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Am 25. Februar 2008, in der Nacht von Montag auf Dienstag, war es erneut so weit. Der begehrteste Filmpreis der Welt wurde zum 80. Mal verliehen: der Academy Award, besser bekannt unter dem Namen „Oscar“. Dieses Jahr gab es zahlreiche Überraschungen im Kodak Theatre. Die Auszeichnungen in den Schauspieler-Kategorien gingen an Europäer, eine Teenie-Komödie und ein kleines Land, das in der Filmbranche bisher kaum aufgefallen war.
Überraschungssieger in den Hauptkategorien
Die großen Sieger des Abends waren zweifelsohne Ethan und Joel Coen. Sie erhielten die Auszeichnung in den beiden Königsdisziplinen „Bester Film“ und „Beste Regie“ für „No Country For Old Men“. „Wir…ähm…sagen Danke“, sagte Ethan Coen insgesamt dreimal nach dem Erhalt der wertvollen Goldstatue ins Mikrofon. Die Brüder zeigten sich glücklich und stolz, aber ebenso gelassen.
Die erste Überraschung des Abends bot die Verleihung des Preises für das „Beste Originaldrehbuch“. Er ging an Diablo Cody und ihre außergewöhnliche Teenie-Komödie „Juno“. Im Film geht es um eine 16-jährige, die ungewollt schwanger wird und das Kind zur Adoption freigeben will. Das Ungewöhnliche an der Entscheidung ist, dass es sich bei dem Film erstens um eine Komödie handelt, die zweitens das Leben einer Jugendlichen beschreibt. Die Drehbuchautorin, eine ehemalige Stripperin, fiel bei der Zeremonie auch durch ihren Stil auf. Sie trug auf der Verleihung ein leopardengemustertes Kleid und ließ ihre Tätowierungen unverhüllt.
Der Sieg in europäischen Händen
Als bester Hauptdarsteller wurde Daniel Day Lewis für „There Will Be Blood“ ausgezeichnet. Er mimt darin einen vom Erfolg besessenen Ölbaron, der sich und anderen das Verderben bringt. Der Brite übertrumpfte seine Konkurrenten George Clooney, Tommy Lee Jones, Viggo Mortensen und Johnny Depp. Er meinte in seiner Rede: „Ein Lohn dafür, dass ich beim Spielen alles um mich vergesse.“
Das weibliche Gegenstück dazu war Marion Cotillard, die in „La Vie En Rose“ die französische Sängerin Edith Piaf spielte. „Du hast meine Welt aus den Angeln gehoben!“, rief die junge Französin dem Regisseur Oliver Dahan von der Bühne aus zu. Völlig überwältigt von der Situation beginnt sie zu schluchzen. Sie setzte sich gegen große Schauspielerinnen wie Cate Blanchett und Julie Christie durch. Marion Cotillard ist die zweite Französin, die sich mit einem Oscar in dieser Kategorie schmücken darf.
Der Oscar für den besten Nebendarsteller ging an Javier Bardem für „No Country For Old Men“. Er spielt in dem Film die Rolle eines skrupellosen Profikillers, dessen Weg im wahrsten Sinne des Wortes mit Leichen gepflastert ist. Am Schluss seiner bis dahin in Englisch gehaltener Rede bedankte er sich auf Spanisch bei seiner Mutter, seiner Muttersprache. Er ist der erste Spanier, der den Goldritter erhalten hat.
Tilda Swanson erhielt den Preis für die beste Nebendarstellerin für ihre Rolle im Justiz-Drama „Michael Clayton“. Die im Film karrierebesessene Rechtsverantwortliche eines rücksichtslosen Chemikalienherstellers zeigte sich bei ihrer Dankesrede besonders humoristisch. Sie bedankte sich unter anderem bei George Clooney, der angeblich tagtäglich im Batman-Kostüm am Drehort erschien. „Ich habe einen Preis dafür gewonnen, dass ich George Clooney unterstützt habe. Wenn alles so einfach wäre“, scherzte die Britin.
Die Gewinner der Nebenkategorien
Die Sensation des Abends war der Sieger des Academy Awards in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Penélope Cruz öffnete um 4:44 Uhr das Kuvert und gab folgendes bekannt: „The Oscar goes to Austria for ‚The Counterfeiters‘.“ Der Regisseur Stefan Ruzowitzky zögerte zunächst. Dann fielen sich er und der Hauptdarsteller des Films, Karl Markovics, in die Arme. Anschließend küsst der Regisseur seine Frau Birgit und nimmt die 3,5 Kilogramm schwere Statue entgegen. Ein Traum ist wahr geworden; Österreich wurde mit dieser Premiere in den elitären Filmkreis aufgenommen.
Stefan Ruzowitzky hielt eine kurze, aber prägnante Dankesrede. Er betonte dabei, dass bereits viele Österreicher in Hollywood tätig waren und immer noch sind. Sie werden jedoch nicht als österreichische Künstler verstanden, da sie ihr Heimatland wegen der Nazis verlassen mussten. Seiner Meinung nach mache es daher Sinn, dass sein Oscar prämierter Film die Thematik der Nazi-Verbrechen behandelt.
Weitere Gewinner waren das Fantasie-Spektakel „Der Goldene Kompass“, das seine starken Konkurrenten „Pirates Of The Caribbean – Am Ende der Welt“ und „Transformers“ in der Kategorie der besten visuellen Effekte übertrumpfte. Als bester Animationsfilm wurde die Pixar-Produktion „Ratatouille“ ausgezeichnet. Der Preis für die beste Filmmusik ging diesmal an Dario Marinelli und seine Kompositionen für das Liebesdrama „Abbitte“.
Insgesamt war die 80. Oscar-Verleihung ein schön anzusehendes Ereignis. Diesmal gab es nur wenige politische Anspielungen. Dafür war umso mehr Humor im Spiel – sowohl durch die Präsentatoren als auch durch die Preisträger. Die unerwarteten Sieger waren zweifelsohne die Höhepunkte der prunkvollen Nacht.
Hier können Sie sich die Trailer der oben genannten Gewinner ansehen:
No Country For Old Men
Juno
There Will Be Blood
La Vie En Rose
Michael Clayton
Die Fälscher
Ratatouille
Der Goldene Kompass
Abbitte
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