•  
    • Kultur & Lifestyle
    • Sport & Panorama
    • Europa & Die Welt
    • Wissenschaft & Gesundheit
    • Politik & Wirtschaft
    • Computer & Technik
  •  
    • Sicherheits-Tools
    • System-Tools
    • Browser & Dateimanager
    • Grafik-, Film- & Sound-Tools
    • Andere Tools
    • Unterhaltung
    • Sicherheits-Tools
    • System-Tools
    • Browser & Dateimanager
    • Grafik-, Film- & Sound-Tools
    • Andere Tools
    • Unterhaltung
 
 
 
 

Kurzgeschichte: Fass mich nicht an!


13.09.2005 (L. Distlbacher) Kategorie: Specials

Bild: 77buchaus.ib.hu-berlin.de

„Argh!“, stieß Phoebe wutentbrannt aus. Die Zornesröte in ihrem Gesicht war noch immer nicht verblichen. „Ihr zwei seid einfach unmöglich! Von Andy hatte ich diese passive Einstellung ja erwartet, doch dass du mir jetzt auch noch in den Rücken fällst, Tamara, enttäuscht mich wirklich schwer. Ich möchte euch zwei in der nächsten Zeit nicht mehr wieder sehen!“ Damit stürmte sie aus dem Raum und ließ die beiden verdutzten Mädchen zurück.

Was war in letzter Zeit bloß in sie gefahren? Sonst eskalierte die Situation ja auch nicht, wenn sie sich einmal stritten. Und eben war der Streitgrund doch wirklich mehr als belanglos gewesen... Es hatte sich lediglich um den ganzen Schulsprecherkram gehandelt, den Andy nach wie vor als schwachsinnig bezeichnete. Er sagte natürlich immer genau das, was er lieber hätte lassen sollen. Als sich jedoch Tamara auch noch auf die Seite ihres besten Freundes geschlagen hatte, brachte dies das Fass zum Überlaufen.

In den vergangenen Tagen war Phoebe leicht zur Weißglut zu treiben - zu leicht. Wenn man auch nur einmal nicht ihrer Meinung war, tickte sie regelrecht aus. Irgendetwas stimmte mit ihr ganz und gar nicht.

Phoebe irrte ziellos durch die kalten Gänge des Internats. Sie fand sich in der Bibliothek wieder, ohne wirklich zu wissen, wie sie dorthin gelangt war. Immer noch vor Wut schäumend wollte sie ein Buch über Algebra aus einem der Bücherregale ziehen, als sie feststellen musste, dass das Buch nicht mehr da war, wo es sein sollte. Stattdessen fand sie es in den Händen Sebastian Montagues wieder, der sich kulant darüber beugte und nichts um sich herum wahrnahm.

Das Mädchen lehnte sich an ein Bücherregal und betrachtete den Jungen. Bemerkbar machte sie sich nicht. Jede Strähne seines weißblonden Haares reflektierte den Schein des Mondes, der durch das Fenster der Bibliothek leuchtete. Sein Haar war so lebendig wie der Rest von ihm: widerspenstig, schwer zu beherrschen und ohne jegliche Disziplin.

Phoebe konnte sich kaum vorstellen, dass er es sich früher immer mit Gel voll geklatscht hatte. Nein, Sebastian würde sich sicher nie wieder einem solch tagtäglichen Zwang unterwerfen. Er trug sein Haar etwas länger, was ihr zuvor nie aufgefallen war. Ob aus Nachlässigkeit oder mit Absicht wusste sie nicht. Sie wollte es berühren; den Gegensatz zwischen ihnen und der samtigen Weichheit seiner Ohrläppchen spüren.

Auch seine Augenbrauen, die er jetzt voller Konzentration gesenkt hatte, waren von jenem unglaublich hellen Blond. Sein Kiefer, nicht gemildert durch weiche Konturen, wirkte hart und entschieden. Sein Kinn schien bereit, jedermann, ganz gleich, wie groß er war, herauszufordern.

Sein Mund war schmal, die Unterlippe etwas breiter als die obere, allerdings war die Oberlippe wohlgeformter.

Die Ärmel seines Hemdes hatte er bis zu den Ellenbogen aufgerollt. Die Haut dort war leicht gebräunt, doch es ließ sich nicht übersehen, dass er ein eher blasser Typ war. Seine Arme waren mit feinen Härchen übersäht, die so hell waren, dass sie im Schein des Feuers als weiß hätten durchgehen können.

Sie erschrak, als er plötzlich von seinem Buch aufblickte und sie durchdringend ansah. Seine Augen waren unermesslich blau. Wie kam es, dass sie vorher nie darauf geachtet hatte? Wenn jemand sie gefragt hätte: „Hey, welche Farbe haben Sebastian Montagues Augen?“, hätte sie automatisch geantwortet: „Grau.“ Aber heute Abend schienen sie Phoebe zu durchleuchten, als er von seinem Sessel zu ihr aufschaute.

Die Farben waren so klar voneinander getrennt, wie Phoebe es noch nie gesehen hatte. Das Weiße war sehr weiß. Die Iris war von einem Grau, wie es nur bei einem Wirbelwind existierte, vermischt mit einem blassen Blau, wie der Himmel im Spätherbst. Die Pupille war schwarz und spiegelte Phoebe wider.

Interessant waren diese Augen allemal und sie wünschte, sie könne sie anstarren und in sie eindringen, ohne dass er es bemerkte. Das konnte sie jedoch nicht. Erwartungsvoll blickte er sie an, wartete darauf, dass sie von sich selbst erklärte, warum sie ihn beobachtete. Als keine Erklärung kam, hakte er nach. „Phoebe, wärst du so freundlich mir zu sagen, warum du mich unnachgiebig seit geschlagenen fünf Minuten beobachtest und vor dich hinlächelst?“

Phoebe erstarrte. Er hatte sie sehr wohl bemerkt, sich nur nichts anmerken lassen. Die Röte stieg in ihre Wangen, verging aber sogleich wieder. „´Tschuldigung“, murmelte sie zu ihrer eigenen Überraschung und schmiss sich in einen Sessel am Kamin, nachdem sie sich ein anderes Buch geschnappt hatte. Sie kochte vor Wut. Wut auf Tamara und Ally, auf Sebastian und... auf sich selbst. Wie konnte sie es ihm nur so leicht machen, sie bloßzustellen?

Sebastian war nicht mehr in ihrem Sichtfeld. Anscheinend war er gegangen. Nicht, dass es sie interessierte... Als es ihr dann letztendlich gelang sich abzulenken, wurde sie nach einer halben Stunde wieder unsanft aus ihrer Buchvertiefung gerissen, denn plötzlich spürte sie, wie ein heißer Atem ihre Wange streifte.

„Na, Phoebe, immer noch hier? Und so allein? Könnte das nicht... gefährlich sein?“, hauchte jemand sanft in ihr Ohr. Ein heiß-kalter Schauer durchlief ihren ganzen Körper. Unaufhaltsam bildete sich überall Gänsehaut und ihre Nackenhaare stellten sich unbarmherzig auf. Phoebe drehte ihren Kopf, um zu sehen, wer da gesprochen hatte und erschrak zutiefst. Kein Geringerer gab sich die Ehre, als der platinblonde Eisprinz Sebastian Montague höchstpersönlich. Dem Mädchen entwich ein leiser, kaum wahrnehmbarer Schrei, bevor sie aufsprang und einen Sicherheitsabstand zwischen sich und Sebastian brachte.

Als sie ihre verlorene Stimme wiedergefunden hatte, meinte sie, wenn auch mit merkwürdig belegter Stimme: „Dass ich nicht lache... Wer sollte mir denn schon gefährlich werden? Du etwa?“ All ihren Spott und Sarkasmus versuchte sie an die Oberfläche zu bringen, doch es gelang ihr einfach nicht. Sie bemerkte, wie sie zunehmend zu zittern begann. Warum zum Teufel hatte er auf einmal solch eine Wirkung auf sie?! War es, weil er einfach nur extrem attraktiv oder nur, weil sie alleine war?

„Schon... möglich...“, flüsterte er mit einem lasziven Grinsen auf den fein geschwungenen Lippen. Er verringerte wieder die verlorene Nähe.

„Komm mir nicht zu nahe, Montague. Ich warne dich...“, versuchte sie zu drohen, doch ihrer Stimme fehlte der entscheidende Biss. Sie wich zurück, bis sie ein Regal in ihrem Rücken spürte.

„Und was… wenn ich mich nicht... daran halte...?“, fragte er und setzte einen hungrig- lüsternen Blick auf.

„Du... Das... das kannst du nicht machen...“, flehte sie beinahe, doch Sebastian nahm ihr Bitten kaum wahr. Immer näher schritt er auf sie zu, bis sie nicht einmal mehr handbreit voneinander entfernt waren. Phoebes Arme schnellten mit Händen, die zu Fäusten geballt waren, nach oben, aber Sebastian packte eben diese, brachte sie über ihrem Kopf an und hielt sie fest.

Noch näher kam sein Gesicht. Er beugte sich zu ihr herunter und Phoebe schloss die Augen. Jedoch nicht vor lauter Genuss und Vorfreude, sondern vor Ekel und Angst. Sie wollte ihn dabei nicht sehen; ihn und seinen dreckigen, zynischen Blick. Sie musste es mit Würde ertragen.

„Warum tust du das?“, wisperte sie verzweifelt, wobei ihrer Kehle kein Laut entwich. Es war weniger als ein Flüstern. Sebastian vernahm nur noch diese Worte. Sie schlichen sich in sein Unterbewusstsein und verankerten sich dort. Dann verschloss er ihr mit seinen Lippen den Mund.

Phoebe kniff die Lippen zusammen und verkrampfte sich. Jede Faser ihres Körpers war angespannt. Sie wollte, dass es vorbei war, aber dies war erst der Anfang.

Würde er sie vielleicht in Ruhe lassen, wenn sie nicht reagierte? Doch zu spät. Ihr Körper sprang doch glatt auf ihn an! Als er dann auch noch seine Zunge zwischen ihre Lippen zu bringen versuchte, konnte sie nicht anders, als diese bereitwillig zu öffnen. All ihre Gedanken, ja sogar ihr Gehirn, setzten aus und konzentrierten sich nur noch auf dieses einzigartige Gefühl.

Blitze durchzuckten sie, als ihre Zungen aufeinander trafen und verspielt um die Oberhand kämpften. Sie kam nicht darum herum, leise in seinen Mund zu keuchen. Warum brachte sie es nicht fertig, ihn von sich zu stoßen? Es wäre solch eine simple Handlung, doch schaffte sie es nicht.

Sebastian verkniff sich ein Grinsen, als er merkte, wie sich ihre Fäuste lockerten. Ihre Hände verschränkten sich mit den seinen, ließen sich los, nur um sich daraufhin wieder miteinander zu verschlingen. Dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich!

Nun glitten Phoebes Hände auf seine breiten Schultern und fuhren wohltuend auf seinem Rücken auf und ab. Diesmal konnte selbst Sebastian sich nicht mehr beherrschen und auch ihm entwich ein leises Seufzen.

Sein Verlangen wuchs und er öffnete den Verschluss ihres Umhangs. Dieser fiel unbeachtet auf den Boden. Als Phoebe fühlte, wie er auch an ihren Blusenknöpfen fummelte, besann sie sich wieder der Realität und stieß ihn endgültig von sich.

„Weißt du, was du da verpasst?“, fragte er gereizt. Die Lippen beider waren rot und leicht geschwollen. Phoebe nickte schwach; ihre Knie zitterten wieder.

„Ich verabscheue dich, verschwinde. HAU AB!“, schrie sie plötzlich. Sie stand stocksteif da, in der Hoffnung, dass er ihre grenzenlose Verachtung für ihn spüren könnte, die mit jedem Herzschlag durch ihre Adern floss. Er würde nie wieder die Möglichkeit erhalten, sie noch einmal zu erniedrigen.

Sebastian bedachte sie mit einem tödlichen Blick, drehte sich aber um und ging wehenden Umhangs davon. Kaum war er um die Ecke gebogen, hielt Phoebe nichts mehr auf ihren Beinen. Wie ein Häufchen Elend kauerte sie auf dem Boden und schluchzte immer wieder denselben Satz vor sich hin: „Ich hasse dich, Sebastian Montague, ich hasse dich...“

Der Life-Go-Hauptartikel zum Thema heißt „Kurzgeschichten im Portrait“. Über ihn finden Sie auch alle anderen bisher auf unserer Seite veröffentlichten Kurzgeschichten.



Redakteur:
Passwort:
 

Alles rund ums Drucken!

Radfritz.de Fahrrad Angebote

AIQUM - Das Diät, Ernährungs- und Fitnessportal

 234x60 Kinderwelt

Preisvergleich
Ferienwohnung Deutschland Digitalkameras, News ... für Fotografen Duesseldorfer-Onlinemagazin
Ruhr-Guide.de

© 2005-2012 Life-Go
RSS-Portal.com - Newsfeed RSS-Portal.com - Newsfeed
Impressum | SiteMap | Über uns
Besucher 2007:
Diese Seite wurde in 0.207917 Sekunden generiert.

Klug Suchen! Die Suchmaschinen-Suchmaschine | submitter.de - Kostenloser Eintrag in über 1111 Suchmaschinen! | Internet Links | WSD-Profi | Kingtools.de | Webkatalog