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Rohstoffe und ihre Bedeutung im 21. Jahrhundert - Teil 2: Kupfer und Silber


08.12.2007 (S. Petersohn) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.wdr.de

Bei den meisten Rohstoffen, die für das wirtschaftliche Wachstum eines Landes wichtig sind, handelt es sich um nicht-erneuerbare, fossile und minerale natürliche Ressourcen. Die natürlichen Vorkommen der fossilen Energieträger Öl und Gas sowie der Mineralien Eisenerz, Kupfer und Zinn sind demnach begrenzt. Auch beim lebenswichtigen Element Wasser sind die Reserven knapp. Sie alle neigen sich im Zuge des rasant ansteigenden weltwirtschaftlichen Wachstums dem Ende zu. Es stellen sich dringende Fragen: Welche Rohstoffe sind knapp, welche am begehrtesten und wie steht es in Zukunft um die Rohstoffversorgung? Nachdem im ersten Teil der Life-Go-Artikelreihe „Rohstoffe und ihre Bedeutung im 21. Jahrhundert“ der Frage nach der Zukunft der Erdölversorgung nachgegangen wurde, soll es in hier um die wichtigen Mineralien Kupfer und Silber gehen.

Mineralische Rohstoffe wie Kupfer und Silber sind häufig unbemerkte, aber wichtige Begleiter unseres Alltags. Leitungswasser fließt oft durch Kupferrohre, und in zahlreichen elektronischen Kommunikationsgeräten stecken Mikroprozessoren, bei deren Herstellung Kupfer eine wichtige Rolle spielt. Ein Auto würde ohne die meist ebenfalls mit Kupfer verarbeiteten Elektroteile gar nicht fahren können. Silber hingegen hat nicht nur dekorative Funktionen in Form von Schmuck, sondern kann Leben retten. Das Mineral findet weit reichende medizinische Anwendungen. Es tötet Salmonellen und Kolibakterien und wird in silberhaltigen Auflagen zur Heilung von Verbrennungen eingesetzt.

Beide Ressourcen gehören zu der Gruppe der nicht-erneuerbaren, mineralischen Rohstoffe. Ihre Vorkommen sind demnach begrenzt und werden in absehbarer Zeit erschöpft sein. Wie lange die Reserven noch reichen werden, ist eine Frage, die von Geologen und anderen Wissenschaftlern mit statistisch fundierten Schätzungen beantwortet werden soll. Wie bei der Debatte um die noch verfügbaren Erdölvorkommen herrscht auch hierbei eine große Uneinigkeit.

Das Deutsche Kupferinstitut (DKI) informiert auf seiner Webseite, dass „trotz des jährlich steigenden Erzabbaus [...] die bekannten Vorkommen nicht ab-, sondern zunehmen.“ Verbesserte Rohstoffgewinnungs- und Abbautechniken führen zu einem Wachstum der wirtschaftlich nutzbaren Reserven. Kein Grund zur Sorge also? Eugen Weinberg, Autor eines Kommentars auf der Fachwebseite für Mineralien „Die Goldseiten“, behauptet das Gegenteil. Seiner Ansicht nach übersteigt der Kupferverbrauch die Förderung des Rohstoffs, was noch in diesem Jahrhundert zu einer Erschöpfung der Reserven führen könnte.

Silber kann aus unter- sowie überirdischen Quellen bezogen werden. Die Reserven schrumpfen jedoch beständig. Während die USA in den 50er und 60er Jahren noch die größten Silberbestände besaßen, verfügt sie nun über einen verschwindend geringen Anteil der weltweiten Vorräte. Eine Forschergruppe des „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) berechnete für ihren mit „Die Grenzen des Wachstums“ betitelten Bericht von 1972 eine Menge von 170.000 Tonnen Silber.

Mineralische Rohstoffe wie Kupfer oder Silber werden jedoch im Gegensatz zu Öl und Gas nicht unwiederbringlich verbraucht, sondern nur genutzt. Daher werden sie als rezyklierbar bezeichnet. Sie können nach dem heutigen Stand der Technik nahezu ohne Qualitätsverluste des Materials wiederverwertet werden. Paradoxerweise kann aufgrund dieser Tatsache die Verfügbarkeit von mineralischen Rohstoffen auch wieder ansteigen. So gab es zum Beispiel im Jahr 2004 mehr als 240.000 Tonnen an Silberreserven. Die Versorgungslage sieht demnach nicht so gespannt aus wie bei den fossilen Energieträgern.

Ob nun reichlich vorhanden oder nur noch knapp verfügbar: Rohstoffe sind die Grundlage jeglicher wirtschaftlicher Produktion und daher heiß begehrt. Die großen Schwellenländer Indien und China benötigen für ihre stetig wachsende Produktion immer mehr von den wertvollen Ressourcen. China war bereits 2004 der größte Konsument von Kupfer, Kohle und Zinn. Das gilt heute mehr denn je. Ganz nach den Gesetzen des Marktes stiegen die Rohstoffpreise von Eisenerz, Kupfer und Zinn wegen der hohen Nachfrage enorm an. Viele Industriezweige, wie die Automobilhersteller, wurden durch die Preisschwankungen in Produktionsschwierigkeiten gebracht, denn es kam unter anderem zu Lieferengpässen.

Zusätzlich tauchte ein weiteres Problem auf. Es geht um Rohstoffdiebstahl. Im Vorjahr 2006 wurden einem Hamburger Unternehmen für Thermotechnik elf Tonnen Kupfer entwendet. In Berlin stand im selben Jahr ein Hochhaus in Explosionsgefahr, da Rohstoffräuber Kupfergasleitungen herausgerissen hatten. Die Polizei vermutet, dass der Absatzmarkt für die gestohlenen Buntmetalle vor allem in Osteuropa liegt. Dort werden sie eingeschmolzen und wieder verkauft oder verbaut. Die Volksrepublik China hat ähnliche Probleme mit Kupferdieben. Sie verhängt in Extremfällen sogar die Todesstrafe.

So gibt es, ähnlich wie beim Erdöl, auch bei den mineralischen Rohstoffen ein hohes Konfliktpotential. Die Frage, wie groß das wirtschaftlich nutzbare Vorkommen der Ressourcen noch ist, scheint trotzdem nicht so dringlich wie bei dem fossilen Energieträger. Schließlich können mineralische Ressourcen zu einem hohen Grad wiederverwertet werden. Die im Gestein vorhandenen Minerale sind jedoch nicht-erneuerbar. Bezogen auf die wesentlichen Funktionen von Kupfer und Silber sollte die Bedeutung der Endlichkeit ihrer Reserven daher nicht vergessen werden. Leider droht der Gedanke im lauten „Getöse“ der Erdölknappheitsdebatte unterzugehen.

Was meinen Sie: Werden Kupfer und Silber knapp? Drohen neben „Erdölkriegen“ auch militärische Auseinandersetzungen um mineralische Rohstoffe? Wir laden Sie herzlich ein, im Life-Go-Forum darüber zu diskutieren!



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