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Es soll sie tatsächlich geben, die Menschen, die ausgerechnet irgendwann am 29. Februar zur Welt gekommen sind. Damit wurde ihnen ein schweres Schicksal in die Wiege gelegt, denn sie können gerade mal alle vier Jahre ihren „richtigen“ Geburtstag feiern und das dürfte vor allem den kleinen Erdenbürgern nicht besonders gut schmecken. Nur alle vier Jahre Kuchen, Kerzen und Geschenke? Undenkbar! Die meisten Schalttag-Geborenen lassen sich darum etwas einfallen, um dennoch jährlich ihr Wiegenfest begehen zu können. In diesem Artikel soll erklärt werden, warum in unserer Kalenderrechnung ein solcher Tag existiert und welche Funktion er hat.
Das Grundproblem liegt darin, dass unser Kalender auf ganzen Tagen basiert. Das tatsächliche Jahr (Fachbegriff: tropisches Jahr, errechnet durch den Zeitraum des Erdumlaufs um die Sonne) dauert allerdings zirka sechs Stunden länger als 365 ganze Tage, nämlich 365,2422. Diese Differenz muss also ausgeglichen werden. Doch genau das führt zu mancher Zahlenschieberei.
Wer zwischen dem 4. und 15. Oktober 1582 seinen Ehrentag feiern wollte, war ein Pechvogel, denn die dazwischen liegenden zehn Tage fielen anno dazumal schlichtweg aus. Das große Durcheinander in der Kalenderrechung hatte folgenden Grund: Seit 46 vor Christus galt in den meisten Teilen der Welt der sogenannte Julianische Kalender, der von Julius Caesar eingeführt wurde. Das „normale“ Jahr verfügte danach über 365 Tage und alle vier Jahre gab es ein Schaltjahr, in dem ein Schalttag eingelegt wurde. Soweit erinnert das zunächst verdächtig an die heutige Kalenderrechnung. Das julianische Jahr besaß aufgrund der Schaltjahrrechnung folglich durchschnittlich 356,25 Tage. Das tropische Jahr ist aber mit 365,2422 Tagen etwas kürzer und das sollte sich später drastisch bemerkbar machen.
Der unscheinbare Unterschied zwischen den Kommastellen schuf im Laufe der Zeit ein kräftiges Durcheinander. Die winzigen elf Minuten, die der julianische Kalender verglichen mit dem Sonnenjahr zu lang war, summierten sich fortlaufend auf. Bis zum 16. Jahrhundert war die Verschiebung auf volle elf Tage angewachsen. Tatsächlicher und kalendarischer Frühlingsanfang waren nun weit voneinander entfernt. Es war also Kreativität gefragt, um sie wieder zusammenzuführen. Außerdem musste zügig ein neues Kalendersystem her, das genauer war und so längere Zeit Gültigkeit behielt.
Das damalige katholische Kirchenoberhaupt Papst Gregor XIII nahm sich gleich beiden Problemen an. Er strich im besagten Jahr 1582 im Oktober zehn Tage aus dem Kalendarium, damit der Frühlingsanfang wieder zum passenden Zeitpunkt gefeiert werden konnte. Außerdem erstellte er eine erweiterte Schaltjahrregelung für das folgende Zeitalter, die in den meisten Ländern als gregorianischer Kalender auch heute noch Gültigkeit besitzt. Auch weiterhin sollte jedes durch vier teilbare Jahr ein Schaltjahr sein. Um jedoch eine größere Annäherung an das tropische Jahr zu erlangen, als das mit dem julianischen System möglich war, legt der gregorianische Kalender außerdem Folgendes fest: Jahre, die durch 100 teilbar sind, bekommen ihren Schalttag wieder weggenommen. Ausschließlich diejenigen, die durch 400 teilbar sind, bekommen ihn freundlicherweise wieder zurück. Also waren die Jahre 1800 und 1900 keine Schaltjahre, 2000 dagegen schon, da es durch 400 teilbar ist.
Etwas merkwürdig ist es schon, dieses System. Es ist mit 365,2425 Tagen zwar immer noch etwas zu lang, aber die Differenz zum tropischen Jahr ist geringer geworden. So haben wir es also Papst Gregor XIII zu verdanken, dass wir weiterhin am 21. März den Frühling willkommen heißen und auf winterliche Weihnachten hoffen können. Außerdem ist erst nach über 3000 Jahren damit zu rechnen, dass wieder einmal ein Tag gestrichen werden muss, um kalendarisch im Takt mit der Erdumrundung zu bleiben. Neben allem Mitleid für die Schaltjahrkinder, die ihren Geburtstag nur alle vier Jahre am passenden Tag feiern können, seien schlussendlich auch diejenigen, die ausgerechnet zu diesem Termin Geburtstag haben, bedauert!
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