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Der Aufstieg des Handys begann, als Motorola 1983 das erste kommerzielle Mobiltelefon, DynaTAC, vorstellte. Die neuartige Erfindung brachte stolze 800 Gramm auf die Waage und war 33 Zentimeter lang. Verglichen mit den Abmessungen heutiger Geräte ist das nahezu unbegreiflich. Doch die Zeiten, als sie schwer, unhandlich und klobig waren, sind schon lange vorbei. Der Trend geht immer mehr zu klein, schick und vor allem multifunktional.
Mobiltelefone haben heute oftmals Kameras mit hervorragender Pixelzahl, können Videos aufnehmen und verfügen über integrierte Radios oder andere Musikplayer. Mittels Bluetooth und Infrarot können Daten übertragen werden. Mit den meisten Modellen kann der Kunde im Internet surfen und E-Mails verschicken. Sogar Videotelefonie und TV-Empfang sind möglich. Doch wie viele Handyeigentümer nutzen diese Extras überhaupt und wie alltagstauglich sind sie? Es stellt sich beispielsweise die Frage, wie sinnvoll die Funktion des SO730i (Sony Ericsson) ist, einen angeblich beruhigenden und entspannenden Duft beim Aufklappen zu verbreiten? Und wie oft wird der Benutzer sich wohl an Fotoaufnahmen der Unterwasser-Kamera des F703i (Fujitsu) erfreuen dürfen?
In den letzten Jahren gab es mehrfach Studien, in denen untersucht wurde, welche Funktionen die Verbraucher bei ihrem Mobiltelefon tatsächlich benutzen und welche tendenziell eher überflüssig zu sein scheinen. Das Resultat lässt zunächst vermuten, dass Mobilfunkbranche und Konsumenten schlecht aufeinander abgestimmt sind. Denn wie aus einer Umfrage des Forsa-Instituts hervorgeht, wollen 88 % der Befragten mit ihrem Modell hauptsächlich telefonieren, SMS verschicken oder gelegentlich ein Foto machen. Die übrigen Möglichkeiten werden nur sporadisch oder gar nicht genutzt.
Ein Grund für die Zurückhaltung ist die oftmals sehr komplizierte Bedienbarkeit der Menüs. Darüber hinaus sind viele Extras unnötig, weil der Handyeigentümer bereits komfortablere Einzelgeräte für die jeweilige Funktion zu Hause hat (Kamera, Fernseher, Videokamera). Außerdem gibt es bequemer und günstiger Zugangsmöglichkeiten zu den angebotenen Diensten (E-Mail, Surfen im Internet). Zudem sind die Multifunktionsgeräte teuer, insbesondere dann, wenn der Kunde keine Vertragsbindung wünscht. Eine weitere Abschreckung dürften wohl auch die hohen Kosten für die speziellen Dienste selbst sein.
Bereits im Jahr 2006 gab es Studien, die ebenfalls zu dem Ergebnis kamen, dass die differenzierten technischen Möglichkeiten hierzulande eher verhalten genutzt werden. Es bleibt die Frage offen, warum die Modelle trotzdem immer weiter zu Multifunktionsgeräten entwickelt werden. Eine Begründung hierfür ist wohl, dass die Unternehmen konkurrenzfähig und fortschrittlich sein möchten und folglich ihre Geräte aufrüsten. Ein weiterer Punkt ist, dass in anderen Ländern große Begeisterung für die technischen Möglichkeiten herrscht und sie dort ganz selbstverständlich in Anspruch genommen werden.
Die Studie „Global Tech Insight 2006“ untersuchte die Nutzung und das Interesse an mobilen Inhalten auf dem Mobiltelefon in 29 Ländern. Vor allem der asiatische Markt ist den vielfältigen Handyfunktionen gegenüber sehr aufgeschlossen und nutzt sie regelmäßig. So sehen beispielsweise nur 2 % der Deutschen auf ihrem Handy fern, während es in China 12 % tun. In Korea benutzen 58 % der Befragten die integrierte Kamera ihres Mobiltelefons häufig. 45 % der Japaner surfen über ihr Handy im Internet und sogar 77 % versenden darüber ihre E-Mails.
Das Fazit lautet also „andere Länder, andere Sitten“ und, wer weiß, vielleicht können die Deutschen sich ja in einigen Jahren genauso für High-Tech-Ausstattung und Spielereien begeistern wie die Asiaten. Jedenfalls scheinen die Hersteller die Hoffnung darauf noch nicht aufgegeben zu haben und statten ihre Handys weiter mit technischen Details wie Schminkspiegel (Samsung SGH E500) oder Wärmesensor für die Tastensperre (LG Chocolate KG810) aus.
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