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Die Formel 1 startet in die neue Saison


06.03.2008 (T. Kaiser) Kategorie: Sport

Bild: sport.rtl.de

Am Sonntag, den 16. März 2008, beginnt mit dem großen Preis von Australien die Formel-1-Saison. Rennsportbegeisterte auf der ganzen Welt fiebern dem ersten Rennen des Jahres in Melbourne entgegen. Neben den beiden neuen Strecken in Valencia und Singapur sollen vor allem die einschneidenden Änderungen des Reglements für frischen Wind in der Königsklasse sorgen. Mit neuem Bio-Kraftstoff, Einheitselektronik und einer gestrafften Qualifikation will die Formel 1 umweltbewusster, preiswerter und attraktiver werden. Sie reagiert somit auf kontrovers diskutierte Themen wie den Klimaschutz und die hohen Kosten für die Teams.

Spannung verspricht der Kampf um Team- und Fahrerkrone ohnehin. Vieles deutet auf einen erneuten Zweikampf von Ferrari und Mercedes hin. McLaren-Shootingstar Lewis Hamilton steht hierbei im Mittelpunkt des Interesses. Dem Vize-Weltmeister von 2007, der gerade einen neuen Vertrag bis 2012 bei Mercedes unterzeichnet hat, wird in seiner zweiten Saison viel zugetraut. Sogar der zu Renault abgewanderte Fernando Alonso räumt seinem Ex-Kollegen und Konkurrenten Chancen auf den Titel ein.

Das Duell der ehemaligen Teampartner verspricht besondere Brisanz. „Fernando hat mir letztes Jahr gezeigt, wie man sich als Rennfahrer nicht verhalten sollte“, stutzt Hamilton den Ex-Weltmeister in einem Interview zurecht. Ob der selbsternannte „Weltmeister der Herzen“ die hohen Erwartungen erfüllen kann, hängt unter anderem auch von den Altlasten der vergangenen Saison ab. Die Spionage-Affäre hat ihre Spuren hinterlassen, der Stachel sitzt immer noch tief. Doch Lewis Hamilton präsentiert sich selbstbewusst: „Ohne die politischen Probleme wird es mir noch mehr Spaß machen“.

Bei Ferrari gibt es Probleme dieser Art momentan nicht. Kurz vor Saisonstart herrscht bei der Rennabteilung, der Scuderia, Hochstimmung. Grund dafür sind die hervorragenden Ergebnisse des neuen Rennwagens, des Boliden F 2008, die bei den Testfahrten in Barcelona und Jerez erzielt wurden.

Des Weiteren ist Kimi Räikkönen mit dem Gewinn der Meisterschaft endgültig bei Ferrari angekommen. „Kimi ist das Beste, was Ferrari nach Michael Schumacher passieren konnte“, lobt der ehemalige Ferrari-Pilot Patrick Tambay den „Iceman“ euphorisch. Für viele ist Räikkönen mit seinen Fahrkünsten und seiner nüchternen Arbeitsauffassung die ideale Antwort auf die Herausforderungen der technisch neu aufgestellten Formel 1. „Kimi ist derzeit der beste Mann im besten Auto“, schwärmt Ex-Teamchef Peter Sauber.

Fünf deutsche Piloten sind nach dem vorläufigen Rückzug Ralf Schumachers 2008 in der Königsklasse des Motorsports vertreten. Ob einer von ihnen schon in dieser Saison am Titelrennen teilnehmen wird, ist jedoch fraglich. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone rechnet für Nick Heidfeld, Fahrer im Rennstall BMW-Sauber, die besten Chancen aus. Ein Gesamtsieg des Mönchengladbacher gilt dennoch als eher unwahrscheinlich.

Den Platz als größte deutsche Nachwuchshoffnung und legitimer Nachfolger Michael Schumachers hat derweil Nico Rosberg eingenommen. Dem 22-jährigen Sohn der Rennsportlegende Keke Rosberg wird in dieser Saison ein gewaltiger Sprung vorausgesagt. Die bisherigen Testfahrten im neuen Williams-Toyota FW 30 bekräftigen die Vermutungen. Intern wird sogar vom besten Williams seit dem letzten Triumph 1997 gesprochen.

Sebastian Vettel im Toro Rosso Ferrari, Timo Glock im Toyota und Adrian Sutil für den neuen Rennstall Force India werden 2008 wohl noch eine Menge Lehrgeld zahlen müssen. Vielleicht gelingt den jungen Piloten aber doch der eine oder andere Achtungserfolg.

Prognosen für den Verlauf der neuen Saison sind schwer zu treffen. Durch die technischen Beschränkungen steigen die Anforderungen an die Piloten enorm. „Im vorigen Jahr hatte die Technik zu 80 Prozent die Kontrolle über das Auto, der Fahrer nur 20 Prozent. Ab diesem Jahr ist die Rollenverteilung genau umgekehrt“, äußerte sich Ferrari-Ingenieur Luca Baldisserie jüngst zu den Neuerungen. Das entspricht genau den Vorstellungen des Präsidenten der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), Max Mosley. „Die Fahrer faszinieren das Publikum mehr als die Maschinen“, begründet er seinen Standpunkt.

Allerdings gibt es auch Gegenstimmen zum neuen Modell. Ferrari-Pilot Felipe Massa fürchtet eine Zunahme von Unfällen, BMW-Teamchef Mario Theissen spricht sogar von einem „Riesenfehler“. Ross Brawn, früher Ferrari-Technikchef und heutiger erster Vordenker bei Honda, prophezeit den Schritt zur „Einheitsformel“.

Was von den Technikern als Desaster empfunden wird, dürfte sich jedoch für den Sport und die Zuschauer auszahlen. „Das Publikum kann sich freuen. Wir werden wieder eine so extrem spannende Konkurrenzsituation produzieren wie in den 70er Jahren“, glaubt der Ex-Pilot John Watson. Die Epoche gilt bisher als spannendste der Formel-1-Geschichte.



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