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Märchenhafter Oktober - Teil 4


21.11.2007 (K. Mechler) Kategorie: Kultur

Bild: www.skalden.com

In der Reihe „Märchenhafter Oktober“ geht es um das Thema Märchen. Da es jeweils zahlreiche unterschiedliche Versionen dieser gibt, beziehen wir uns ausschließlich auf die Originaltexte. Teil 3 befasste sich mit Prinzen und ihrem eher unromantischen Weg zur großen Liebe. In Teil 4 geht es um die Rolle, die Hexen und böse Stiefmütter in Märchen spielen.

Unter „märchenhaft“ verstehen die meisten Menschen so etwas wie „bezaubernd“, „wunderschön“ und „idyllisch“. Dabei gibt es immer auch eine ganz andere Seite: Böse Hexen und eifersüchtige Stiefmütter verbreiten Angst und Schrecken, wo sie nur können.

Die wohl bekannteste Märchenhexe ist die alte Frau, die in einem Häuschen mitten im Wald lebt und die Geschwister „Hänsel und Gretel“ fressen will. Sie hat sich darauf spezialisiert Kinder anzulocken und dann zu mästen, um ihre kannibalistischen Gelüste zu stillen. Dafür hat sie ein Haus aus Brot und Kuchen gebaut und wartet darin wie eine Spinne, bis ihr ein Opfer ins Netz geht. Die Geschwister gebieten der Alten aber endlich Einhalt. Zuerst wird sie einen ganzen Monat lang von Hänsel an der Nase herum geführt. Was er auch isst, er scheint einfach nicht zuzunehmen. Wenn die kurzsichtige Hexe testen will, wie fett er schon ist, streckt er ihr einfach einen alten Knochen entgegen. Voller Ungeduld will sie nun die arme Gretel backen. Die wiederum tut aber so, als wüsste sie nicht, wie sie in den Ofen kommen soll. Da reißt der bösen Alten der Geduldsfaden. Sie klettert selbst in die Backröhre, um es dem Kind vorzumachen. Das schlaue Mädchen aber schlägt hinter ihr die Tür zu und die Hexe muss elend verbrennen.

Ganz anderer Natur ist die Zauberin aus dem Märchen „Rapunzel“. Die Magierin nimmt ein Mädchen bei sich auf, das ihr von der leiblichen Mutter im Tausch für ein Beet Feldsalat überlassen wird. Zunächst geht es dem Kind bei seiner Ziehmutter gut, die es wie eine eigene Tochter liebt. Als Rapunzel aber heranwächst und immer schöner wird, sperrt sie es in einen hohen Turm mitten im Wald. Der hat keine Türe und nur ganz oben ein kleines Fenster. Der einzige Weg hinauf ist das ellenlange Haar der jungen Frau, das wie ein Kletterseil genutzt werden kann. Dennoch bleibt die Schöne der Männerwelt nicht lang verborgen. Als die Zauberin merkt, dass ihr Zögling vorhat sie zu verlassen, um einen Prinzen zu heiraten, schlägt die bisherige Übervorsorglichkeit in blanken Hass um. Sie schickt Rapunzel allein in die Einöde und bringt den Prinzen dazu sich vom Turm zu stürzen. Er überlebt zwar, verletzt sich aber an einem Dornengestrüpp und ist fortan blind. So zieht er in die Welt und versucht seine Liebste zu finden. Zunächst sieht es so aus, als hätte die Eifersucht der Zauberin das Glück des Pärchens zerstört. Nach einigen Jahren des Umherirrens in der Wildnis finden sie einander aber wieder und es gibt doch noch ein glückliches Ende.

Mit einer der gemeinsten Frauen der Märchenwelt haben es „Brüderchen und Schwesterchen“ zu tun. Sie ist böse Stiefmutter und Hexe in einer Person und stellt den Geschwistern nach, wo sie nur kann. Nicht genug dass sie die beiden schlägt, bis sie von zuhause fortlaufen, sie verzaubert auch noch die Bäche auf ihrem Fluchtweg. Deshalb verwandelt sich Brüderchen in ein Reh, als er seinen Durst stillen will. So leben die Kinder lange zusammen im Wald, bis ein junger König sie entdeckt und sich in das Schwesterchen verliebt. Das Glück scheint den beiden wieder hold zu sein. Das Mädchen wird Königin, das Reh darf mit ihr im Schloss leben und das erste Kind ist schon unterwegs. Leider erfährt die böse Stiefmutter davon und bringt Leid und Unheil über die junge Familie. Sie tötet das Schwesterchen, gibt ihrer eigenen Tochter deren Aussehen und bringt sie auf den Thron. Der Geist des armen Mädchens verlässt das Schloss jedoch nicht und so kann der Betrug bald aufgeklärt werden. Die Hexe wird mit dem Feuertod bestraft und die Liebe des Königs holt Schwesterchen wieder ins Leben zurück. Brüderchen wird durch das Ende der Alten erlöst und so ist alles Unheil, das die böse Stiefmutter verbreitet hat, abgewandt.

Die bösen Umtriebe der hinterlistigen Frauen werden nicht durch Gewalt, sondern vielmehr durch Schlauheit und vor allem durch die Macht der Liebe gestoppt. Zuneigung und Treue sind die „Waffen“, mit denen die Helden kämpfen. So dienen Märchen nicht nur für kleine Kinder sondern generell als moralischer Leitfaden, mit dem sich die wirkliche Welt verschönern lässt.

Schneewittchen, der Froschkönig oder die Knusperhexe sind weltberühmte Figuren. Es gibt aber auch viele weniger namhafte Charaktere, deren Geschichten ebenso spannend und erzählenswert sind. In Teil 5 der Reihe „Märchenhafter Oktober“ geht es um weniger bekannte Märchen.

Glauben Sie, dass die Liebe stärker ist als Hass und Boshaftigkeit? Oder gibt es so etwas nur im Märchen? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Life-Go-Forum mit.



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