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Neues aus der Stammzellforschung: Hybrid-Embryo aus Mensch und Kuh


22.04.2008 (S. Petersohn) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.eccocell.com

Die Debatte um die ethischen Aspekte der Stammzellenforschung wird im beginnenden Frühling 2008 durch ein wissenschaftliches Forschungsergebnis und eine politische Entscheidung der deutschen Bundestagsabgeordneten weiter angeheizt. Es gelang dem britischen Forscher Dr. Lyle Armstrong und seinen Mitarbeitern der Universität Newcastle einen Embryo zu schaffen, dessen menschliches Genmaterial in der Eizelle einer Kuh heranreifte.

Nur kurze Zeit nach der Entdeckung, am 11. April 2008, stimmten die bundesdeutschen Abgeordneten mit 346 Ja-Stimmen, 228 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen für einen neuen Stichtag, der für das Alter der aus dem Ausland importierten, embryonalen Zellen gilt. Zuvor durften die Wissenschaftler nur mit Zelllinien forschen, die vor dem 1. Januar 2002 in ausländischen Laboren hergestellt wurden. Nun dürfen Zellen genutzt werden, die bis zum 1. Mai 2007 im Ausland entstanden und damit wesentlich jünger sind. Die höchst kontroverse Entscheidung soll dazu beitragen, dass deutsche Forscher mit besserem Zellmaterial forschen können, ohne dass es dazu extra hergestellt werden muss.

Die beiden Ereignisse liefern sowohl den Gegnern als auch den Befürwortern der Stammzellforschung neue Argumente für ihre jeweiligen Positionen. So soll das Forschungsresultat der Wissenschaftler der Universität Newcastle dazu beitragen, Heilungsmethoden für schwere und bisher unheilbare Krankheiten, wie Parkinson, zu finden. Die Nutzung der Eizellen von Kühen erscheint den Forschern dabei weniger ethisch bedenklich. Zudem sind sie in größeren Mengen verfügbar und leichter zu gewinnen als menschliche Eizellen.

Können mit der Nutzung von tierischen Eizellen Fragen ethischer Bedenklichkeit ausgeblendet werden? Dem stehen britische Forscher und Lobbygruppen sowie deutsche Wissenschaftler, wie der Münchener Biologe Wolfgang-Michael Franz sehr kritisch gegenüber. Der Hybrid-Embryo erweckt schnell den Eindruck eines Frankensteinschen Monsters, auch wenn er zu 99 Prozent aus menschlichem Erbgut besteht. Zudem ist es noch nicht erwiesen, dass die Zellen für die medizinische Forschung tauglich sind.

Auch die Bundestagsentscheidung ist ähnlich umstritten. Die Abgeordneten, welche frei nach ihrem Gewissen, das heißt ohne Fraktionszwang, entscheiden konnten, argumentierten stellenweise überraschend gegen ihre sonstige politische Ausrichtung. Die Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU), welche eher konservativ orientiert ist, sprach sich deutlich für eine Verschiebung des Stichtages zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Forschung aus.

Dahingegen plädierte Volker Beck (Bündnis 90 / Die Grünen) für ein vollständiges Verbot der Forschung an Stammzellen. Entscheidend für die Vertreter seiner Position ist die Frage, wann das menschliche Leben beginnt. Die Kritiker aus Politik und Wissenschaft sowie die kirchlichen Vertreter beantworten die Frage einhellig: Ab dem Moment der Verschmelzung von Samen und Eizelle entsteht menschliches Leben, welches nicht für die Forschung oder medizinische Anwendungen instrumentalisiert werden darf. Das verstößt gegen die Menschenwürde, durch die sich selbst ungeborenes Leben auszeichnet.

Ob die Stichtagsverschiebung den von Maria Böhmer (CDU) dargestellten „Dammbruch im Embryonenschutz“ oder einen starken Auftrieb für die deutsche Forschung darstellt, wird sich zeigen. Bisher sind noch keine für medizinische Anwendungen brauchbaren Stammzelltherapien in Sicht. Dennoch verschieben sich die Grenzen dessen, was akzeptiert wird, immer weiter. Besonders ersichtlich wird das an dem Experiment der britischen Wissenschaftler und der forscherfreundlichen Mehrheitsentscheidung der deutschen Politiker. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die breite Öffentlichkeit zunehmend für die Debatte interessiert und Stellung bezieht.

Es bleibt abzuwarten, ob die Stammzellen ihr Heilungspotential einlösen können oder ob nicht bessere und ethisch weniger fragwürdige Alternativen in Aussicht stehen. Möglicherweise können bald reprogrammierte Körperzellen, so genannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), die Funktion eines neuen Hoffnungsträgers übernehmen. Sie sind bereits spezialisierte, ausgereifte Zellen aus verschiedenen Körperbereichen, die jedoch mit einer bestimmten Technik so verändert werden können, dass sie Stammzellen ähneln.

Was halten Sie von der Stammzellforschung? Wie ist sie zu bewerten? Wir laden Sie herzlich dazu ein, mit uns im Life-Go-Forum darüber zu diskutieren!



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