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Nein, eine große Überraschung war es nicht, die am 30. Oktober 2007 im Hauptquartier des Weltfußballverbandes FIFA verkündet wurde: Deutschland wird nach der äußerst erfolgreichen Männer-Weltmeisterschaft 2006 auch die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 2011 ausrichten. Trotzdem war der nach Zürich mitgereisten Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Erleichterung anzumerken, als FIFA-Präsident Sepp Blatter das Ergebnis bekannt gab. Neben Deutschland war nur Kanada in die Endrunde der Bewerber gekommen. Alle anderen Nationen die sich beworben hatten, das größte Ereignis im Frauenfußball 2011 auszurichten, waren zuvor an den Anforderungen gescheitert.
Dabei hatte die 15-minütige Schlusspräsentation des DFB alles andere als fehlerfrei begonnen. Das Mikrofon der Fernsehmoderatorin Monica Lierhaus, die das Konzept zusammen mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach präsentierte, war ausgefallen. Mit Hilfe von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen gelang es dem Team dennoch, das 21-köpfige Entscheidungsgremium der FIFA zu überzeugen. Somit haben die frischgebackenen Weltmeisterinnen der Frauen-Nationalmannschaft in vier Jahren die Möglichkeit, im eigenen Land den Titel zum zweiten Mal in Folge zu verteidigen.
„Dieses Turnier bietet die Chance, einmal mehr Werbung für den Frauenfußball zu machen, unseren Sport national und international weiter voranzubringen“, freute sich Bundestrainerin Silvia Neid, deren Vertrag jüngst vorzeitig bis 2011 verlängert wurde. Präsidentin des Organisationskomitees (OK) des DFB wird die ehemalige Nationalspielerin Steffi Jones, die zum Weltmeister-Team von 2003 gehörte. „Der Lebensweg von Steffi Jones zeigt gerade auch die integrative Kraft des Sports, die in unserer Gesellschaft mehr denn je gefragt sein wird“, begründete Präsident Theo Zwanziger die Entscheidung für die 34-jährige Deutsche mit Migrationshintergrund. Das Amt des OK-Präsidenten war 2006 durch Franz Beckenbauer berühmt geworden.
Unter dem Motto „Wiedersehen bei Freunden – Welcome Back“ soll in zwölf Städten nahtlos an die große internationale Begegnung der Männer-Weltmeisterschaft 2006 angeschlossen werden. Bei der Auswahl der Spielorte aus 23 Bewerbern waren besonders die Städte berücksichtigt worden, die 2006 nicht zu den WM-Städten zählten. Dazu zählen Augsburg, Bielefeld, Bochum, Dresden, Essen, Leverkusen, Magdeburg, Mönchengladbach, Sinsheim und Wolfsburg. Hinzu kommen Berlin als Hauptstadt und Frankfurt am Main als Zentrale des DFB und traditionelle Hochburg des Frauenfußballs.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich in einer Videobotschaft an die FIFA für die Vergabe der WM nach Deutschland stark gemacht. „Dies wird eine weitere hervorragende Gelegenheit sein, mit Freunden aus aller Welt ein herrliches Fußball-Fest in Deutschland zu feiern“, begeisterte sie sich nach Bekanntgabe der Entscheidung. Die Spielerinnen sehen das Ereignis vor allem als Möglichkeit, ihren Sport in Deutschland endlich nachhaltig populär zu machen. Die super Stimmung nach dem Titelgewinn in diesem Jahr konnte genau wie vor vier Jahren nicht verhindern, dass der Bundesliga-Alltag der Frauen immer noch vor weitgehend leeren Rängen stattfindet.
Sportlich ist der Weltranglistenerste Deutschland sicher auch 2011 ein Favorit auf den Pokal. Sollte den Frauen mit dem Titelgewinn im eigenen Land das gelingen, was die Männer 2006 knapp verpasst hatten, wäre das ohne Frage die einmalige Chance den Frauenfußball in Deutschland dauerhaft interessant zu machen. Der Druck des Versagens vor eigenem Publikum wird allerdings 2011 deutlich größer sein als 2007 in China. Somit bleibt erst noch abzuwarten, ob die heimische Kulisse tatsächlich ähnlich positiv wirkt wie auf die Männer. Auf ein großes Fußball-Fest dürfen wir uns aber in vier Jahren auf jeden Fall wieder freuen.
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