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Vor der Jahrtausendwende, als die 100-Gramm-Tafel Schokolade noch eine Mark kostete, bot sich dem Verbraucher in den Supermarktregalen eine überschaubare Auswahl der beliebten Süßigkeit. Die Renner hatten schlichte Namen wie Vollmilch, Zartbitter oder Traube-Nuss. Schon fast ein wenig exotisch waren marzipan- und joghurtgefüllte Varianten und die weiße Version. Abgerundet wurde das Sortiment durch milchgefüllte Schokoriegel, die nicht nur im Kinderzimmer Beifall ernteten. Mit der Zeit jedoch fanden immer ausgefallenere Kompositionen ihren Weg in die Läden. Keks-Schokolade sowie ein drollig geschecktes Kuh-Design waren erst der Anfang einer neuen Generation der nussbraunen Leckerei. Das aktuelle Sortiment wartet mit gewagten, neuartigen Geschmackskreationen auf, die zunächst etwas befremdlich daher kommen können.
Die Kombination von scharfen Chilischoten und Schokolade beispielsweise erscheint auf den ersten Blick durchaus ungewöhnlich. Doch auch andere, ähnlich wirkende Gewürze wie Ingwer und Cayennepfeffer werden der zartschmelzenden Köstlichkeit von den Herstellern beigefügt. Die Schokoladensorten sind unterschiedlich kräftig und so kann je nach Vorliebe und Gewohnheit von pikant bis feurig der passende Typ gefunden werden.
Beim Verzehr dominiert zunächst der gewohnte Kakao, denn die Würze liegt bei vielen Tafeln erst in der Füllung. Deren zweiter Bestandteil sind vielfach exotische Früchte. Ihre Süße wirkt durch die gegensätzliche Schärfe noch intensiver. Das, was der Mund als solche wahrnimmt, ist eigentlich kein Geschmack, sondern eine Schmerzempfindung. Bei häufigem Genuss von sehr scharfen Speisen tritt mit der Zeit eine Art Gewöhnungseffekt ein und die Empfindlichkeit lässt nach. So lässt sich beispielsweise auch erklären, warum viele Südamerikaner Gerichte, die den meisten Mitteleuropäern die Tränen in die Augen treiben, völlig ungerührt genießen können.
Schokolade macht bekanntlich glücklich, denn sie regt die Produktion des Glückshormons Serotonin an. Doch welche Wirkung hat eigentlich die Chilischote auf ihren Endverbraucher? Und was geschieht, wenn beides zusammenkommt? Das scharfe Paprikagewächs wird schon seit Jahrtausenden als Gewürz verwendet. Es wirkt durchblutungsfördernd und regt den Kreislauf an. Die südamerikanischen Ureinwohner wendeten die Pflanze unter anderem als Heilmittel gegen Arthrose und Zahnschmerzen an. Folglich ist der Chili-Schokoladen-Fan stets wohl gelaunt und gut durchblutet. Für das eigene Wohlbefinden verspricht die Mischung der beiden Komponenten offensichtlich einen positiven Effekt.
Außer den verwendeten „Scharfmachern“ werden auch andere Gewürze wie zum Beispiel Basilikum und Pfefferminze als Zutat benutzt. Ersteres war bislang vor allem dafür bekannt, dass es mit seinem besonderen Aroma italienische Pizza- und Pastagerichte verfeinerte. Auch wer Lavendel bisher nur als Duftnote kennengelernt hat, kann ab jetzt seinen geschmacklichen Horizont erweitern. Den höchsten Bekanntheitsgrad besitzt jedoch weiterhin die Chili-Schokolade, die mittlerweile von zahlreichen Herstellern ins Sortiment aufgenommen wurde. Auch bei den Verbrauchern ist sie sehr beliebt und es existieren bereits eine Menge Rezepte, die Chili-Schokolade als Zutat verwenden.
Für viele ist die Kombination unübertroffen gut, für manch einen bleibt sie jedoch eher gewöhnungsbedürftig. Der langfristige Erfolg lässt sich schwer abschätzen, allerdings wird der einfache Vollmilch- und Zartbitter-Liebhaber wohl auch in Zukunft im Regal fündig werden.
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