|
Der Anfang April an der britischen Kanalküste aufgefundene „Piano Mann“ stammt aus Deutschland. Der blonde Mann hatte Ärzte und andere Personen in einer britischen Nervenklinik mit seinem Schweigen monatelang zum Narren gehalten. Jetzt wurde vom Auswärtigen Amt Berlin bestätigt, dass es sich um einen 20-Jährigen aus Bayern handelt.
Der Mann wurde mit triefend nasser Kleidung und ohne jegliche Ausweispapiere gefunden und beantwortete von Anfang an alle an ihn gestellten Fragen nur mit der auf ein Papier gezeichneten Zeichnung eines Klavierflügels. Demnach gingen die Ärzte der Klinik Little Brook in Dartford (Kent) davon aus, dass es sich um einen Pianisten handeln müsse, der vermutlich ein traumatisches Erlebnis und einen Nervenzusammenbruch erlitten habe, welche ihm sein Erinnerungsvermögen genommen hätten.
Der fast zwei Meter große junge Mann schwieg monatelang, bis zu einem Morgen, an dem eine Krankenschwester ihn zum wiederholten Mal fragte: „Werden Sie heute mit uns sprechen?“ Daraufhin brach der Mann sein Schweigen und antwortete: „Ja, ich denke, das werde ich tun.“
Zuvor hatte es geheißen, der Mann spiele perfekt Piano, hätte darüber hinaus aber nichts weiter getan. Der Spitzname „Piano Man“ sei zustande gekommen, weil er von Anfang an als einzige Kommunikation nur diesen Klavierflügel gezeichnet habe. Laut dem „Daily Mirror“ habe der Mann allerdings nie, wie es zuvor geheißen hatte, ein Klavierkonzert gegeben, sondern lediglich auf dieselbe Klaviertaste getippt. Den Klavierflügel habe er nur gezeichnet, weil es das Erste gewesen war, was ihm in den Sinn gekommen sei, so seine angebliche Antwort. Wirklich Klavier spielen konnte er nicht, berichtete die englische Zeitung der „Daily Mirror“.
Nachdem er sein Schweigen gebrochen hatte, erzählte er dem „Daily Mirror“, dass er Deutscher, homosexuell und Sohn eines Bauern sei. Er sei mit dem Eurostar-Zug nach Großbritannien eingereist und als ihn die Polizei in nasser Kleidung am Strand von Kent gefunden hatte, habe er gerade einen Selbstmordversuch hinter sich gehabt. Danach habe er sich offensichtlich in einem Stresszustand befunden und sein Schweigen gewahrt, auch als ihn Ärzte untersuchten. Zum Selbstmordversuch sei es gekommen, so der 20-Jährige, weil er seinen Arbeitsplatz in Paris verloren und keinen Sinn mehr in seinem Leben gesehen habe.
Dem jungen Mann kam bei seiner Simulation offenbar seine Berufserfahrung zugute, da er früher mit psychisch kranken Menschen gearbeitet habe. Er habe ihre charakteristischen Verhaltensweisen imitieren können und somit selbst erfahrene Ärzte austricksen können.
Der „Piano Man“ erinnerte weltweit an den Film „Shine - Der Weg zum Licht“. Der 1996 erstmals ausgestrahlte Film beruht auf einer wahren Begebenheit: Der hochmusikalische David Helfgott wird von seinem ehrgeizigen Vater so lange am Klavier gedrillt, bis er daran zerbricht und in eine Nervenheilanstalt kommt.
Der wahre Grund für das lange Schweigen des Mannes sowie sein mysteriöser Fund werden noch geklärt. Er ist bereits zurück in Süddeutschland. Ihn will der britische Gesundheitsdienst jetzt auf Entschädigung verklagen, da in den vergangenen Monaten viel Geld für seine Betreuung ausgeben wurde, so der „Daily Mirror“.
|