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Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Wissen ist nicht nur für den wissenschaftlichen Fortschritt, sondern auch für den beruflichen und persönlichen Erfolg ein entscheidender Faktor geworden. Der Zugang zu der wichtigen Ressource ist heute auf vielfältige Art und Weise möglich. Der Wissensdurstige kann entweder auf die klassischen Enzyklopädien, wie Brockhaus, zurückgreifen oder bei der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia das gesuchte Schlagwort in seinen Rechner eingeben. Fraglich ist nur, auf welche Quellen mehr Verlass ist. Das Magazin Stern hat den Test gemacht und den traditionsreichen Brockhaus gegen Wikipedia antreten lassen.
In einem Zweiteiler möchten wir die Gegenüberstellung genauer beleuchten. Dafür gaben wir Ihnen in Teil 1 einen kurzen Einblick in das jeweilige Nachschlagewerk – Wikipedia und Brockhaus. Teil 2 soll sich nun mit dem überraschenden Testergebnis auseinandersetzen.
Testergebnis – Wikipedia und Brockhaus/Britannica im Vergleich
Das Magazin Stern wollte die Kritik an Wikipedia auf Herz und Nieren testen lassen und beauftragte das unabhängige Institut „Wissenschaftlicher Informationsdienst Köln“ mit einer Untersuchung. Die Experten wählten aus beiden Enzyklopädien per Zufall 50 Artikel aus den Themenbereichen Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft, Religion, Kultur, Unterhaltung, Erdkunde, Medizin und Geschichte aus. Sie wurden anhand der Kriterien Vollständigkeit, Aktualität, Richtigkeit und Verständlichkeit verglichen und mit Schulnoten bewertet.
Die Ergebnisse weisen Wikipedia als den deutlichen Sieger aus. Als Durchschnittsnote über alle vier Bereiche hinweg erhielt das freie Lexikon eine Note von 1,7, während die untersuchte Onlineversion von Brockhaus mit einer 2,7 dem gegenüber etwas schlechter abschnitt. Besonders die Aktualität ist eine Stärke des Wissensnetzwerkes. So hatte das Onlinelexikon des Traditionsverlags beispielsweise noch drei Monate nach dem Tod des berühmten Opernsängers Luciano Pavarotti am 6. September 2007 nicht dessen Biographie aktualisiert. In Wikipedia war von der traurigen Nachricht dagegen bereits am Tag des Geschehens zu lesen.
Was die Kritiker erstaunen dürfte, ist die gute Bewertung von Wikipedia auch in der Rubrik Richtigkeit in der Stern-Studie. Der Artikel nennt keine Zahlen, doch wies er Wikipedia in dem Teilbereich als Sieger aus. Das positive Ergebnis wird jedoch nicht von einer britischen Studie der Zeitschrift „Nature“ bestätigt. Sie verglich das Onlinelexikon bereits im Jahr 2005 mit der bekannten Enzyklopädie Britannica. Dort wurden Beiträge zu verschiedenen Themen einschlägigen Experten zur Durchsicht und Bewertung gegeben. Dabei wussten die Fachleute beim Vergleichen der Artikel nicht, ob sie jeweils aus der Britannica oder Wikipedia stammten. Im Durchschnitt wiesen Britannica-Artikel circa drei und Wikipedia-Einträge fast vier inhaltliche Fehler auf.
Fazit – Es gibt keinen eindeutigen Sieger
Die Fehlerquote stellt einen Grund dar, warum Wikipedia als Quellennachweis an allen deutschen Universitäten unzulässig ist und von Dozenten und Professoren stellenweise mit schlechten Noten bewertet wird. Das Onlinelexikon kann zwar als inspirierender Ausgangspunkt für die Recherchen genutzt werden, ersetzt jedoch keinesfalls die wissenschaftliche Arbeit und den Gang in die Bibliothek.
Im Ergebnis dürften dennoch einige kritische Stimmen gegenüber dem virtuellen Wissensnetzwerk verstummt sein. Wikipedia kann sich vor allem anhand seiner Aktualität und stellenweise auch anhand der Qualität seiner Artikel mit den „Großen“ der Enzyklopädien messen. Solch ein Erfolg wird nicht nur Jimmy Wales, sondern auch die Gemeinschaft der Wikipedianutzer freuen.
Stellt Wikipedia eine ernsthafte Konkurrenz zu Brockhaus und Co. dar? Wir laden Sie herzlich dazu ein, mit uns im Life-Go-Forum darüber zu diskutieren!
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