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Rekordgewinne für die Einen, Rekordkosten für die Anderen


09.02.2008 (J. Biene) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.focus.de

Ob Shell, Rosneft, Chevron, BP oder Exxon Mobil – die Ölindustrie kann wieder satte Gewinne verbuchen. Dabei profitiert sie vor allem von den hohen Ölpreisen. Für die Verbraucher treibt der Ölpreis dagegen die Kosten für Kraftstoffe und Heizöl in die Höhe. Doch statt über wachsende Ausgaben zu lamentieren, kann der Einzelne die Kostenexplosion durch bewusstes Handeln im Alltag wenigstens mildern. Schließlich gibt es für die Zukunft keine Hoffnung auf sinkende Preise.

Der europäische Ölkonzern Shell verzeichnete im Jahr 2007 einen Anstieg des Nettogewinns von 23 Prozent auf 31,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz belief sich auf 356 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Zunahme um 12 Prozent. Der russische Konkurrent Rosneft vermeldet eine Gewinnexplosion um atemberaubende 80 Prozent auf 1,89 Milliarden Dollar im letzten Quartal 2007. Diesen Auszug aus der Liste der Superlative rundet der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil ab. Der Inhaber der Marke Esso konnte einen Gewinn von 40,6 Milliarden Dollar erwirtschaften. Das ist der höchste Wert aller Ölkonzerne weltweit und das beste Ergebnis eines US-amerikanischen Unternehmens in der Geschichte. Damit konnte der Umsatz auf 404,5 Milliarden Dollar gesteigert werden.

Der Grund für die erneuten Rekordzahlen der Energieriesen ist der hohe Marktpreis für Öl. Der lag 2007 mehr als 50 Prozent über dem von 2006. Trotzdem ist die Nachfrage an Öl nicht zurückgegangen, sondern der Bedarf von Industrie und Verbrauchern beinahe ungebrochen. Dabei leiden die Verbraucher seit Jahren unter den hohen Kraftstoff- und Heizölpreisen. Den enormen Preissprung der letzten Jahrzehnte belegen die Zahlen des Mineralölwirtschaftverbands (MWV). 1972 kostete ein Liter leichtes Heizöl durchschnittlich 8,7 Cent, 2006 mehr als das fünffache, nämlich 58,9 Cent pro Liter. Noch drastischer ist die Preisentwicklung bei den Kraftstoffen. Zwischen 1972 und 2006 ist der Preis für Superbenzin von durchschnittlich 31,2 Cent auf 1,28 Euro pro Liter gestiegen. Am 1. Januar 2008 lag der Preis für Superbenzin laut ADAC bei 1,39 Euro.

Der Ölpreis wird vor allem durch die große Nachfrage und ein begrenztes Angebot getrieben. Die Begrenzung des Angebots resultiert aus mehreren Faktoren: Erstens sorgen die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) mit ihren Förderquoten zurzeit für eine künstliche Verknappung der Ölförderung. Da der OPEC-Staaten-Anteil 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion ausmacht, hat die Verknappung erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Angebot. Zweitens sind die globalen Erdölvorkommen begrenzt. Das wirkt trotz gelegentlicher Meldungen von bisher unbekannten Ölreserven nach wie vor. Drittens hinkt die technologische Entwicklung den heutigen Anforderungen hinterher.

Nach Meinung von Dr. Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter für Energie und Verkehr der Verbraucherzentrale Bundesverband, handelt es sich dabei um ein Versäumnis der Ölkonzerne. Schließlich sei in der Vergangenheit zu wenig in die Förder- und Verarbeitungskapazitäten investiert worden. Der Zugang und die Erschließung neuer Quellen wird geographisch und auch technisch immer schwieriger. Dr. Holger Krawinkel hat daher keine Hoffnung auf sinkende Preise: „Ich rechne nicht damit, dass die Ölpreise runtergehen. Es gibt keine jahreszeitliche Entwicklung der Ölpreise mehr. Stattdessen bewegen sie sich auf konstant hohem Niveau.“

Der Verbraucher wird also ordentlich zur Kasse gebeten. Wer nicht zahlen kann, muss das Auto stehen lassen und die Ölheizung ausschalten. Werden Mobilität und Wärme damit zu einem Gut der Reichen statt der Allgemeinheit? Die Gefahr eines Mobilitätsprivilegs von Besserverdienern sieht Rainer Hillgärtner vom Autoclub Europa (ACE): „Autofahren wird zum Privileg für Betuchte. Dabei sind wir alle auf das Auto angewiesen.“

Statt diese Entwicklung hinzunehmen und über die hohen Preise zu klagen, empfiehlt Hillgärtner den Autofahrern „alle Register eines konsumkritischen Verbrauchers zu ziehen“. Warum beispielsweise an einer Markentankstelle tanken? Freie Tankstellen sind häufig viel preiswerter. Warum unbedingt an der Autobahntankstelle tanken? Dazu Rainer Hillgärtner: „Dort sind die Literpreise durchschnittlich 3 bis 4 Cent über dem Niveau von Tankstellen in Städten und Gemeinden.“ Interessant im Hinblick auf die Diskussion um ein Tempolimit auf deutschen Straßen ist sein Tipp zum Fahrverhalten: „Das Autofahren mit einer Geschwindigkeit über 130 km/h schneidet ganz rasant in den Geldbeutel, da der Spritverbrauch überproportional steigt.“

Der durchschnittliche Verbrauch ist auch beim Autokauf zu beachten. Die Angaben der Hersteller zum Kraftstoffverbrauch seien, so Rainer Hillgärtner, nur Anhaltspunkte. Die Ergebnisse von Testfahrten des ACE haben ergeben, dass zu diesem Wert 20 Prozent addiert werden müssen. Draufzahlen muss auch, wer sich beim Autokauf um des Preises willen für einen Gebrauchtwagen mit hohem Spritverbrauch und Schadstoffausstoß entscheidet. Die laufenden Kosten wie Steuern und Nachrüstungen führen schnell zu einem Verlustgeschäft.

Wer also bewusster Energie verbraucht, schont seinen Geldbeutel. Doch nicht nur die Verbraucher sind gefordert. Verbraucherschützer Dr. Holger Krawinkel sieht auch die Politiker in der Pflicht: „Die Lösung liegt im technologischen und wirtschaftlichen Durchbruch der erneuerbaren Energien und der Entwicklung neuer Technologien. Die Politik muss diese Forschung vorantreiben.“ Nur so könnten die Abhängigkeit vom Öl reduziert und die Kosten gesenkt werden.

Eine mögliche Reduzierung der Abhängigkeit vom Öl ist für Exxon Mobil und Co. kein Problem. Zwar prognostiziert die MWV, dass sich der Absatz von Kraftstoffen und Heizölen in Deutschland bis zum Jahr 2025 um über 25 Prozent reduzieren wird. Allerdings steigt der weltweite Bedarf an Energie weiter an, so dass mit neuen Rekordgewinnen gerechnet werden kann.



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