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Müssen Deutschlands Kinder hungern?


25.02.2008 (J. Wagner) Kategorie: Politik

Bild: www.medienecho.net

„Deutschland ist so ein reiches Land“ - denken wir zumindest immer. Jedenfalls gehört es zu den führenden Industrienationen. Auch vom Wirtschaftswachstum ist immer wieder die Rede. Bei den steigenden Nahrungsmittel- und Strompreisen merken die Bürger der unteren Bevölkerungsschichten leider nichts davon. Besonders hart trifft es die Kinder. Sie stellen theoretisch unsere Zukunft dar, dabei ist ihre eigene vom Staat her praktisch noch nicht einmal gesichert.

Kinder von Hartz IV-Empfängern haben ein besonders hartes Los gezogen. Die ihnen zugedachten Regelsätze reichen nicht oder gerade so für das tägliche Brot. An eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist dabei nicht zu denken. Für Kinder im Alter von 0 bis 14 sind 2,57 Euro pro Tag für Nahrungsmittel vorgesehen, für Jugendliche ab 15 Jahren 3,43 Euro pro Tag. Doch schon ein Mittagessen in der Schule kostet im Durchschnitt 2,40 Euro. In den etwa 36.000 Schulen von Deutschland ist dieses Angebot jedoch nur in den neuen Bundesländern Standard, in den alten Bundesländern handelt es sich größtenteils noch um Neuland. Die verbleibenden 17 Cent beziehungsweise 1,03 Euro reichen niemals für Frühstück und Abendbrot.

Die Konsequenz ist, dass viele Kinder von Erwerbslosen von der warmen Mahlzeit ausgeschlossen sind, weil sie es nicht bezahlen können. Wenn das Geld auch für Schulbrote nicht reicht, dann müssen sie hungern. Etwa 1,9 Millionen Jungen und Mädchen unter 15 Jahren leben derzeit von Hartz IV. Oft sind sie auf Hilfe von außen angewiesen. So hat sich deutschlandweit die Zahl derer, die täglich in sozialen Einrichtungen essen gehen seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II drastisch erhöht. Dort geben zumeist ehrenamtliche Helfer kostenlos warme Mahlzeiten aus.

Eine gute Lösung hat das Bundesland Rheinland-Pfalz gefunden. Bedürftige brauchen dort für das tägliche Mittagessen nur einen Euro bezahlen. Der Rest wird über einen Sozialfond durch das Land finanziert. Der Erfolg gibt der Maßnahme Recht. Viele Kinder, die vorher vom Essen ausgeschlossen waren, nehmen nun wieder teil. Bestreben, das für ganz Deutschland durchzusetzen, blieben bisher leider ohne Erfolg. Es würde den Bund ungefähr 300 Millionen Euro kosten.

Für eine gesunde Ernährung notwendig wären für zwei- bis sechsjährige 2,77 Euro pro Tag, für sieben- bis vierzehnjährige 4,61 Euro und für fünfzehn- bis achtzehnjährig 6,06 Euro. Das hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund errechnet. Die Berechnungen beruhen auf den Mittelwerten der Preise von Discountern und Supermärkten. Nach dem Regelsatz steht den Kindern und Jugendlichen also etwa die Hälfte der Summe zu, die für eine reichhaltige Ernährung notwendig wäre. Auch das Kindergeld dient leider nicht als zusätzliche Einnahmequelle, weil es an das Arbeitslosengeld II angerechnet wird.

Wenn die Kinder hungern müssen, führt das natürlich zu weiteren sozialen Defiziten. Die Leistungen in der Schule werden schlechter und aufgrund der finanziellen Sorgen kommt es zur gesellschaftlichen Ausgrenzung. Die meisten Tätigkeiten sind mit der Ausgabe von Geld verbunden: Musikschule, Sportverein und Klassenfahrten. Dabei sollte doch gerade den Bedürftigen die Möglichkeit gegeben werde, aus dem Kreislauf zu entkommen, um sich später eine gesicherte Existenz aufbauen zu können.

Deutschland muss hart arbeiten, wenn es seinen Status in der Welt erhalten will. Während die Politiker reden und reden wird die Kluft zwischen arm und reich immer größer. Vielen Hilfsorganisationen, Wohltätigkeitsverbänden und ehrenamtlichen Helfern ist es zu verdanken, dass den Kindern trotzdem Hoffnung gegeben und eine Perspektive gezeigt wird.



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