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Führerschein-TÜV im Rentenalter?


13.01.2008 (J. Richter) Kategorie: Panorama

Bild: www.tuv.com

Am 15. Januar 2008 wird bei Itzehoe in Schleswig-Holstein ein Mann getötet, als ein 83-jähriger Autofahrer beim Ausparken einen Kleinlaster streift und daraufhin mit seinem Wagen in eine Bäckerei fährt. Bei dem Versuch, wieder hinaus zu gelangen, überrollt er wiederholt den Verletzten, der später im Krankenhaus verstirbt. Auch in der Vergangenheit sind immer wieder ähnliche Schlagzeilen bekannt geworden. Ein Pensionär wendet auf der Autobahn kurz hinter einer Raststätte, um zurückzufahren. Der Grund dafür ist sein fast leerer Tank. Ein 25-jähriger entgegenkommender Autofahrer wird dadurch schwer verletzt. Nach solchen Berichten ist es sinnvoll darüber nachzudenken, ob es in Zukunft ab einem gewissen Alter eine Art Führerschein-TÜV geben sollte. In Deutschland ist das im Unterschied zu vielen anderen Ländern bisher nicht vorgeschrieben.

Medizinische Probleme: Was das Alter mit sich bringt

Medizinisch gesehen gibt es gute Gründe, die Fahrtauglichkeit älterer Menschen in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Mit den Jahren büßen manche körperlichen Funktionen an Zuverlässigkeit ein. Des Weiteren ist die Konzentrationsfähigkeit nicht mehr so hoch wie zuvor. Die Folge ist ein schnelleres Ermüden. Bewegungseinschränkungen können dazu führen, dass Senioren etwa die für den Schulterblick notwendige Drehbewegung unterlassen, da sie ihnen schwer fällt, schmerzt oder nicht mehr möglich ist. Außerdem verlieren betagte Personen in komplexen Straßenverkehrssituationen schneller den Überblick. Insgesamt führen diese Faktoren oft zu einem unsicheren Fahrstil, der manchen Verkehrsteilnehmer irritieren und Fahrer, Insassen und Andere gefährden kann.

Ein weiteres typisches Problem ist, dass die Sehschärfe abnimmt. Ab einem Alter von etwa 60 Jahren treten vermehrt Augenerkrankungen wie Grüner oder Grauer Star auf. Letzterer führt zu einer Linsentrübung und bewirkt, dass sich der Erkrankte im Dunkeln und in der Dämmerung schnell geblendet fühlt. Beim Grünen Star kommt es im fortgeschrittenen Stadium zu Ausfällen im Sichtfeld, was eine gravierende Einschränkung des Sehvermögens bedeutet. Beide Krankheiten können unbemerkt und schleichend beginnen.

Des Weiteren ist erwiesen, dass mit zunehmendem Alter die Reaktionsgeschwindigkeit nachläßt. Auch das erhöht die Unfallgefahr. Außerdem führt es dazu, dass Geschwindigkeiten anders wahrgenommen werden. 50 Kilometer pro Stunde werden von manchem schon als überaus schnell empfunden. Die Tatsache bewirkt, dass einige Senioren sehr langsam fahren. Das ist zwar angemessen bei der fehlenden Reaktionsgeschwindigkeit, es kann andere Verkehrsteilnehmer jedoch nervös machen und zum Überholen an gefährlichen Stellen reizen.

Viele ältere Leute spüren nicht, dass ihre Fähigkeiten schwinden und sie beim Fahren mehr Fehler machen als vorher. Dann braucht es guten Willen, Einfühlungsvermögen und viel Geduld, das klar zu machen. Bleibt es unbemerkt, können sie eine Gefahr für sich und andere werden. Eine gesetzlich geregelte Überprüfung der Fahrtauglichkeit würde zwangsläufig dazu führen, dass betagte Menschen sich mit ihren altersbedingten Defiziten stärker auseinandersetzen müssten. Viele Senioren würden eine Fahrtauglichkeitsprüfung wohl auch als Entmündigung erleben, vor allem wenn etwa 40 Jahre oder mehr unfallfrei zurückgelegt wurden.

Situation in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern

In zahlreichen Ländern ist eine Prüfung der Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter bereits Pflicht. In Neuseeland etwa entscheidet der Hausarzt bei über 75-jährigen, ob sie noch gegeben ist. Bis vor einigen Jahren musste dort im Alter von 80 Jahren der Führerschein ganz abgegeben werden. Auch in England, Finnland, Spanien, Dänemark und der Schweiz gibt es für ältere Menschen Fahrtauglichkeitsprüfungen.

In Deutschland bleibt den Autolenkern auch ohne verpflichtenden Test die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis zu überprüfen, ob eine Eignung für den Straßenverkehr weiterhin gegeben ist. So entwickelte der TÜV Süd einen Fitness-Check speziell für Senioren. Die Überprüfung umfasst eine verkehrsmedizinische Untersuchung, eine individuelle verkehrsspezifische Leistungsanalyse und nicht zuletzt eine Beratung des Fahrers durch Verkehrsexperten. Von Seiten des ADAC gibt es den sogenannten „Fahrer-Fitness-Check“, der in Zusammenarbeit mit ausgewählten Fahrschulen angeboten wird. Insgesamt liegen die Kosten für eine freiwillige Untersuchung zwischen 49 (ADAC) und 179 Euro (TÜV Süd).

Da der Check unverbindlich ist, darf der Proband auch bei einem Nichtbestehen den Führerschein behalten. Jeder Teilnehmer erhält jedoch am Schluß ein schriftliches Dokument, das ihn über seine aktuelle Situation aufklärt und Empfehlungen zur weiteren Verkehrsteilnahme enthält. Der Aspekt der Freiwilligkeit bringt leider auch die Gefahr mit sich, dass Senioren, die bereits ahnen, dass sie den Test nicht bestehen würden, sich gar nicht erst anmelden. Das gilt insbesondere dann, wenn die Betroffenen um jeden Preis den Führerschein behalten möchten.

Ein freiwilliger und regelmäßiger medizinischer Check hinsichtlich der Fahrtauglichkeit ist durchaus sinnvoll und empfehlenswert. So sollen schließlich nicht zuletzt Leben und Gesundheit des Fahrers geschützt werden. Ein Durchfallen bei einer gesetzlich vorgeschriebenen Eignungsprüfung würde jedoch manch einen nicht nur den Führerschein kosten, sondern auch Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Auch dieser Aspekt sollte bei aller Vorsicht nicht vergessen werden.

Wie denken Sie über einen Führerschein-TÜV? Diskutieren Sie mit uns im Life-Go-Forum!



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