“ (FIDE) kommt aus Indien. Ende September gelang Viswanathan Anand der Sieg beim Entscheidungsturnier in Mexiko City. In der letzten Spielrunde reichte ein Unentschieden gegen den Kontrahenten Peter Leko aus Ungarn, um den Erfolg perfekt zu machen. Am Ende des Turniers standen neun Punkte für Viswanathan Anand zu Buche. Der größte Kontrahent und vorherige russische Weltmeister Wladimir Kramnik konnte nur acht Punkte erreichen. Ihm bleibt nun aber die Gelegenheit, sich den Titel in einem Revanchekampf gegen den Inder zurück zu erobern. Das ist eine Neuregelung der FIDE, die von vielen Seiten stark kritisiert wird, da wieder einmal der Ausrichtungsmodus der Weltmeisterschaften geändert wurde.

Schachweltmeisterschaften in der Geschichte des Sports

In der Geschichte des Schachs gab es verschiedene solcher Modi. Im Zeitraum von 1993 bis 2006 wurden sogar jeweils zwei Weltmeistertitel ausgespielt. Dies hing mit der Gründung eines alternativen Verbands zur FIDE, der „Professional Chess Association“ (PCA), zusammen. Mittlerweile ist die Schachwelt nach der Auflösung der PCA aber wieder vereint.

Lange Zeit wurde der Gegner des aktuellen Titelträgers über sogenannte Zonen-, Interzonen und Kandidatenturniere ermittelt. Das Zonenturnier schloss die Schachspieler eines begrenzten geografischen Raums ein, die um den Einzug ins Interzonenturnier kämpften. Dort spielten die Sieger aus den einzelnen Zonen um die Qualifikation für das abschließende Kandidatenturnier. Hier wurde schließlich bestimmt, wer gegen den amtierenden Weltmeister antreten darf. Zwischenzeitlich erfolgte die Austragung der Meisterschaft dann über ein K.O.-System und über ein Einladungsturnier, zu dem die besten Spieler der Welt geladen wurden.

Seit dem Jahr 2006 ist der Qualifikationsmodus aber wieder ein anderer. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft trafen vier Spieler, die sich über Vorturniere für die Endrunde qualifiziert hatten auf vier gesetzte Spieler. Das waren die Erstplatzierten der vergangenen Weltmeisterschaft von 2005. Letztendlich ging Viswanathan Anand als Sieger hervor.

Der „Tiger von Madras“ und das Schachspiel

Auch wenn Wladimir Kramnik die Möglichkeit eines Revanchekampfs erhält, vorerst darf sich erst einmal Viswanathan Anand als Schachweltmeister bezeichnen – ausreichender Grund, um den indischen Schachstar näher vorzustellen. Zur Welt kam er am 11. Dezember 1969 im indischen Madras. Viswanathan Anands Geburtsort brachte ihm später als erfolgreicher Schachspieler den Spitznamen „Tiger von Madras“ ein. Schon sehr früh wurde sein Talent erkennbar. Im Alter von sechs Jahren führte seine Mutter ihn an das Schachspiel heran. Als Viswanathan Anand im Alter von acht Jahren vorübergehend zu seinem Vater auf die Philippinen zog, wurde er von der Schachbegeisterung gepackt, die dort wegen des damaligen Weltmeisterschaftkampfes zwischen Anatoli Karpow und Viktor Kortschnoi herrschte.

Zurück in Indien konnte Viswanathan Anand schnell viele Jugendturniere für sich entscheiden. Einen ersten Höhepunkt erreichte der Inder bereits im Alter von 15 Jahren, als er sich den Schachtitel des „Internationalen Meisters“ erspielte. Das ist der zweithöchste Titel, den die FIDE vergibt. Derartige Ehren waren zuvor keinem gleichaltrigen Spieler asiatischer Abstammung zuteil geworden. Viswanathan Anand setzte seine Erfolgsserie unbeirrt fort und konnte im Jahr 1987 die Jugendweltmeisterschaften als Sieger abschließen. Der Schachverband FIDE verlieh ihm daraufhin ihren größten Titel, den des „Großmeisters“.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Im folgenden Verlauf der Karriere konnte Viswanathan Anand zahlreiche Turniere gewinnen und wurde bald ein professioneller Schachspieler, der mit den Preis- und Sponsorengeldern seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Seine Popularität in der Schachwelt, besonders aber in Indien, stieg kontinuierlich. Den ersten Versuch, sich bei einer Weltmeisterschaft mit den etablierten Größen des Schachsports zu messen, startete der Inder 1991 in Brüssel. Im Viertelfinale musste er sich jedoch dem Russen Anatoli Karpow geschlagen geben.

Einen nächsten Anlauf versuchte Viswanathan Anand 1995 in New York, wo er es bis ins Finale der Weltmeisterschaften schaffte. Hier zog er am Ende jedoch wieder den Kürzeren. Er lieferte dem Russen Garri Kasparow, der lange Zeit als bester Schachspieler der Welt galt, allerdings einen spannenden Zweikampf auf Augenhöhe. Immerhin ging Viswanathan Anand als erster Spieler aus Asien in die Geschichtsbücher ein, der es bis in ein Weltmeisterschaftsfinale schaffte.

Der „Tiger“ auf dem Höhepunkt

Das gelang ihm im Jahre 2000 erneut. Diesmal sollte Viswanathan Anand der große Triumph vergönnt sein. Bei den FIDE-Weltmeisterschaften in Teheran und Neu-Delhi besiegter er im Finale Alexei Shirov und erspielte sich so den höchsten Titel der Schachwelt. Noch nicht satt vom Erfolg heimste Viswanathan Anand in den Folgejahren weiter Turniersieg um Turniersieg und Ehrung um Ehrung ein. In den Jahren 2003 und 2004 wurde er beispielsweise mit dem „Schach-Oscar“ für den besten Spieler der Saison ausgezeichnet.

Den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere hat er nun im Jahr 2007 mit dem Gewinn seines zweiten Weltmeistertitels erreicht. Zudem belegt Viswanathan Anand momentan den ersten Platz der Schachweltrangliste, die mit der Rangliste aus dem Tennissport vergleichbar ist. In Zukunft darf von dem indischen Schachstar noch einiges erwartet werden. Mit 37 Jahren ist er im Vergleich zu anderen Großmeistern zwar schon in einem fortgeschrittenen Alter. Im Moment präsentiert er sich jedoch auf dem Höhepunkt seiner schachlichen Fähigkeiten.



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