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„Das Leid, das ich hatte, möchte ich nicht weitergeben. Versteht, dass ich gehen muss, obwohl ich euch liebe. Versucht, meine Gründe zu verstehen und akzeptiert sie bitte. Wir sehen uns bestimmt wieder... Irgendwo… Irgendwann...“
Trauriges Ende eines langen Leidensweges. Selbstmord, oft aus Rücksicht vor den Angehörigen auch Suizid (lateinisch: von eigener Hand gefallen) genannt.
Suizid ist ein in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich unterschätztes Problem. Alle 47 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Statistisch gesehen gibt es alle vier Minuten einen Suizidversuch. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr zwischen 11.000 und 13.000 Menschen durch ihre eigene Hand, mehr als durch Verkehrsunfälle, Aids, Drogen und Gewalttaten zusammen.
Jedes Jahr treffen eine Millionen Menschen weltweit diese Entscheidung. Die Zahl derer, die einen Selbstmordversuch begehen und überleben, ist etwa zehn Mal so hoch, jedoch kann diese Zahl aus Datenschutzgründen nicht genau erfasst werden.
Laut einer Studie des britischen „Office for National Statistics“ gilt der Montag als beliebtester Suizidtag. 16 Prozent aller Männer und 17 Prozent aller Frauen nahmen sich an einem Montag das Leben. An den Wochenenden sind es 13 Prozent. Ob es nun daran liegt, dass die neue Arbeitswoche wieder beginnt und damit ein „Neuanfang“ der Woche und der Probleme, ist noch ungeklärt.
Es muss aber nicht hinter jedem Suizid die Idee stehen, sich endgültig das Leben nehmen zu wollen. Während Männer häufiger vollendete Suizide begehen, unternehmen besonders junge Frauen häufig Suizidversuche. Die Methoden sind dabei entscheidend: Geringe Tabletten- oder Drogeneinnahme und Ritzen an den Handgelenken nennt man parasuizidale Gesten. Der Versuch entsteht meistens aus einer „Kurzschlussreaktion“ oder soll ein Hilfeschrei an die Mitmenschen sein.
Bei dem Unterscheidung zwischen Suizid und Suizidversuch tritt immer wieder ein Problem in den Vordergrund: Wie kann die Ernsthaftigkeit eines Suizidversuchs beurteilt werden?
1. Wie stark war der Wunsch zu sterben?
2. Wie stark machte die Person ein schnelles Auffinden nach dem Suizidversuch möglich?
3. Wie wahrscheinlich war der tödliche Ausgang?
Personen, die bereits einmal einen Suizidversuch begangen und diesen überlebt haben, dürfen in ihrer Suizidgefahr nicht unterschätzt werden, denn mindestens 80 Prozent aller durchgeführten Selbstmorde geschehen nach vorherigen Selbstmordversuchen.
Jedoch tötet sich niemand selbst, um anderen ein Leid zuzufügen. Viele der Menschen, die am liebsten sterben möchten, sehen keinen anderen Ausweg mehr. Ihre Welt wird zu diesem Zeitpunkt vom Tod bestimmt. Der Tod ist für den, der sich umbringt, eine Erlösung. Eigentlich wollen sie ihrem Leben kein Ende setzen - nur dem Schmerz, ihrer Verzweiflung, Hilflosigkeit und Ausweglosigkeit.
Dieses Gefühlschaos kann von vielen Situationen hervorgerufen worden sein, welche die Gedanken zum Suizid fördern:
* Unbehandelte Depressionen
* Sexueller oder körperlicher Missbrauch
* Suizid oder Gewalt in der Familie
* Tod eines nahe stehenden Freundes oder Familienangehörigen
* Scheidung oder Trennung, Beendigung einer Beziehung
* Kündigung, Probleme auf der Arbeit
* Hoffnungslosigkeit
* Drogenmissbrauch wie zum Beispiel Alkoholismus
* Persönliche Orientierungslosigkeit
Wenn der Entschluss für einen Suizidversuch gefasst ist, sind die am häufigsten angewandten Methoden dazu Erhängen, Vergiftung, Feuerwaffen, Schnitt- und Stichverletzungen, Ertrinken, Sprung aus der Höhe, elektrischer Strom, Selbstverbrennung, Straßenverkehr und Schienenverkehr.
Vor allem junge Männer zwischen 18 und 24 Jahren und ältere Menschen sind besonders gefährdet. Je älter man wird, desto höher ist das Suizidrisiko. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann, die sich das Leben nehmen, sind älter als 60 Jahre. Hauptgründe sind Einsamkeit und Isolation - von akuten Krisen in die Verzweiflung getrieben. Die meisten sind schwer depressiv. Ihr Tod hinterlässt Freunde und Angehörige in einem Chaos von Gefühlen.
Nach dem Suizid eines vertrauten Menschen wird das Leben der „Zurückbleibenden“ oft zu einem mühsamen Kampf um den eigenen Lebenswillen: Schuldzuweisungen von außen, sowie das Bewusstsein von Ohnmacht und Wertlosigkeit. Zu dem Schmerz über den Verlust des geliebten Menschen kommen die Vorwürfe, die man sich selbst macht.
* Was habe ich falsch gemacht?
* Warum hat Er oder Sie das getan?
* Wie hätte ich es verhindern können?
* Warum habe ich es nicht bemerkt?
* Viele „was?“, „wie?“, „warum?“, „weshalb?“
Jedoch bleiben die meisten Fragen für immer unbeantwortet, wenn sie nicht in einem Abschiedsbrief erklärt wurden.
Deswegen ist es wichtig die Situation vor dem Suizidversuch zu erkennen, damit es gar nicht erst soweit kommt. 4 von 5 Personen, die beschlossen haben sich das Leben zu nehmen, kündigen ihre Tat vorher an. Einem solchen Menschen zu sagen, er sollte „den Kopf nicht hängen lassen“ oder „sich zusammenreißen“ ist alles andere als hilfreich. So einfach ist es bei weitem nicht.
Suizidale brauchen jemanden, dem sie vertrauen können, der sie respektiert. Jemanden, der Anteil nimmt. Jemand, der sagt: „Du bist mir nicht egal“. Es muss versucht werden die Person, die sich das Leben nehmen möchte, neuen Lebenswillen zu geben, weil es ihr nicht möglich ist alleine mit den Problemen fertig zu werden.
Die Intensität von Selbstmordgedanken darf nie unterschätzt werden. Sie lassen sich nicht einfach wegzaubern. Suizidalität kann und muss psychotherapeutisch behandelt werden. Denn nur im Gespräch stellt sich heraus ob der „Patient" an Suizid gedacht hat oder er „nur“ Weite, Freiheit und Unendlichkeit suchte. In der Therapie wird versucht die ausweglos scheinende Situation zu verändern, aus der heraus der „Patient“ den Suizidversuch unternommen hat oder unternehmen wollte.
Wenn sich jemand mit Selbstmordgedanken quält, ist es wichtig, dass er unverzüglich mit jemandem über seine Gefühle redet, sei es mit Freunden, Eltern, Beratungsstellen, Ärzten und Psychologen oder Telefonseelsorgern.
„Das Leben gehört Gott. Es ist niemals an uns, das eigene Leben oder das Leben eines anderen zu nehmen.“ (1. Corinthianer 6: 19-20)
Die Telefon-Seelsorge in Deutschland ist anonym, vertraulich und gebührenfrei. Sie ist zudem 24 Stunden täglich unter folgenden Telefonnummern erreichbar: 0800-1110111 oder 0800-1110222.
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