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Im Oktober war es wieder so weit. In der Hauptstadt Schwedens, Stockholm, wurde bekannt gegeben, wer die diesjährigen Nobelpreise erhält. Im ersten Teil der Reihe stellten wir bereits die Medizin-Nobelpreisträger Martin Evans, Mario Capecchi und Oliver Smithies vor. Außerdem waren Peter Grünberg und Albert Fert, die den Nobelpreis für Physik erhalten, Thema. Im Teil 2 handelt es sich um Doris Lessing, Gerhard Ertl sowie Al Gore und den Uno-Klimarat. Die genannten Personen und die Institution werden für ihre Verdienste in den Bereichen Literatur, Chemie und Friedensbemühungen ausgezeichnet.
Literatur
Die britische Schriftstellerin Doris Lessing wurde am 22. Oktober 1919 in Kermanschah, Iran, als Tochter eines Kolonialoffiziers und einer Krankenschwester geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie auf dem Land in der britischen Kolonie Südrhodesiens, dem heutigen Simbabwe. Das literarische Schaffen der Britin wird gegenwärtig in drei verschiedene Bereiche gegliedert. Zum einen beschäftigt sie sich mit kommunistischen Themen und verarbeitet dabei radikale Gedanken über soziale Fragen. Zum anderen schreibt sie über psychologische Fragen und die islamische Mystik (Sufismus). Die Anhänger der Lehre betrachten den Sufismus als Teil des Islams, der die esoterische Wahrheit offenbart.
Als Doris Lessings Hauptwerk gilt „Das goldene Notizbuch“ von 1962, ein Klassiker der Moderne. Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei politisch engagierte und intellektuelle Frauen, die der Kommunistischen Partei (KPD) angehören. Die Autorin beschreibt die politische Auseinandersetzung und weibliche Erfahrungen wie die Menstruation. Weiterhin greift sie das Thema des Rassismus in Rhodesien und des Umgangs mit Männern auf. Der Roman gilt daher als Kultbuch der feministischen Bewegung. Weitere bekannte Werke sind „Afrikanische Tragödie“, „Die Kluft“ und „Schritte im Schatten“. Doris Lessing wurde schon 30 Jahre lang als Kandidatin für den Nobelpreis gehandelt. Zur Begründung der Entscheidung, schrieb das Komitee: Sie ist eine „Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Gesellschaft zur Prüfung vorgenommen hat.“
Chemie
Der deutsche Wissenschaftler Gerhard Ertl wurde am 10. Oktober 1936 in Stuttgart geboren. Dort besuchte er das Johannes-Kepler-Gymnasium und fing im Alter von 19 Jahren ein Physikstudium an der Universität Stuttgart an. Im Jahr 1961 schloss er das Studium mit dem Diplom ab und wechselte ein Jahr später an die Technische Universität München. Er arbeitete auf dem Gebiet der physikalischen Chemie und erwarb seinen Doktortitel. Gerhard Ertl habilitierte in München und übernahm in den folgenden Jahren Professuren an verschieden Universitäten. Seit 2004 ist er im Ruhestand.
Den Nobelpreis erhält der Wissenschaftler für seine „Studien über chemische Prozesse auf festen Oberflächen“. Durch seine Forschung auf dem Gebiet der Oberflächenchemie werden verschiedenen Prozesse und Vorgänge verständlich. So lassen sich zum Beispiel das Rosten von Eisen oder der Abbau der Ozonschicht erklären. Gerhard Ertls Erkenntnisse helfen aber auch, die Funktionsweise von Auto-Katalysatoren oder moderner Brennstoffzellen zu verstehen.
Friedensbemühungen
Albert Arnold Gore wurde am 31. März 1948 in Washington D.C., USA, geboren. Als Abkürzung für Albert wird er oft nur „Al“ Gore genannt. Er studierte Verwaltungswissenschaften an der Harvard University in Cambridge und erlangte einen „Bachelor of Arts“. Später studierte er Philosophie und Jura an der Vanderbilt University in Nashville, jedoch ohne einen Abschluss zu erreichen. Danach war er acht Jahre als Abgeordneter im Repräsentantenhaus tätig und schließlich als Senator für den Staat Tennessee. Im Jahr 1988 scheiterte er an einer Präsidentenwahl. Im Jahr 2001 verlor er dann erneut gegen den amtierenden Präsident George W. Bush. Seit 2003 arbeitet Al Gore im Aufsichtsrat des Unternehmens „Apple“.
Al Gore engagierte sich schon Anfang der neunziger Jahre für den Umwelt- und Klimaschutz. In der Zeit veröffentlichte er verschiedene Schriften und Bücher über die Umweltpolitik. Besondere Aufmerksamkeit erregte das Buch „Wege zum Gleichgewicht – Ein Marshallplan für die Erde“, in dem Al Gore die Idee eines globalen Marshallplans für den Umweltschutz entwickelt. Im Jahr 2006 kam der Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ in die Kinos, mit dem der Politiker über den Klimawandel aufklären wollte. Schließlich initiierte er mit „Live Earth“ eine weltumspannende Konzertreihe, die erneut auf die Klimaerwärmung aufmerksam machen sollte. Für sein Engagement wurde Al Gore dieses Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Uno-Klimarat
Die ebenfalls ausgezeichnete Organisation „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC), auch Uno-Klimarat genannt, wurde 1998 gegründet. Aufgabe der Organisation ist es, den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel darzustellen und Daten auszuwerten. Die IPCC forscht also nicht selbst, sondern fertigt Studien an. Außerdem beschäftigt sie sich mit den Folgen von Klimaveränderungen und zeigt Lösungsstrategien auf, um Schäden zu vermeiden. Insgesamt sind bisher drei umfassende Berichte erschienen.
Die IPCC gliedert sich in drei Arbeitsgruppen. Entsprechend ihren Aufgaben beschäftigt sich eine Gruppe mit den wissenschaftlichen Aspekten des Klimasystems. Eine weitere untersucht die Verwundbarkeit sozioökonomischer und ökologischer Systeme durch Klimaänderungen. Die dritte Arbeitsgruppe befasst sich schließlich mit Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels. Mitarbeiter der verschiedenen Einheiten sind hauptsächlich Klimatologen.
Wir hoffen, dass Life-Go mit der zweiteiligen Reihe einen kurzen Überblick über das Leben und Wirken der diesjährigen Nobelpreisträger geben konnte. Ausgezeichnet wurde neben bedeutsamen Erfindungen auch gesellschaftliches und politisches Engagement. Daran ist erkennbar, dass es Naturwissenschaftler sowie Denker und Redner braucht, um den Fortschritt einer Gesellschaft zu erreichen.
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