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Wer am 17. März durch die Straßen Dublins schlendert, könnte meinen dass die Grünen dort besonders ausgiebig einen Wahlsieg feiern, denn überall ist vor allem eines zu sehen: die Farbe Grün. Jedes Jahr herrscht in der Hauptstadt vier Tage im März der Ausnahmezustand. Ursache hierfür ist jedoch nicht, dass ins Leinster House, das Parlament der Republik Irland, eine neue Partei eingezogen ist. Die Gründe sind ganz anderer Art, denn die Iren feiern in diesen Tagen den Nationalheiligen St. Patrick.
Feierlichkeiten zu Ehren eines Phantoms, denn besonders viel wissen die Iren über den Heiligen nicht. Die Quellen widersprechen sich, da die meisten Informationen auf Legenden beruhen. St. Patrick soll in Wales aufgewachsen sein und wurde angeblich von Iren als Sklave verschleppt. Nach langen Jahren in Gefangenschaft konnte der junge Mann schließlich fliehen. In der Not fand er zu dem christlichen Glauben und hatte die Möglichkeit, eine theologische Ausbildung in einem Kloster zu genießen. Fortan widmete er sein ganzes Leben der Christianisierung Irlands. Seinem Todestag wird noch heute, etwa 1500 Jahre später, gedacht.
Der St. Patrick’s Day ist mittlerweile kein besinnlicher Feiertag mehr. Mit einem gigantischen Feuerwerk und einer bunten Parade locken die Feierlichkeiten jährlich unzählige Einheimische sowie Touristen an. Mit so einer Ausgiebigkeit wird in Dublin jedoch erst seit 1995, auf eine Initiative der Regierung hin, gefeiert. Lange Zeit hatte der Feiertag auf der grünen Insel keinen so hohen Stellenwert wie in den USA, wo ihn irische Emigranten zu einer Massenveranstaltung gemacht haben. Doch auch die Iren haben das Wirtschaftspotential, das in diesem Feiertag steckt, erkannt und nutzen es. Das bedeutet aber nicht, dass auf traditionelle Bräuche und Symbole verzichtet wird. Dublin erstrahlt in diesen Tagen in grün, der Farbe der Natur und des Kleeblatts. Das dreiblättrige Kleeblatt wiederum steht für die Dreifaltigkeit. In den USA wird sogar der Chicago River eingefärbt, in Irland lediglich das Nationalgetränk Guinness.
Die Vermarktung des christlichen Heiligen geht noch weiter: Vor einigen Jahren wurde ein ganzer Landstrich im Südosten Nordirlands zum „St. Patrick’s Country“ ernannt, um den Fremdenverkehr dort zu beleben. Ein Besucherzentrum in Downpatrick soll Touristen und Gläubige locken. Bisher ist der kleine Ort nahe der Küste jedoch noch nicht zum Wallfahrtsort für Christen aus aller Welt geworden. Da St. Patrick vor der Reformation lebte, kann auch im überwiegend protestantischen Nordirland der 17. März gefeiert werden. Außerdem soll St. Patrick der Legende nach zwei verfeindete Brüder versöhnt haben. Bleibt also nur zu hoffen, dass der gemeinsame Feiertag zur Entspannung zwischen den beiden Staaten beiträgt.
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