|
Kinder sind unsere Zukunft. So heißt es oft. Doch wie sieht es eigentlich mit ihrer Zukunft in der Bundesrepublik aus? Die aktuelle Situation untersuchte das christliche Hilfswerk World Vision. Für die Studie „Kinder in Deutschland 2007“ wurden 1.592 Mädchen und Jungen im Alter von acht bis elf Jahren befragt. Verantwortlich für die Konzeption waren die Kinder- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann und Sabine Andresen. Durchgeführt wurde die Studie von der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Infratest Sozialforschung, einer Gesellschaft des Marktforschungsunternehmens Taylor Nelson Sofres (TNS).
Besonders die Bedeutung der sozialen Herkunft für die Lebens- und Zukunftschancen ist eine der Kernaussagen der Untersuchung. So lässt sich allgemein sagen, dass Kinder aus der oberen Schicht in der Schule besser, insgesamt aktiver und mit ihrem familiären Hintergrund zufriedener sind. Die Studie macht außerdem deutlich, wie sensibel schon Grundschüler ihr soziales Umfeld wahrnehmen. Existenzängste spielen bereits eine Rolle. Je nach Herkunft haben sie am häufigsten Angst vor Arbeitslosigkeit der Eltern (Unterschicht) oder sorgen sich um die Natur beziehungsweise um Armut in Deutschland (Oberschicht).
Die Familie ist normalerweise der wichtigste Bezugspunkt und bietet den meisten Rückhalt. Doch die heutigen Familien sehen sehr unterschiedlich aus. So leben 17 Prozent der Kinder bei einem alleinerziehenden Elternteil und sechs Prozent mit einem Stiefelternteil. Ganze 70 Prozent wohnen in der klassischen Familie mit verheirateten Eltern. Die übrigen sieben Prozent leben zum Beispiel bei unverheirateten Paaren, ihren Großeltern oder sind adoptiert. Hinzu kommt, dass bei etwa 45 Prozent beide Eltern oder ein Alleinerziehender berufstätig sind. Dennoch bedeutet das keinen Mangel an Zuwendung. Im Gegenteil: Während sich in Familien mit zwei Arbeitslosen 28 Prozent der Kinder über zu wenig Zuwendung beklagen, sind es bei erwerbstätigen Eltern nur 17 Prozent. Bei Alleinerziehenden liegt der Anteil allerdings bei 35 Prozent.
Besonders deutlich wird die Bedeutung der sozialen Herkunft bei der Schulausbildung. Nur ein Prozent der Kinder aus der Unterschicht besuchen ein Gymnasium und lediglich 20 Prozent gibt als gewünschten Schulabschluss das Abitur an. In der Oberschicht hingegen sind es 18 Prozent, die das Gymnasium besuchen. Ganze 81 Prozent streben das Abitur an. Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Mädchen und Jungen aus ärmeren Verhältnissen größere Angst vor schlechten Noten haben. Es bezeichnen sich auch nur rund 28 Prozent von ihnen als gute oder sehr gute Schüler. Im Gegensatz dazu sind es bei den gehobenen Schichten 70 Prozent.
Ein weiteres Augenmerk lag auf der Freizeitgestaltung der Kinder. Immerhin drei Viertel betätigen sich regelmäßig sportlich in einem Verein, besuchen eine Musikschule oder gehen einer sonstigen Gruppentätigkeit nach. Dennoch bleiben die Acht- bis Elfjährigen der unteren Schichten und Migrantenkinder auch hier eher außen vor. Weiterhin wurde der tägliche Fernsehkonsum untersucht. Insgesamt schauen 97 Prozent der befragten Mädchen und Jungen täglich fern. Doch nur jedes zehnte Kind aus bessergestellten Familien konsumiert mehr als zwei Stunden täglich. Bei den ärmeren Familien ist es allerdings jedes vierte Kind. Der empfohlene Richtwert liegt bei etwa 60 Minuten für Sechs- bis Neunjährige und bei 90 Minuten für Zehn- bis Dreizehnjährige.
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist die Tatsache, dass viele Grundschüler bereit sind, sich gesellschaftlich zu engagieren oder Verantwortung zu übernehmen. Sofern Angebote vorhanden sind, zum Beispiel von Sportvereinen oder Schulen, werden sie auch angenommen. Die Hälfte aller Befragten hat schon einmal eine Aufgabe in einem Verein übernommen oder sich an einer Hilfsaktion für Kinder in anderen Ländern beteiligt.
Die Studie zeigt also, dass in Deutschlands Kindern ein großes Potential vorhanden ist, jedoch die soziale Herkunft eine entscheidende Rolle spielt. Besonders die große Begeisterungsfähigkeit der Jüngsten sollte mit geeigneten Angeboten gefördert werden. Außerdem sollte unsere Umwelt so gestaltet werden, dass sich die Mädchen und Jungen einbringen und entfalten können. Sie müssen ermutigt werden, ihre Belange vorzubringen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Denn daran zeigt sich, wie kinderfreundlich eine Gesellschaft wirklich ist.
|