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Die Stimmung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war lange nicht mehr so gut. Die Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz ist vorzeitig geschafft. Endlich spielt das Team wieder den attraktiven Fußball, den die Fans in Deutschland sehen wollen. Selbst verletzungsbedingte Ausfälle scheint die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw problemlos zu verkraften. Ein Problem gibt es dennoch: Der Bundestrainer darf nur 23 Spieler mit ins EM-Quartier nach Tessin nehmen.
Wer hat also derzeit die besten Chancen dabei zu sein? Wer ist sicher gesetzt und wer muss sich noch Sorgen machen? Im zweiten Teil der Serie gibt Life-Go einen Überblick über die aktuelle Situation der Nationalspieler und der Positionen im Team.
Das Tor
Auch wenn in Deutschland derzeit viel über eine mögliche Krise im deutschen Tor geschrieben wird, Joachim Löw steht bei der Torhüter-Auswahl eher vor einem Luxusproblem, als vor ernsthaften Schwierigkeiten. Nationen wie England oder die Niederlande würden wohl jeden, der in Frage kommenden deutschen Torhüter mit Kusshand in ihrem Team aufnehmen.
Die klare Nummer Eins im deutschen Tor ist nach wie vor Jens Lehmann. Der Routinier, der eigentlich bis zur Europameisterschaft gesetzt war, hat nur ein Problem: Arsene Wenger, sein Vereinstrainer bei Arsenal London lässt ihn derzeit nicht spielen. Obwohl Jens Lehman im Länderspiel in Irland gezeigt hat, dass er auch ohne Spielpraxis im Verein Topleistungen in der Nationalelf bringen kann, ist eine solche Dauerlösung wohl ausgeschlossen. Die Konsequenz ist, dass der gebürtige Essener sich im Winter einen neuen Verein suchen muss, wenn er bei Arsenal weiterhin auf der Bank bleibt. Andernfalls könnte sein EM-Platz gefährdet sein.
Ein ähnliches Problem hat der in Valencia spielende Timo Hildebrand. Er hat sich in Spanien bislang auch noch nicht endgültig durchgesetzt. Hannovers Robert Enke, die etatmäßige Nummer Drei, bringt in der Bundesliga zwar konstant gute Leistungen, verfügt aber kaum über internationale Erfahrung. Während der junge Schalker Schlussmann Manuel Neuer vielleicht der Gewinner der Situation werden könnte, dürfen sich andere Kandidaten wie Roman Weidenfeller (Dortmund), Tim Wiese (Bremen) oder Raphael Schäfer (Stuttgart) nur geringe Hoffnungen auf einen der drei EM-Plätze machen.
Die Abwehr
Für die Abwehr wird Joachim Löw voraussichtlich sieben bis acht Spieler nominieren. Die beiden Innenverteidiger Christoph Metzelder (Madrid) und Per Mertesacker (Bremen) sind momentan gesetzt. Als ihre Vertreter dürfen sich vor allem Manuel Friedrich (Leverkusen) und Arne Friedrich (Berlin) gute Chancen ausrechnen. Letzterer hat den Vorteil, dass er auch eine Alternative auf der rechten Abwehrseite wäre. Diese Position ist im Moment fest für den Münchner Philipp Lahm reserviert, der schon bei der Weltmeisterschaft 2006 zu den überragenden Akteuren zählte. Eine Alternative könnte hier auch der Bremer Clemens Fritz sein.
Auf der linken Abwehrseite hat der junge Marcel Jansen (Bayern) gute Möglichkeiten sein erstes großes Turnier in der Stammformation zu spielen. Fällt er aus irgendeinem Grund aus, kann auch Philipp Lahm die linke Seite übernehmen. In diesem Fall dürfte sich der Schalker Christian Pander Hoffnung auf einen EM-Platz machen, der vor allem durch seine unglaubliche Freistoßstärke eine echte Ergänzung sein kann.
Das Mittelfeld
Im Zentrum des Spielfeldes sollten sich eigentlich die wenigsten Veränderungen im Vergleich zur Weltmeisterschaft 2006 ergeben. Normalerweise kommen bei Joachim Löw Bastian Schweinsteiger (Bayern), Thorsten Frings (Bremen), Michael Ballack (Chelsea London) und Bernd Schneider (Leverkusen) in der Startelf zum Einsatz. Problematisch ist allerdings, dass Kapitän Michael Ballack seit Monaten an einer schwierigen Verletzung laboriert und derzeit keine Spielpraxis hat. Hinzu kommt, dass immer wieder Gerüchte kursieren, der Londoner Traditionsclub wolle den Mittelfeldstar loswerden. Auch Thorsten Frings, der neben Michael Ballack im Zentrum zu den Führungsspielern des Teams gehört, fällt bis Ende des Jahres aus. Sind beide zur Europameisterschaft aber wieder fit, gibt es dem Bundestrainer nach keine Diskussionen um sie.
Für die vermeintlichen Bankplätze im Mittelfeld gibt es eine ganze Reihe von Kandidaten. Vor allem für die defensive Frings-Position bewerben sich mit Thomas Hitzelsberger (Stuttgart), Simon Rolfes (Leverkusen) und dem derzeit noch verletzten Sebastian Kehl (Dortmund) gleich drei Vertreter. Dabei dürfte Thomas Hitzelsberger aufgrund seiner Torgefährlichkeit und seiner Vielseitigkeit vielleicht noch die besten Karten haben. Als Vertreter oder Alternativen auf den Außenpositionen haben insbesondere Tim Borowski (Bremen) und Piotr Trochowski (Hamburg) gute Aussichten. Ob die beiden WM-Teilnehmer David Odonkor (Sevilla) und Gerald Asamoah (Schalke) noch einmal ihre Chance bekommen, ist im Moment eher fraglich. Der WM-Teilnehmer von 2006 findet derzeit nach vielen Verletzungen nicht zu seiner Form aus erfolgreicheren Zeiten zurück.
Der Sturm
Die vier Plätze im Sturm sind momentan relativ deutlich vergeben. Neben dem derzeit bei Bayern München alles überragenden Miroslav Klose dürften im Normalfall Kevin Kuranyi (Schalke), Mario Gomez (Stuttgart) und Lukas Podolski (Bayern) die Plätze zwei bis vier belegen. Der Kampf um den zweiten Stammplatz neben Miroslav Klose ist allerdings offen wie nie. Für Lukas Podolski spricht, dass die beiden bei der Weltmeisterschaft schon perfekt harmoniert haben und auch bei Bayern gelegentlich zusammen spielen. Kevin Kuranyi allerdings dürfte sich bis zur Europameisterschaft mit mehr Spielpraxis und mehr Toren für den Stammplatz empfehlen. Der Stuttgarter Mario Gomez konnte bislang noch nicht ganz an seine Topform der letzten Saison anknüpfen. Erlangt er sie bis zum Sommer zurück, sind seine Chancen aber mindestens ebenso groß. Eher geringe Hoffnung auf ein Ticket haben derzeit Patrick Helmes (Köln) und Mike Hanke (Hannover).
Beruhigend ist insgesamt, dass das DFB-Team auch in der Breite so gut aufgestellt ist, wie lange nicht mehr. Joachim Löw weist immer wieder darauf hin, dass jeder sich in sein Spielsystem einfügen muss. Gelingt das, dann ist prinzipiell auch jeder einmal ersetzlich, so die Philosophie des Bundestrainers. Welche 23 Spieler aber letztendlich die Möglichkeit bekommen, sich im Sommer in dem System zu beweisen, bleibt abzuwarten. Klar ist, dass die Chancen auf eine erfolgreiche Europameisterschaft der Deutschen so oder so sehr gut stehen.
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