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Kein anderer Name ist so sehr mit der langen Erfolgsgeschichte des deutschen Skisprungs verbunden, wie der von Ex-Bundestrainer Reinhard Heß. Am 24. Dezember 2007 starb der 62-jährige in einer Klinik in Bad Berka an unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Nachdem die Krankheit bereits im Januar 2006 diagnostiziert worden war, hatte der gebürtige Thüringer zuletzt die Chemotherapie abgesetzt, und die letzte Zeit im Krankenhaus mit seiner Familie verbracht.
„Er hat eine solche Ausstrahlung und Autorität gehabt und war trotzdem ein liebenswürdiger Mensch. Er hat Durchblick und Weiterblick gehabt. Ich habe viel von ihm gelernt und profitiert“, würdigte Skispringer Martin Schmitt die Persönlichkeit seines ehemaligen Trainers. Fast 1000 Trauergäste erwiesen Reinhard Heß am 8. Januar 2008 die letzte Ehre bei dessen Beisetzung. Im thüringischen Suhl versammelten sich neben Familienangehörigen und Freunden des Verstorbenen auch viele Prominente aus Sport, Politik und Gesellschaft.
Die sportlichen Erfolge
Zehn Jahre lang war Reinhard Heß verantwortlich für die deutsche Skisprung-Elite und sorgte dafür, dass das Team in dieser Zeit so viele Erfolge feierte, wie nie zuvor. Seine eigene Springerkarriere musste er bereits mit 20 Jahren aufgrund eines Rückenleidens beenden. Nachdem der ehemalige DDR-Bürger 1993 vom Deutschen Skiverband (DSV) zum Cheftrainer für die Skispringer gemacht wurde, ließen erste Erfolge jedoch nicht lange auf sich warten. Während die Vorjahre im deutschen Skisprung eher von mäßigem Erfolg geprägt waren, begann die Siegesserie der Deutschen bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer. Unter der Regie von Reinhard Heß wurde das deutsche Team Mannschaftsolympiasieger. Jens Weißflog und Dieter Thoma – heute beide TV-Experten bei ZDF und ARD – holten Gold und Bronze.
Nachdem die beiden Vorzeigespringer Jens Weißflog und Dieter Thoma Ende der Neunzigerjahre ihre Karrieren beendeten, gelang es Reinhard Heß kontinuierlich eine neue Generation an die Skisprung-Spitze heranzuführen. Sie waren nicht weniger erfolgreich. Während Martin Schmitt in den Jahren 1999 und 2000 jeweils den Gesamtweltcup-Sieg holte, stellte Sven Hannawald im Jahr 2002 einen Rekord auf, der bis heute ungebrochen ist. Als einziger Athlet in der Geschichte des Skispringens gewann er alle vier Wettkämpfe der Vierschanzentournee und sicherte sich somit mit riesigem Vorsprung den Gesamtsieg des Wettbewerbs.
Insgesamt gewann Reinhard Heß mit seinen Springern zwischen 1993 und 2003 drei Olympiasiege, sechs Weltmeistertitel, sowie 21 Weltcupsiege bei Saisonhöhepunkten des Skispringens. Von vielen Experten wird er daher bis heute als weltweit bester und erfolgreichster Skisprung-Trainer aller Zeiten bezeichnet. Nachdem das deutsche Team 2003 bei der Weltmeisterschaft im italienischen Predazzo nach zehn Jahren erstmals ohne Medaille blieb, musste Reinhard Heß im selben Jahr sein Amt abgeben. Grund dafür war, dass er innerhalb des Teams zunehmend Kritiker bekam. Dabei sollen nicht zuletzt auch persönliche Eitelkeiten eine Rolle gespielt haben. „Der Mann mit der Fahne“, wie er in der Skisprung-Szene in Anlehnung an das Schwenken der kleinen Deutschland-Fahne hieß, arbeitete nach seinem Rücktritt noch bis zur Krebs-Diagnose als TV-Experte für die ARD.
Bis zuletzt war es Reinhard Heß ein Anliegen, auch auf die Kehrseite des Erfolgs hinzuweisen. Er bezeichnete die wachsende Kommerzialisierung des Skispringens stets als Gefahr für den Sport und die Sportler. Seiner Meinung nach sollten stets die Leistungen und nicht das Privatleben der Sportler im Mittelpunkt stehen. Sie sollten die Möglichkeit haben ein Leben fernab vom Medienrummel zu führen. Gerade wegen seiner von vielen geschätzten menschlichen Art, wird Reinhard Heß wohl auch weiterhin eine unvergessene Persönlichkeit der deutschen Sportgeschichte bleiben.
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