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Am 30. März 2008 in der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es erneut soweit. Alle Zeitmesser, ob groß oder klein, Küchen-, Wand- oder Armbanduhren werden um 2 Uhr in der Früh eine Stunde vorgestellt. Die lange Geschichte des Rituals ist von einigem Hin und Her geprägt. Life-Go informiert Sie, was es mit dem jährlichen Dreh am Zeiger auf sich hat und weshalb nicht nur einige Menschen, sondern auch Tiere die Zeitumstellung nicht sonderlich gut vertragen.
Eine lange Tradition – Zur Geschichte der Zeitumstellung
Ein Anstoß war der im Jahr 1907 verfasste Aufsatz des Engländers William Willet „The Waste of Daylight“ („Die Verschwendung des Tageslichts“). Er bewegte das deutsche Kaiserreich 1916 dazu die Sommerzeit einzuführen. Drei Jahre lang stellten die Deutschen ihre Uhren von Ende März bis Ende September 60 Minuten vor. Die Weimarer Regierung schaffte die Maßnahme jedoch 1919 wieder ab. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verordneten die Nationalsozialisten aus wirtschaftlichen Gründen erneut die Zeitumstellung. Deutschland befand sich kurz vor dem Krieg, so konnte eine Stunde länger in den Fabriken der Rüstungsindustrie gearbeitet werden.
In der Nachkriegszeit herrschte eine mittlerweile fast vergessene Fülle von Zeitregelungen. Von 1947 bis 1949 gab es sogar eine Hochsommerzeit, die von Mitte Mai bis Ende Juni währte. Dabei wurden die Uhren zwei Stunden vorgestellt. Die Stromversorgung war noch nicht flächendeckend wiederhergestellt, sodass die Abhängigkeit vom Tageslicht besonders groß war. Zudem besaßen die Besatzungszonen unterschiedliche Zeitrechnungen. Während in der britischen, amerikanischen Zone die Sommerzeit galt, ging die Uhr in der sowjetischen Zone nach Moskauer Zeit. Sie ging also gegenüber der in Deutschland üblichen Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) zwei Stunden vor.
In der Periode von 1950 bis 1979 galt über das ganze Jahr hinweg die „normale“ Zeit. Damit ging die Nation in Europa einen Sonderweg, denn alle anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft hatten das jährliche Vorstellen der Uhr im Sommer seit den Siebziger Jahren gesetzlich festgelegt. 1980 folgten dann sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR den europäischen Nachbarn. Seitdem ist das Stellen der Uhr auch bei uns ein festes Ritual.
Gleichsam mit der halbjährlichen Suche nach allen verfügbaren Zeitmessern im Haushalt kommt auch die Frage nach dem „Warum?“ auf. Die Umstellung erfolgte in Europa vor allem als Energiesparmaßnahme im Zuge der Ölkrise 1973. Durch die Zeitverschiebung ist es abends vermeintlich eine Stunde „länger“ hell, was zu einem geringeren Stromverbrauch führen soll. Mittlerweile ist jedoch wissenschaftlich nachgewiesen und von zahlreichen Energieversorgern bestätigt worden, dass das ursprüngliche Ziel nicht erreicht wird. In den kalten Monaten März, April und Oktober wird zudem am Morgen mehr geheizt.
Halbjährliche Verwirrung – Die Folgen des Wechsels
Das fragwürdige Spiel an der Uhr bleibt nicht folgenlos. Der menschliche Organismus hat nachweislich Schwierigkeiten, seinen Biorhythmus an die Umstellung anzupassen. Die Umgewöhnung bedarf mindestens zwei Tage. Vor allem Menschen mit Schlafstörungen und chronischen Krankheiten sind von Anpassungsproblemen betroffen. Hinzu kommt am Monat nach der Zeitveränderung eine erhöhte Unfallgefahr im Verkehr und Berufsleben (Beispiel: Montage).
Umständlich wird es auch für die Deutsche Bahn, Betriebe, die im Nachtdienst arbeiten und zeitgebundene Datenbanksysteme der Informationstechnologie. Die Deutsche Bahn muss in der Nacht von Sonntag auf Montag ihre Züge eine Stunde an einem Bahnhof pausieren lassen um wieder fahrplanmäßig zu arbeiten. Für Nachtarbeiter bedeutet die Umstellung möglicherweise eine Kollision mit arbeitsrechtlichen Bestimmungen, denn sie müssten eine Stunde länger arbeiten oder auf Ruhezeit verzichten.
Schließlich sind auch Haustiere und besonders Milchkühe irritiert. Letztere müssen von den Bauern sanft an die neue Melkzeit gewöhnt werden. Das kann bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Die Tiere reagieren besonders empfindlich und geben daher im Sommer zu Beginn der Umstellung weniger Milch.
Die Veränderung ist vielen Deutschen lästig. Der Wunsch nach einer einheitlichen, ganzjährigen Zeiteinstellung ist groß. Ob es sich dabei um die Winter- oder Sommerzeit handelt, hängt vom Alter und Lebensstil der Befragten ab. Junge Menschen genießen die verlängerten Abende im Sommer und würden sich oftmals auch über einen späteren Sonnenuntergang im Winter freuen. Bei Älteren überwiegt oft eine traditionelle Einstellung. Die Winterzeit wird als „normale“ oder auch gottgegebene Zeit angesehen.
Die EU-Kommission überprüft alle fünf Jahre die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme. Die letzte fand Ende 2007 mit einem Positiv-Votum für das Zeitwechselspiel statt. So hat Bundesrepublik denn auch bis 2011 festgelegt, wann es für die Deutschen höchste Zeit ist nach ihren Uhren zu suchen.
Ist sie ein Segen oder ein Fluch? Was halten Sie von der Sommerzeit? Wir laden Sie herzlich dazu ein, mit uns im Life-Go-Forum darüber zu diskutieren!
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