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Schon 2008? - Die Bahn drängt an die Börse


29.01.2008 (J. Wixforth) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.locomnet.de

Möglicherweise früher als geplant könnte die Deutsche Bahn schon im Herbst 2008 an die Börse gehen. Seit Anfang Februar verdichten sich Spekulationen, nach denen der endgültige Schritt zur Teilprivatisierung des Bundeskonzerns noch in diesem Jahr vollzogen werden soll. Sowohl Bahn-Chef Hartmut Mehdorn als auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee arbeiten scheinbar mit Hochdruck an einem solchen Konzept.

Ein entsprechender Plan wurde dem Aufsichtsratspräsidium des Konzerns bereits am 1. Februar 2008 vorgelegt. Nach Informationen der Financial Times Deutschland sei außerdem bereits ein Datenraum eingerichtet worden, in dem sich potentielle Investoren detailliert über das Unternehmen informieren können.

Das Modell sieht zunächst vor, dass der Mutterkonzern, die Infrastruktur, das Schienennetz und die Bahnhöfe im Bundesbesitz bleiben. Abgekoppelt davon sollen die Logistik- und Transportgesellschaft als unternehmerische Einheit an die Börse gebracht werden. Kalkuliert würde demnach mit einem Erlös von fünf bis zehn Milliarden Euro. Geld, das die mit circa 19 Milliarden Euro verschuldete Bahn dringend braucht, um weitere Auslandsexpansionen finanzieren zu können.

Andererseits ist die bevorstehende Teilprivatisierung des Staatskonzerns aber auch ein scharf diskutiertes Politikum. Deshalb wäre es den politischen Befürwortern eines solchen Schrittes sehr recht, die Entscheidung möglichst lange vor der Bundestagswahl im Herbst 2009 durchzusetzen. Probleme könnte es innerhalb der großen Koalition in Berlin dabei vor allem mit der SPD geben. Sie hatte auf einem Parteitag im Oktober 2007 beschlossen, sich für ein Volksaktien-Modell einzusetzen, dass mit einem normalen Börsengang nicht kompatibel wäre.

Den SPD-Beschluss lehnt aber nicht nur die CDU ab, sondern auch der sozialdemokratische Finanzminister Peer Steinbrück. Außerdem befürchten der Vorstand und der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, dass das Volksaktien-Modell weitaus weniger Erlöse einbringen würde als der von ihnen favorisierte Vorschlag und mit einer unternehmerischen Freiheit nicht zu vereinbaren sei.

Ausschlaggebend in der Diskussion könnte letztlich auch die Haltung der Bahngewerkschaften werden. Die Gewerkschaft der Deutschen Bahn (GDBA) und die Gewerkschaft Transnet, denen der größte Teil der Bahnbeschäftigten angehört, stehen traditionell der SPD nah. Sie wollen in möglichst schnell eigenständig über den Börsengang beraten. Zentrale Forderung dabei dürfte aber sein, eine Zerschlagung der Deutschen Bahn zu verhindern.

Ende Februar wollen die vier Aufsichtsräte möglicherweise erneut zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ob die Institution Deutsche Bahn danach tatsächlich schon dieses Jahr zum Teil in Privatbesitz übergeht, bleibt abzuwarten. Spannend werden die nächsten Monate bei der Bahn in jedem Fall.



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