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Ab dem 6. Dezember 2007 beehren Oscar-Preisträgerin Julie Christie und ihr Schauspieler-Kollege Gordon Pinsent die deutschen Kinos. „An ihrer Seite“ ist ein rührendes, mitreißendes Gesellschaftsdrama über das oft gemiedene und unangenehme Thema Alzheimer. Die Regisseurin Sarah Polley wagt sich mit der schwierigen Thematik des Films auf dünnes Eis.
Handlung
Fiona (Julie Christie) und Grant Anderson (Gordon Pinsent) sind seit 44 Jahren verheiratet. Sie haben keine Kinder und leben in einem kleinen Haus am Ontario-See im Norden von Kanada. Allmählich zeigen sich bei Fiona Zeichen eines geistigen Verfalls, insbesondere ihr Kurzzeitgedächtnis verschlechtert sich zunehmend. Obwohl die Lage noch nicht dramatisch ist, macht sich Grant große Sorgen um die Liebe seines Lebens. Als eine Ärztin Alzheimer diagnostiziert, stellen sich seine Befürchtungen als begründet heraus. Um Fiona die bestmögliche Behandlung bieten zu können entscheiden sie sich für ein nahe gelegenes Pflegeheim. Nach der Besichtigung der Anstalt ist Grant von der Idee überhaupt nicht begeistert, doch Fiona besteht darauf und zieht nach dem Neujahrsfest dort ein.
Die Vereinbarungen des Heimes besagen, dass die Patienten und deren Angehörige dreißig Tage lang keinen Kontakt haben dürfen. Weder Besuche noch Telefonate werden gestattet, damit sich die Patienten integrieren können. Nach dem Eingewöhnungsmonat ist Fionas Erkrankung so weit fortgeschritten, dass sie sich ihren Ehemann nicht wiedererkennt. Sämtliche Erinnerungen verbindet sie mit einem im Rollstuhl sitzenden Patienten, von dem sie meint ihn aus Kindertagen zu kennen, was allerdings nicht der Fall ist. Zu Beginn kann sich der alleingelassene Grant nicht damit abfinden und versucht immer wieder dem Erinnerungsvermögen seiner Frau auf die Sprünge zu helfen. Schließlich lernt er die schmerzliche Situation zu akzeptieren und sein Leben weiterzuleben.
Darsteller
Julie Christie hat schon in jungen Jahren mit ihren unfassbaren blauen Augen der Welt den Kopf verdreht. Nach dem gewonnen Oscar für ihre Hauptrolle in „Darling“ (1965) und weltweitem Ruhm durch das Monumental-Epos „Doktor Schiwago“ aus dem gleichen Jahr war sie auf dem Olymp der Filmbranche angelangt. Danach übernahm sie viele kleinere Rollen. In den 80ern und frühen 90ern zog sie sich aus der Filmbranche zurück. Während dieser Zeit lebte sie in einem kleinen Bauernhof in Wales und engagierte sich politisch sowie sozial. Ab 1992 übernahm Julie Christie wieder einige Rollen, meistens jene von Nebenfiguren, unter anderem auch die der Mutter von Brad Pitt als Achilles in „Troja“ (2004). In „An ihrer Seite“ spielt die 66-jährige nach längerer Zeit wieder eine Hauptrolle und bezaubert dabei einmal mehr ihr Publikum.
Gordon Pinsent ist zum Beispiel aus dem Film „Saint Ralph“ (2004) bekannt. Der 77-jährige Schauspieler ist in Kanada durch seine Auftritte in Fernsehserien bekannt. Das deutsche Publikum hingegen begeisterte er in unzähligen Nebenrollen. Sowohl für seine Film- als auch für seine Fernsehrollen bekam er schon mehrere Auszeichnungen. Ein Oscar war allerdings bis heute noch nicht dabei. In seiner Rolle des Grant Anderson berührt Gordon Pinsent das Publikum mit der tiefen Zuneigung zu seiner Frau.
Die Regisseurin Sarah Polley beweist mit ihrem Alzheimer-Drama „An ihrer Seite“ ein bemerkenswertes Gespür für Atmosphäre und Emotionalität. Die 28-jährige ist hierzulande am ehesten durch ihren Part als resolute Krankenschwester Ana aus dem Horror-Film „Dawn Of The Dead“ (2004) bekannt.
Fazit
Die degenerative Gehirnerkrankung Alzheimer, benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer, der sie 1906 erstmalig diagnostizierte, tritt häufiger auf als zunächst gedacht. Allein im Jahre 2006 waren 26,6 Millionen Menschen davon betroffen. Was oft mit leichter Vergesslichkeit beginnt, endet in den meisten Fällen mit Demenz und totalem Realitätsverlust. Heilung ist nicht möglich. Diverse Therapien beziehungsweise Medikamente ermöglichen, wenn überhaupt, nur eine geringe Verbesserung. Alzheimer ist damit eine ernst zu nehmende Krankheit.
Im Hinblick auf diese Tatsache hat sich Regisseurin Sarah Polley keine leichte Thematik zur filmischen Bearbeitung ausgesucht. Dennoch geht sie sehr behutsam an diesen Gegenstand heran. Sie zeichnet ihre Figuren besonders genau, sie nimmt sich sehr viel Zeit dafür und gibt ihnen dabei ausreichend Raum sich zu entfalten. Die beiden Hauptdarsteller nutzen die Möglichkeit vorzüglich aus und überzeugen durch ein feinfühliges Spiel. Die Vertrautheit ihrer Charaktere wirkt so überzeugend, dass dem Zuschauer die zunehmende Entfremdung wahrlich zu Herzen geht.
Besonders Gordon Pinsents verzweifelte Versuche, Julie Christie dazu zu bewegen, sich an ihn zu erinnern, lösen tiefste Rührung aus. Mit Charme und Humor wird an die ernste Erkrankung herangegangen, wodurch die emotionale Spannung zeitweise gelockert wird. Der Zuschauer verlässt den Film trotzdem bedrückt und zutiefst betroffen. Dennoch ist „An ihrer Seite“ mehr als nur empfehlenswert. Es ist ein hervorragendes, ausdrucksstarkes und berührendes Meisterwerk, das auch für Jugendliche geeignet ist.
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