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Toleranz - Die erste Bürgerpflicht?


26.02.2008 (K. Mechler) Kategorie: Welt

Bild: www.clv.de

Im Zeitalter der Globalisierung wachsen die Nationen immer enger zusammen, die verschiedenen Kulturen verschmelzen und unterschiedliche Überzeugungen prallen aufeinander. Dadurch gewinnt das Thema Toleranz stark an Bedeutung. Ein reibungsloses Zusammenleben kann nur funktionieren, wenn jeder die Individualität des anderen akzeptiert.

Doch was genau ist Toleranz? Das aus dem Lateinischen stammende Wort kann mit „ertragen“ oder „aushalten“ übersetzt werden. Von einer solchen Interpretation wenden sich die Vertreter der Vereinten Nationen (UNO) jedoch ganz klar ab. Im Jahr 1995 wurden auf der 28. Generalkonferenz der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, die „Prinzipien der Toleranz“ festgelegt. Das ist eine Erklärung, in der unter anderem die Bedeutung und die Dimensionen des Themas definiert werden. Darin heißt es eindeutig: „Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, Herablassung oder Nachsicht“. Sie wird vielmehr als die Basis für den Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft sowie einen weltweiten Frieden angesehen.

In Artikel 5 der Erklärung verpflichtet sich die UNESCO ihr zuvor eingehend erläutertes Verständnis von Toleranz zu vertreten und zu fördern. Eine der dazu ergriffenen Maßnahmen ist die Ernennung des 16. Novembers zum „Internationalen Tag für Toleranz“. Hier werden in erster Linie Schulaktionen veranstaltet und vermehrt Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Damit sollen die Menschen weltweit für den Kampf gegen Intoleranz sensibilisiert werden.

Die „Prinzipien“ weisen aber auch unmissverständlich auf die Grenzen der Toleranz hin. Eine davon ist Ungerechtigkeit. Sie muss und darf aus Sicht der UNESCO nicht geduldet werden. Zum Beispiel akzeptiert die Organisation die Beschneidung von Frauen nicht, auch wenn sie kulturelle Hintergründe hat. Bei einer Verletzung der Menschenrechte findet jede Nachsicht ihr Ende.

Leider sind nicht alle Fälle so eindeutig. Verschleierung ist in Deutschland ein viel diskutierter Streitpunk. Besonders das Tragen einer Burka (Ganzkörperschleier) wird als Zeichen der Unterdrückung von Frauen angesehen. Oft wird solche Kleidung aber freiwillig und durchaus mit Stolz getragen. Das Problem liegt darin, dass hier eine weitere Grenze der Toleranz erreicht ist: die eigene Überzeugung. Die Rücksicht auf Andere soll keinesfalls so weit gehen, dass sie aufgegeben werden muss.

Zum Teil scheinen sich die beiden Grenzen zu wiedersprechen. Was Ungerechtigkeit ist und was nicht, hängt meist von den persönlichen Überzeugungen ab. Hier kann vor allem Aufklärung helfen. Es ist viel leichter Verständnis für andere zu zeigen, wenn deren Beweggründe nachvollzogen werden. Der bayerische Forschungsverbund „forarea“ hat zu dem Zweck das Computerspiel „Xenophilia“ entwickelt. Das Wort Xenophilie stammt aus dem griechischen und kann mit Gastfreundschaft übersetzt werden. Der Spieler begibt sich dabei auf eine simulierte Weltreise, bei der er viel über fremde Kulturen und auch über die eigene lernt.

Toleranz ist sicherlich kein Allheilmittel. Das reine Anerkennen von Andersartigkeit ist keine optimale Lösung. Dadurch ist aber ein erster Schritt in Richtung Verständnis getan. Nur so können Missverständnisse geklärt und Barrieren überwunden werden. Erst wenn das von allen Menschen gelebt wird, findet die Globalisierung nicht nur auf dem Papier statt.

Wie begegnet Ihnen Toleranz im Alltag? Wurden Sie vielleicht schon einmal diskriminiert, weil sie sich anders als ihre Mitmenschen verhalten haben? Halten Sie sich selbst für verständnisvoll? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Life-Go-Forum mit.



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