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Kabinett der Peinlichkeiten


12.02.2008 (J. Richter) Kategorie: Lifestyle

Bild: www.rtl2.de

Vor einigen Wochen flimmerte Montagabends um 22.15 bei RTL II die neue Sendung „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ über den Bildschirm. Die erste Staffel ist zurzeit beendet und erzielte hohe Einschaltquoten. Aus diesem Grund ist eine Fortsetzung bereits geplant. So darf sich der Zuschauer schon jetzt wieder auf interessante Einblicke in menschliche Seelenabgründe und die ungeschminkte Wahrheit über intimste Geheimnisse freuen. Mit Hilfe eines Lügendetektors soll eben jene ermittelt werden.

Der Kandidat bekommt im Vorfeld der Sendung Fragen gestellt, welche er, mit dem Gerät verkabelt, wahrheitsgemäß beantworten sollte. Im Idealfall geschieht das auch und er wird nach sechs erfolgreich absolvierten Gewinnstufen (insgesamt 21 Fragen) mit 25.000 Euro belohnt. Die kann er auch im Nachhinein sicher gut gebrauchen –als Startkapital zum Auswandern etwa oder um die Liebste zur Wiedergutmachung mit einer Menge Rosen, Designerschuhen und romantischen Überraschungsgeschenken zu überhäufen.

Zunächst startet die öffentliche Beichtrunde recht harmlos: A la „Wer wird Millionär“ sind die Fragen der ersten Gewinnstufen leicht zu verkraften und allenfalls die ganz Prüden im Publikum mögen hier die Nase rümpfen. Ob schon einmal in großer Runde gepupst wurde oder die Kandidaten an Liebe auf den ersten Blick glauben, ist zwar ganz interessant, die Antwort schockt aber wohl weder die mitgebrachte Begleitung noch den Zuschauer. Moderator Christoph Bauer, der zuvor das Filmmagazin des Bayerischen Fernsehens moderierte, kommentiert Show, Fragen und Antworten schnörkellos und ungerührt.

Je höher die Gewinnstufe ist, desto heimtückischer werden jedoch die Fragen. Manche sind tatsächlich derart indiskret, dass bei der ehrlichen Beantwortung so allerlei Folgen für das Privatleben denkbar sind. Ob die Kandidatin ihren Freund für einen gutaussehenden Millionär verlassen würde? Ja. Hat sie ihn schon mal betrogen? Nein. Das sieht der Lügendetektor allerdings unerwartet anders und das Spiel ist für die völlig fassungslose Teilnehmerin, die ihren Freund als Begleitung zur Sendung mitgebracht hat, vorbei. Sie beteuert, dass sie wirklich nicht untreu war und irgendwie klingt es glaubwürdig. Wie gut, dass der Moderator darauf hinweist, dass Fremdgehen schon im Kopf anfängt. So lässt sich die Beziehung vielleicht noch retten. Singles scheinen nur semi-tauglich für die Einschaltquoten, hier steht zu wenig auf dem Spiel und die Fragen unterhalb der Gürtellinie sind nur halb so peinlich.

Die Kandidaten können während des Spiels zwar jederzeit aufhören, aber ausschließlich nach der letzten Frage jeder Gewinnstufe gibt es die Chance, dann auch das Geld mit nach Hause nehmen. Wer einfach mittendrin aussteigen möchte, weil es ihm zu bunt wird, kann das tun, das hart erarbeitete Sümmchen verbleibt dann allerdings beim Sender. Wird ein Kandidat bei einer Lüge ertappt, ist das Spiel sofort vorbei und er geht ebenfalls leer aus. Das passiert ziemlich oft und bedeutet im Klartext für den Teilnehmer: Maximale Peinlichkeit, null Euro Entschädigung. Dementsprechend ist die Sendung für die Betreiber eine recht kostengünstige Angelegenheit. Eine derartige Show wurde als erstes in Kolumbien ausgestrahlt. Mittlerweile gibt es das Format aber in über 20 Ländern. Allerdings wird der öffentliche Seelen-Striptease dort zum Teil deutlich besser vergütet. In Amerika etwa gibt es stolze 500.000 Dollar zu gewinnen.

Auf gewisse Weise drängt sich beim Zuschauen die Erinnerung an die frühe Jugend auf, denn Qualität und Inhalt der Fragen erinnern verdächtig an Spiele wie „Wahrheit oder Pflicht“ und „Flaschendrehen“. Einfach, peinlich in jeder Hinsicht und sehr gerne unter der Gürtellinie. Je höher die Gewinnstufe, desto weiter. Pubertäres Gekicher ist also garantiert.



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