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Alkoholismus in Russland


18.01.2008 (L. Haug) Kategorie: Welt

Bild: www.suchtmittel.de

Wodka besteht aus Kartoffeln, Getreide und allenfalls noch Rübensirup. Der Schnaps hat einen Alkoholgehalt von 50 Prozent. Genau das ist das Lieblingsgetränk der Russen. Seit fünf Jahrhunderten sind sie ihm unübersehbar verfallen. Es ist ein preiswerter Genuss.

Genau hier liegt das Problem. Den billigen „Spaß“ leisten sich 85 Prozent der russischen Männer regelmäßig. Mit einem Pro-Kopfverbrauch an reinem Alkohol von 13 bis 15 Litern pro Einwohner im Jahr liegt Russland an der Weltspitze. Dort ist jeder dritte Todesfall die direkte oder indirekte Folge des Alkoholkonsums. Das sind mehr als 700.000 Todesfälle im Jahr. Die Lebenserwartung der Männer liegt hier bei durchschnittlich 59 Jahren, was deutlich niedriger als in Europa ist.

Das kommt unter anderem daher, dass Alkohol in Russland wie in den meisten Ländern als legale Droge angesehen wird. Seine Wirkung ist dennoch nicht zu unterschätzen. Chronischer Alkoholmissbrauch führt zu diversen Krankheiten. Das kann die Schädigung der Leber sein, eine Speiseröhrenentzündung oder Bluthochdruck. Zudem wird das Gehirn beeinträchtigt. Es entstehen Defizite in den Bereichen der Konzentration, Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses. Besonders hochprozentige Getränke begünstigen Speiseröhrenkrebs.

Die Nebenwirkungen sind größtenteils bekannt. Doch warum greifen dennoch so viele Russen zum Alkohol? Ein Grund ist, dass das Trinken als traditionelles Männerritual angesehen wird. Außerdem trägt die weit verbreitete Armut zum Alkoholgenuss bei. Die Männer versuchen ihre Probleme mit Alkohol, der anregend und stimmungsverbessernd wirkt, wegzutrinken. Er betäubt, was zu einem temporären positiven Gefühl führen kann.

Im Jahr 1985 wurde deshalb von Präsident Michael Gorbatschow zum ersten Mal eine Anti-Alkohol-Kampagne eingeleitet. Er erließ den Beschluss über „Maßnahmen zur Überwindung von Trunksucht und Alkoholismus“. Die Produktion wurde gesenkt und der Alkoholpreis stieg an. Allerdings konnte die Sucht nicht besiegt werden. Es wurde sogar noch schlimmer, da aufgrund der hohen Preise nun verstärkt Selbstgebranntes konsumiert wurde.

Seitdem besteht der Alkohol wegen Kostengründen überwiegend aus Flüssigkeiten wie Medizin, Reinigungsmittel und Parfüms. Die enthalten jedoch giftige Substanzen und übersteigen mit einem Alkoholgehalt von 60 bis 97 Prozent den des Wodkas deutlich. Das ist zuviel für den menschlichen Körper. Bei regelmäßigem Verzehr sind Alkoholvergiftungen – und ein bis zu neunmal höheres Sterberisiko – die Folge.

Seit 2006 setzt sich auch Präsident Putin gegen den Alkoholkonsum ein. Er ließ alle Brennereien im Land registrieren, um somit gegen das kriminelle Geschäft mit dem selbstgemischten Alkohol vorzugehen. Auf diese Weise wird zwar die Produktion des verkauften Alkohols kontrolliert, gegen das Schwarzbrennen im eigenen Heim muss allerdings noch nach einer Lösung gesucht werden.



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