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Stadtplan gegen Kopfschmerzen


24.02.2008 (C. Werner) Kategorie: Panorama

Bild: www.tempo30-bayernweg.de

Häufig werden neue Pläne der Regierung veröffentlicht, bei denen die Bevölkerung sich nicht gefragt, übergangen oder schlicht nicht betroffen fühlt. Es werden Verbesserungsmaßnahmen geplant oder Gesetze erlassen, die für den politischen Laien wohl unverständlich scheinen mögen. Vielleicht wird sogar bezweifelt, dass immer im Sinne der Bevölkerung gehandelt wird, vor allem wenn es zu deren Schutz sein soll.

Doch im Bundesland Baden-Württemberg wird seit letztem Jahr besonders auf die Bürger eingegangen. Es wurde erkannt, dass Lärmbelästigung zunehmend zum Problem wird, sogar das Umweltproblem größter Priorität darstellt. Nicht nur in Großstädten oder in der Umgebung von Flughäfen, sondern auch im Bereich von stark befahrenen Straßen kam es immer häufiger zu Störungen der Anwohner durch einen unangenehm hohen Geräuschpegel. Laut der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) klagen drei der rund elf Millionen Einwohner Baden-Württembergs über starke Belästigung durch Lärm. Jeder dritte Bürger sieht dabei die Ursache im Straßenverkehr, etwa 20 Prozent fühlen sich durch Flugverkehr und gut zehn Prozent durch Schienenverkehr gestört.

Nachgewiesen ist, dass Lärm, besonders in andauernder Form, als gesundheitliches Risiko zu sehen ist. Dabei kann es zu Stresssymptomen, wie Kopfschmerzen, Lern- und Konzentrationsstörungen sowie Herz-Kreislauferkrankungen kommen. Um das zu verhindern wurden Umfragen in der Bevölkerung durchgeführt, sowie Verkehrszählungen gemacht, um besonders betroffene Gebiete herauszufinden. Dabei orientierten sich die Verantwortlichen an den vom Land empfohlenen Grenzwerten für die durchschnittliche Lautstärke, die tagsüber bei 70 Dezibel, nachts bei nur 60 Dezibel liegen soll.

Inzwischen entstanden für Baden-Württemberg fast 1.000 flächendeckende Karten, die Auskünfte über stark von Geräuschen betroffene Gebiete geben. Dabei wird zwischen verschiedenen Arten, wie Straßen-, Schienen-, Flug-, Industrie-, Gewerbe- und Sportlärm unterschieden. Auch werden Ballungsräume gegliedert (Stufe 1: 250.000 Einwohner, Stufe 2: 100.000 Einwohner). Bei Hauptverkehrsstraßen und Haupteisenbahnlinien werden die beiden Stufen anhand der Kraftfahrzeuge und Züge pro Tag ermittelt. Belastungen durch Flughäfen werden getrennt betrachtet und an der Anzahl der Bewegungen im Laufe eines Tages gemessen.

Die Lärmkarten wurden gezielt erstellt um den entstehenden Risiken vorzubeugen und die Bevölkerung zu schützen. Darüber hinaus entsteht ein Bild von der Verkehrssituation bestimmter Bereiche. Geplant ist, dass die Karten zukünftig sehr genaue Angaben zum herrschenden Geräuschpegel machen. Möglichst soll sogar für jedes einzelne Gebäude eine herrschende Lautstärke erkennbar sein. Nützlich wäre das zum Beispiel beim Umzug, indem besonders ruhige Gebiete bevorzugt werden können. Städte hätten außerdem die Möglichkeit verkehrsberuhigte Zonen einzurichten.

Ein Ziel der LUBW besteht darin besonders laute Gegenden zunehmend zu beruhigen. Dafür wurde das Projekt „Lärmaktionsplanung“ gestartet, welches auf Grundlage der entworfenen Karten versucht positive Veränderungen im Sinne der Lärmbekämpfung zu bewirken. Es soll soweit wie möglich die Geräuschbelastung verhindert werden um die Umweltqualität zu verbessern. Probleme ergeben sich dabei vor allem durch anfallende Kosten, die von Land, Stadt und Kommune gedeckt werden müssen.

Anfang Januar äußerte sich Umweltministerin Tanja Gönner dahingehend: „Ein wirksamer Lärmschutz kann nicht überall gleichzeitig realisiert werden. Die Kosten dafür würden alle Haushalte sprengen. Deshalb ist es ratsam zuerst in den Gebieten mit den höchsten Belastungswerten anzusetzen.“ Zumindest für 150.000 Menschen würde damit Erleichterung geschafft. Kommunen wurden von ihr aufgerufen den Lärmschutz stärker in die Stadt-, Verkehrs-, und Grünflächenplanung einzubinden.

Es ist zwar noch abzuwarten wie das Projekt „Lärmaktionsplanung“ umgesetzt wird und in welchem Ausmaß es tatsächlich wirkt. Allerdings wäre vielleicht bei positiver Entwicklung auch darüber nachzudenken dieses auf die übrigen Bundesländer auszuweiten. Interessant wäre zumindest zu sehen, wie stark eigentlich tägliche Konfrontationen mit Lärm stattfinden.



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