|
Liebe Leser, in einer zweiteiligen Serie möchten wir über Gezeitenkraftwerke berichten. Hierzu möchten wir Ihnen im ersten Teil nahe bringen wie und wo sie in Zukunft genutzt werden könnten. Im zweiten Teil wollen wir – auf diesen Text aufbauend – die Vor- und Nachteile der erneuerbaren Energiequelle darstellen, damit Sie sich eine Meinung bilden können.
In Zeiten, in denen die Menschen vom Klimawandel reden, werden alternative Energien immer wichtiger. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Gezeitenkraftwerke. Dabei handelt es sich um Wasserkraftwerke, welche sich die Höhendifferenz des Wasserspiegels zwischen den Gezeiten zunutze machen. Ebbe und Flut werden somit zum Erzeuger für elektrischen Strom.
Der Gezeitenunterschied (Tidenhub) entsteht durch die Gravitationskraft, die der Mond, aber auch die Sonne, auf die Erde ausübt. Die dabei auftretenden Wellenberge sind immer zum Mond ausgerichtet. Die Erde dreht sich praktisch unter den Wellenbergen hindurch, ohne sie „mitzunehmen“. Durch Aufstauen der auf- und ablaufenden Strömung wird die Erdrotation minimal abgebremst. Die Energie, die schließlich genutzt wird, stammt aus der potentiellen Energie der aufgestauten Wassermassen.
Ebbe und Flut treten jeweils zweimal pro Tag an jeder Stelle der Ozeane auf. Dabei ist der Effekt aber an den Küsten der Weltmeere oft größer als auf offener See. Auch der Küstenverlauf spielt eine Rolle. Besonders bei trichterförmigen Verläufen wie Flussmündungen kann ein sehr hoher Tidenhub erreicht werden. An den Mündungen von Elbe und Weser beträgt der Gezeitenunterschied beispielsweise über vier Meter, an der Ostseeküste hingegen nur 30 Zentimeter.
Gezeitenkraftwerke funktionieren nach dem Staudamm-Prinzip. Eine Bucht wird durch einen Damm vom offenen Meer abgetrennt. Dort befinden sich die Turbinen, die zur Stromerzeugung notwendig sind. Sie besitzen umkehrbare Rotoren, sodass sie sowohl das bei Flut einströmende Wasser als auch das bei Ebbe ausströmende Wasser nutzen können. Um die Bewegungsenergie schließlich in elektrische umwandeln zu können, sind die Turbinen an Generatoren gekoppelt.
Damit die Anlagen wirtschaftlich arbeiten, wird ein Tidenhub von mindesten fünf Metern gefordert. Das ist bei etwa 100 Buchten der Erde der Fall. Doch nur ungefähr die Hälfte würde tatsächlich eine gewinnbringende Nutzung zulassen. Da die abgegebene Leistung starken Schwankungen unterlegen ist, erfolgt häufig eine Kopplung mit einem Pumpspeicherkraftwerk. Dabei wird mehr Wasser in die Bucht hineingepumpt als natürlich hereinströmt. Bei einem Versorgungsengpass kann dann wiederum mehr Wasser abgelassen werden, um mehr Energie zu erzeugen.
Was halten Sie von Gezeitenkraftwerken? Sind sie als Energiequelle für die Zukunft geeignet oder ist die Umweltbelastung doch zu groß? Schreiben Sie ihre Meinung dazu in das Life-Go-Forum.
|