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Musik, der Schlüssel zur Heilung


20.09.2005 (M. Schreiner) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.nilsfiedler.de

Das Radio im Auto dient nicht nur denjenigen unter uns zur Animation, die mit einer unvergleichbaren, von Gott gegebenen Singstimme ausgestattet sind, nein, bei dieser kleinen Gesangsdarbietung im Auto hat beinahe jeder schon einmal sein musikalisches „Talent“ zum Besten gegeben. Und auch die Disko bietet den aufgehenden Tanzsternen oder den absteigenden Hupfdohlen unter uns eine Fläche, um ihr Können darzubieten. Aber warum um Himmelswillen lässt man sich immer wieder zu solchen Darbietungen hinreißen?

Die Antwort liegt in der Musik! Musik hat eine einzigartige Wirkung auf den Menschen. Musik löst Emotionen von fröhlich bis zu todbetrübt aus, Musik weckt Erinnerungen, über Musik kann man sich ausdrücken, Musik ist kreativ, Musik macht schlau und so könnte diese kurze Auflistung noch lang weitergeführt werden.

Und noch eines kann die Musik: Sie kann heilen! Und genau diese heilende Wirkung nutzen Therapeuten in der Musiktherapie.

Musiktherapie, eine kurze Begriffsdefinition:

Bei der Musiktherapie handelt es sich um eine Mischform aus mehreren Komponenten, wie zum Beispiel der Psychologie, der Pädagogik, der Musikwissenschaft und der Medizin. Generell ist die Musiktherapie eine junge Disziplin der Psychotherapie.

Soviel zum Begriff, aber was genau verbirgt sich hinter Musiktherapie?

Musik wird schon seit langem eine heilende Wirkung zugeschrieben, aber erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie als Therapieform ein Thema. 1996 wurde die Musiktherapie dann von der Weltgesundheitsorganisation WHO als förderungswürdige und anerkannte Therapieform deklariert.

Es gibt zwei Formen dieser Therapie - die aktive und die rezeptive Musiktherapie.

Bei der rezeptiven Musiktherapie hören Patient und Therapeut Musik, die meist von einem Tonträger abgespielt wird. Alle Emotionen, Assoziationen und Erinnerungen, die beim Hören der Musik aufkommen, werden verbal diskutiert und aufgearbeitet. Bei einer Abwandlung dieser Therapie singt oder spielt der Therapeut live für den Patienten. Unter diese Form fällt auch die Klangtherapie.

Bei der aktiven Form hingegen bildet das Selbst-Musizieren von Patient und Therapeut den Kern der Therapie. Angewendet wird sie vor allem bei Depressionen und anderen psychosomatischen Störungen, aber auch bei Drogenabhängigen können mit ihr Erfolge erzielt werden. Die Kommunikation zwischen dem Therapeuten und dem Patienten steht im Mittelpunkt der Therapie, allerdings basiert diese Kommunikation in diesem Fall nicht auf der sprachlichen Ebene, sondern auf der musikalischen. Während der Improvisationen ist der Therapeut in den meisten Fällen ein aktiv agierender und gestaltender Spielpartner, also ein reales Gegenüber, das begleitend, stützend oder konfrontierend in das Geschehen eingreift. Die Musikinstrumente, auf denen der Patient musiziert, dienen ihm dabei als Medium. Er kann seine Gefühle mit Hilfe von Tönen und Klängen sozusagen spielend leicht zum Ausdruck bringen. Es ist wichtig, in welcher Relation das Musikinstrument hierbei zum Patienten steht. Ein gutes Verhältnis wäre 1:1, was zum Beispiel bei Klatschen, Singen oder Stampfen der Fall ist. Aber es werden auch oft selbstgebaute Instrumente verwendet, deren Bauphase bereits ein Teil der Therapie ist. Der Patient muss sich mit seinem Instrument identifizieren können. Ungeeignet sind daher Instrumente, die ihren Klang elektronisch erzeugen oder Instrumente, bei denen Vorkenntnisse nötig sind, um sie anzuwenden. Aktive Musiktherapie wird oftmals mit Tanztherapie und Kunsttherapie verbunden. Auf diese Weise bieten sich dem Therapeuten mehrere Zugangsmöglichkeiten über die verschiedenen Sinne des Patienten.

Musiktherapie kann aber nicht nur bei psychischen, sondern ebenso bei physischen Krankheiten eingesetzt werden. Bestimmte Tonfolgen senken den Blutdruck und normalisieren den Herzrhythmus, das heißt, nicht nur bei Stress und Depressionen kann Musik heilen, sondern auch bei Kreislauferkrankungen, Tinnitus oder Schmerzen. Bei wohlklingenden Tönen können sogar Endorphine ausgeschüttet werden, was bessere Laune und geringere Schmerzempfindlichkeit zur Folgen hat.

Musiktherapie hat also in ihren verschiedenen Anwendungsarten unterschiedliche Wirkungen. Doch egal in welcher Form sie stattfindet, ihr Hauptziel ist es, psychisch oder physisch kranke Menschen zu heilen oder ihre Symptome zumindest zu lindern.



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