|
Handlung
Arthur Edens (Tom Wilkinson) ist Staranwalt der Kanzlei „Kenner Bach & Ledeen“. Er vertritt seit sechs Jahren erfolgreich den Konzern „U/North“ gegen hunderte Landwirte, die den Chemikalienhersteller in einer Sammelklage auf mehrere Milliarden Dollar Schadensersatz verklagen. Sie werfen dem Konzern vor, er habe ihnen ein Unkrautvernichtungsmittel verkauft, das eine Krebs fördernde Substanz enthielt.
Arthur Edens arbeitet jahrelang gewissenhaft als Anwalt für den Konzern, bis er in Wisconsin, dem Wohnort der jungen Klägerin Anna Kaiserson (Merritt Wever), ihre Vereidigung mit einem grotesken Auftritt ins Lächerliche zieht. Um zu verdeutlich, dass er den Klägern glaubt und somit die Seiten gewechselt hat, beginnt er sich auszuziehen und macht erst bei den Socken halt. Die Anwälte beider Seiten sind davon so schockiert, dass sie die Vereidigung abbrechen und die angestrebte außergerichtliche Einigung zu platzen droht.
In der Gefängniszelle sucht ihn schließlich Michael Clayton (George Clooney), geschickt von der eigenen Kanzlei auf, um ihn zur Vernunft zu bringen. Doch Arthur Edens lässt sich nicht von dem Gedanken abringen, den Konzern zu überführen. Nachdem er jahrelang als Anwalt die Machenschaften des Konzerns gedeckt hat, will er ihn nun zur Rechenschaft ziehen.
Michael Clayton ist ebenfalls bei „Kenner Bach & Ledeen“ angestellt. Er arbeitet als Ausputzer im Hintergrund der Kanzlei und beseitigt sämtliche Probleme. Jedes Malheur der Mandanten schafft er aus der Welt. Bei der Wahl seiner Mittel ist er nicht wählerisch. Alles, was nötig ist, legal oder illegal, wird getan. Jetzt soll er sich um seinen Kollegen kümmern und dafür Sorgen, dass er keine weiteren Schäden, die die Zusammenarbeit mit „U/North“ gefährden könnten, anrichtet. Er versucht vergeblich Arthur Edens davon zu überzeugen, zur Besinnung zu kommen und mit ihm nach New York zurück zu kehren.
Nachdem sein Kollege Arthur Edens unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, beginnt Michael Clayton sich für den Fall zu interessieren. Je länger er sich mit dem Fall beschäftigt, desto mehr gerät er zwischen die Fronten und ins Fadenkreuz des skrupellosen Konzerns und seiner eigenen Kanzlei.
Fazit
Der Thriller, der auf wahren Begebenheiten beruht, beschreibt auf intensive und spannende Weise die Qual und die Verzweiflung der Protagonisten. George Clooney brilliert in seiner Rolle als Ausputzer für eine Großkanzlei, für die er eine Oscarnominierung erhielt. Eindrucksvoll stellt er den inneren Konflikt des geschiedenen, hoch verschuldeten Antihelden dar, der dafür bezahlt wird, brisante Probleme der Großkanzlei zu lösen, während er sein eigenes Leben nicht in den Griff zu bekommen scheint.
Tilda Swinton, die die oberste Rechtsverantwortliche des Chemikalienherstellers, Karen Crowder spielt, verkörpert eindrucksvoll die Rolle des karrierebesessenen Miststücks. Sie ist vordergründig souverän. Das dezent personifizierte Böse und tut alles, um dem Konzern die Klage zu ersparen und damit ihre eigene Karriere zu retten. Zugleich bekommt sie selbst vor Angst Schweißausbrüche, wenn sie ihr eigenes Handeln überdenkt. Gerade das macht sie und somit auch den großen Konzern erschreckend menschlich. Den Druck, den Menschen in derart verantwortungsvollen Positionen aushalten müssen, bringt Tilda Swinton exzellent rüber. Völlig zu Recht hat sie für diese Rolle den Oscar als beste Nebendarstellerin erhalten.
Weiter erwähnenswert ist Tom Wilkinson. Ihm ist die Rolle des psychisch kollabierten Anwalts Arthur Edens wie auf den Leib geschrieben. Allein sein Monolog zu Beginn des Films, in dem er aufgewühlt über seine eigene Situation als Anwalt spricht, ist wunderbar berührend. Tom Wilkinson verleiht seiner Figur ein hohes Maß an Authentizität, sodass der Zuschauer ihm den Kampf für Gerechtigkeit restlos abnimmt.
„Michael Clayton“ ist die erste Zusammenarbeit von Schauspieler Tom Wilkinson und Regisseur Tony Gilroy und hat sich sofort als voller Erfolg erwiesen, denn auch Tom Wilkinson wurde für einen Oscar nominiert. Schon im März könnte es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen, dann beginnt Tony Gilroy mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Thriller „Duplicity“, für den neben Julia Roberts, Clive Owen und Billy Bob Thornton auch Tom Wilkinson vor der Kamera stehen soll.
Der Regisseur Toni Gilroy, eigentlich ein Neuling auf dem Regiestuhl, der sich aber als Drehbuchautor („Bourne“-Trilogie) in Hollywood einen Namen machte, schrieb auch für „Michael Clayton“ das Skript. In einem ruhigen Erzählton wird Stück für Stück Ungeheuerliches zu Tage gebracht. Rechtsanwälte werden zu Rechtsverdrehern, es geht nicht um Wahrheit oder Moral, sondern um Geld und Macht. Ist der Mandant unzufrieden und zahlt seine Millionenrechnung nicht, geht die erfolgreiche Kanzlei sofort den Bach runter.
Tony Gillroy schuf mit diesem Thriller, der an die Machart und Tradition der sozialkritischen Verschwörungs- und Politthriller wie „Die Unbestechlichen“ (1976) der siebziger Jahre erinnert, ein Meisterwerk, das einen Kinobesuch auf jeden Fall wert ist.
|