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Pro Ana - Ein gefährliches Spiel


26.09.2005 (C. Elsner) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.freenet.meome.de

Es ist der neueste Kult auf dem Gebiet des Abnehmens, was jetzt sehr viel harmloser klingt als es in Wirklichkeit ist. Pro Ana, was klingt wie ein neues Fitnessprogramm, ist ein Kult, der seine Ursprünge im Internet gefunden hat und dort natürlich auch weiterhin seine Früchte trägt. Der Ursprung ist folgender:

Pro Ana (anorexia nervosa, zu Deutsch: Magersucht) bedeutet in erster Linie ein Schönheits- und Schlankheitsideal. Magersucht als solche kann natürlich viele Gründe haben, am häufigsten psychische, also seelische oder soziale Probleme, die das Umfeld hervorruft. Pro Ana ist allerdings keine Magersucht in diesem Sinne, denn wo Magersucht aus Verzweiflung entsteht und sich die Betroffenen in medizinische Behandlung begeben müssen um eine Hoffnung auf Heilung zu haben, ist Pro Ana gewollt.

Pro Ana wurde von Magersüchtigen geprägt, die ihre Magersucht nicht als Krankheit sondern als alternativen Lebensstil ansehen und dem Wunsch nach Perfektion entgegenstreben, den sie in einer medizinisch und gesundheitlich höchst bedenklichen Schlankheit sehen.

In Zahlen würde dies als Beispiel bedeuten, dass jemand, der bei einer Körpergröße von 172 cm 60 Kilogramm wiegt, noch 20 Kilogramm verlieren möchte um diese „Perfektion“ zu erreichen. Pro Ana wird aber keineswegs durch seine Anhänger an andere herangetragen oder anderen Menschen aufgezwungen. Es ist wie vieles eine Meinung oder Weltanschauung, die allerdings gefährlich ausufert und vor allem Jugendliche in ihren Bann zieht. Nicht zuletzt durch die vielen Möglichkeiten, die das Internet an Nährboden bietet.

Neben den Webseiten existieren verschiedene Communities, wie z. B. im Live-Journal, dem populärsten Weblog-Anbieter, den es derzeit gibt.

Perfect-Pro-Ana zum Beispiel ist eine Community, die zwar nicht im Live-Journal ist, aber ähnlich funktioniert. Bevor man zugelassen wird, muss man sich erst einem Aufnahmetest unterziehen. Somit fängt eine Bewertung an, denn Leute, die z.B. bei einer Körpergröße von 1,70 m 65 Kilo wiegen, werden erst gar nicht aufgenommen, weil sie - natürlich in den Augen der Mitglieder, die diese Bewertung abgeben - als fett angesehen werden.

Dieser Trend ist durchaus nicht neu, denn schon in den 70er Jahren galten Mager-Models als „Twiggy“ (was man als Stöckchen übersetzen kann und auch dementsprechend aussieht). Si waren in der Modebranche der Hit schlechthin.

Das Erschreckende ist allerdings nicht nur das skelettartige Aussehen, wie auf dem Bild oben zu sehen, das von einem Mitglied im Internet gepostet wurde auf die Frage hin, was denn Perfektion sei. Das Erschreckende ist, dass viele Mitglieder dieser Gemeinschaft jünger als sechzehn Jahre sind. Ebenso erschreckend ist, dass ihre großen Vorbilder Mary Kate und Ashley Olsen, die beiden TV-Zwillinge, von denen man in letzter Zeit nicht wie früher aus TV-Serien hört, in Kliniken eingewiesen wurden, weil sie schlicht und ergreifend zusammengebrochen waren. Diese Erscheinung tritt bei Magersüchtigen auf, deren Körper durch den Hunger so geschwächt ist, dass ohne klinische Hilfe der Tod eintreten würde.

Wer sich selber ein Bild machen möchte, kann das gerne tun, hier ein Link, der sich mit dem Thema beschäftigt: www.livejournal.com

Nun führen solche Communities auch dazu, dass sich Anti-Ana Bewegungen in Gang setzen. Der Kult um den schlanken Körper aber bleibt trotzdem allgegenwärtig, obwohl mittlerweile viele Pro-Ana Communities geschlossen oder inaktiv sind, weil ihre Betreiber entweder das Interesse verloren haben oder auf dem Weg der Gesundung sind.

Denn wenn man das ganze nüchtern betrachtet, ist Magersucht immer noch eine Krankheit, die das Leben kosten kann, und kein Lebensstil, der von Teenagern zelebriert werden sollte. Aber anscheinend muss erst das, wie vieles im Leben, bitter gelernt werden.



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