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Rohstoffe und ihre Bedeutung im 21. Jahrhundert - Teil 1: Erdöl


01.12.2007 (S. Petersohn) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.pegaswiss.ch

Bei den meisten Rohstoffen, die für das wirtschaftliche Wachstum eines Landes wichtig sind, handelt es sich um nicht-erneuerbare, fossile und minerale natürliche Ressourcen. Die natürlichen Vorkommen der fossilen Energieträger Öl und Gas sowie der Mineralien Eisenerz, Kupfer und Zinn sind demnach begrenzt. Auch beim lebenswichtigen Element Wasser sind die Reserven knapp. Sie alle neigen sich im Zuge des rasant ansteigenden weltwirtschaftlichen Wachstums dem Ende zu. Es stellen sich dringende Fragen: Welche Rohstoffe sind knapp, welche am begehrtesten und wie steht es in Zukunft um die Rohstoffversorgung? Im ersten Teil der Artikelreihe bei Life-Go geht es um die Ressource Erdöl.

Der Politikwissenschaftler Samuel Huntington formulierte 1993 die These, dass der bedeutendste Konflikt des 21. Jahrhunderts die Form eines Kampfes zweier Kulturkreise annehmen wird. In den Wirtschaftsteilen von Zeitungen wird seine These vom „Kampf der Kulturen“ jedoch regelmäßig umgeschrieben. Es geht heute nicht mehr um Kulturen, sondern um Wirtschaftsnationen und das umkämpfte Gut sind Rohstoffe, wie Erdöl, Erdgas, Kupfer und Zinn.

Die Frage ist nur: Wann sind die Reserven endgültig erschöpft? Die Debatte mit den meisten Kontroversen und der wohl höchsten politischen Relevanz dreht sich um die globale Erdölversorgung. Der amerikanische Geologe Marion King Hubbert befasste sich als Erster mit der Berechnung des Zeitpunktes der maximalen Förderung des fossilen Energieträgers. Von ihm stammt die Hubbert-Kurve, mit der die Phasen der Förderung des Energieträgers im Verhältnis zu den bestehenden Reserven graphisch veranschaulicht werden.

Marion King Hubberts Prognose für die amerikanischen Ölfelder erwies sich als zutreffend. Gegen 1970 erreichten sie einen Produktionshöhepunkt. Weltweit sieht der Wissenschaftler den Förderungshöchststand und die danach unvermeidliche Senkung der Förderung zur Jahrhundertwende des 21. Jahrhunderts nahen. Die Prognosen wurden von anderen Forschern mittlerweile um 20 bis 50 Jahre verlängert.

Doch gibt es auch gegenteilige Sichtweisen, die unter anderem von der Erdölindustrie vertreten werden. Peter Davies, Chefökonom bei British Petroleum (BP), ist der Auffassung, dass die Datenlage bezüglich der Vorkommen keinen gesicherten Aufschluss über die tatsächliche Menge des noch verfügbaren Rohstoffs gibt. Außerdem würde durch technologische Neuerungen die Erschließung von bis dato unerreichbaren Quellen bzw. die Förderung von größeren Mengen des Energieträgers möglich.

Die Entwicklungstendenzen dahingehend sind schwer vorhersehbar, weshalb Schätzungen zur noch vorhandenen Menge des Rohstoffes mit hoher Unsicherheit behaftet sind. Zusätzlich bestimmen Angebot und Nachfrage die Verbrauchsrate des fossilen Energieträgers. So wird der internationale Verbrauch etwas sinken, wenn die Staaten, die Mitglieder in der OPEC-Organisation* sind, eine weitere Verteuerung ankündigen. Die im Zuge der Klimadebatte wachsende Attraktivität erneuerbarer Energieträger und der Atomenergie wirkt sich ebenfalls auf die Nachfrage aus.

Die Frage nach der Knappheit des Rohstoffes lässt sich also mit Hinblick auf die bestehenden wissenschaftlichen Kontroversen nicht abschließend beantworten. Es zeichnet sich ab, dass sich in Zukunft nicht nur die größten Verbraucherländer China und die USA, sondern alle Staaten mit der Suche nach einem Ersatzrohstoff befassen werden müssen. Die Debatte wird die Schnelligkeit und Intensität der Suche nach Alternativen deutlich beeinflussen.

Nicht zu unterschätzen ist dabei die steigende Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen um das „schwarze Gold“, je knapper es wird. Es spielte eine große Rolle im Irak-Krieg von 2003 sowie bereits im Golf-Krieg im Jahr 1992. Ein Großteil der noch vorhandenen Reserven befindet sich dort im Umkreis des Persischen Golfes. Erdöl spielte außerdem eine fatale Rolle in einigen, von Bürgerkriegen zerrütteten, Ländern Afrikas, wie zum Beispiel Nigeria und Angola. Der Erlös des Verkaufes wurde zumeist direkt in Waffen umgesetzt.

Ein Blick auf die gerade genannten kriegerischen Konflikte und die amerikanische und europäische Nahost- oder die chinesische Entwicklungspolitik in Afrika scheinen die abgewandelte These Samuel Huntingtons exemplarisch zu verdeutlichen. Es geht nicht nur um die Demokratisierung des Iraks, die Verhinderung einer atomaren Selbstbewaffnung des Irans oder die selbstlose Aufbauhilfe in afrikanischen Entwicklungsländern. Die Industrienationen und China buhlen auch um diese Länder, weil sie Erdölreserven besitzen. Nichtsdestotrotz sind die Vorkommen endlich. Versiegen die letzten Quellen des begehrten Rohstoffes, so wird das Blut dennoch nicht aufhören zu fließen.

Wie sehen Sie die Rohstoffversorgung der Zukunft? Diskutieren Sie mit uns im Life-Go-Forum!

* Die OPEC ist eine Organisation der Öl-Export-Länder Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien, Venezuela, Katar, Indonesien, Libyen, Vereinigte arabische Emirate, Algerien, Nigeria, Ecuador und Gabun.



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