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Parasiten sind Lebewesen, die sich auf Kosten anderer ernähren. Ausgerechnet diese Schmarotzer zählen zu den erfolgreichsten Kreationen der irdischen Fauna. Mehr als 50 % aller Tierarten beziehen ihre Nahrung auf diese zunächst absonderlich anmutende Art und Weise. Parasitische Vertreter gibt es in nahezu allen zoologischen Gruppen, vom Einzeller bis hin zum Säugetier.
Ihr Überlebenskonzept ist dabei gleichermaßen erfolg- wie trickreich. Nicht selten verändern sie sogar das Verhalten ihres Wirtes, um ihn besser für ihre Zwecke missbrauchen zu können. So befällt beispielsweise das Larvenstadium des kleinen Leberegels das Nervensystem von Ameisen. Von dort aus manipuliert er sein Opfer derart, dass es an einem Grashalm emporklettert und sich dort festbeißt. Das verfolgt den Zweck, dass die infizierten Ameisen von weidenden Schafen gefressen werden. Letztere stellen den so genannten Endwirt des Leberegels dar, in dem sich die Larven zu fertigen Egeln weiterentwickeln und schließlich Nachkommen zeugen können.
Ähnliches praktiziert auch der Saugwurm, dessen Larven den Killifisch infizieren. Der Wirtsfisch verliert jede angeborene Vorsicht, schwimmt an die Wasseroberfläche und lockt seine Fressfeinde zusätzlich mit auffälligen Körperbewegungen an. Raubvögel fressen daher im Durchschnitt etwa dreißigmal mehr infizierte als gesunde Killifische und werden so selber zu Parasiten-Wirten.
Dass Parasiten auch uns befallen, ist nichts Neues. Milben, Zecken und Läuse sind allesamt unbeliebte Gäste. Dass jedoch sogar wir Opfer ihrer manipulativen Machenschaften werden, scheint zunächst unvorstellbar. Allerdings sind Parasiten selbst in der menschlichen Steuerungszentrale keine Seltenheit mehr: Etwa 60 % der Deutschen besitzen Antikörper gegen Toxoplasma gondii, ein Einzeller, der sich in die Gehirne von Säugetieren einnistet. Die Infektion geschieht über den Verzehr von ungewaschenem Gemüse und rohem Fleisch oder über Kontakt mit dem Endwirt des Parasiten: der Hauskatze.
Toxoplasma hat es insbesondere auf Hirnregionen abgesehen, die für die Empfindung von Furcht und Emotionen zuständig sind. Befallene Mäuse und Ratten legen Verhaltensweisen an den Tag, die die Weitergabe zum Endwirt erleichtern. Gezielt kehrt der Schmarotzer die Abneigung der Nager gegenüber Katzengeruch ins Gegenteil um, was suizidähnliche Folgen mit sich bringt.
Doch wie wirkt sich die Präsenz des Fremdlings in menschlichen Gehirnen auf unser Leben aus? Die meisten Infektionen werden auch heutzutage nicht erkannt, da die grippeähnlichen Symptome der so genannten Toxoplasmose meist von selbst wieder abklingen. Mehrere Studien deuten nun aber darauf hin, dass Toxoplasma darüber hinaus unser Verhalten und damit auch unsere Persönlichkeit beeinflussen kann. Infizierte Menschen weisen eine erhöhte Neigung zu Schuldbewusstsein auf. Männer scheinen eifersüchtiger und konservativer, Frauen hingegen intelligenter und dynamischer als ihre gesunden Vergleichspersonen zu sein.
Dr. Kevin Lafferty von der Universität von Kalifornien vertritt sogar die These, dass der Parasit nicht nur das Verhalten von einzelnen Menschen, sondern ganze Gesellschaften beeinflussen kann. Ausführliche Befragungen in 39 Ländern lassen in der Tat Zusammenhänge vermuten. Offensichtlich geht eine ausgeprägte negative emotionale Grundhaltung einer Bevölkerung mit einer weiten Verbreitung der Toxoplasma-Infektion einher. Während in manchen Ländern unter 10 % der Menschen den Parasiten in sich tragen (Beispiel: Südkorea mit 4,3 %), sind in anderen Ländern über 60 % der Bevölkerung infiziert (Beispiel: Frankreich mit 90 %). Die unterschiedlichen Infektionsraten könnten somit in einem gewissen Ausmaß zur kulturellen Vielfalt beitragen.
Sollten die statistischen Analysen zutreffen, so bleibt Toxoplasma dennoch nur einer von vielen anderen Faktoren, die Persönlichkeit und Kultur beeinflussen. Falls die These stimmt, könnte jedoch die Bekämpfung des Parasiten, beispielsweise durch Fluridon, wiederum gravierende Persönlichkeitsveränderungen mit sich bringen. Außerdem stellt sich für jeden Einzelnen die Frage, ob gewisse Verhaltensweisen vielleicht nur das Produkt der Machenschaften eines Einzellers im eigenen Gehirn sind.
Wollen Sie Näheres zu „Toxoplasma gondii“ erfahren? Halten Sie es für möglich, dass unser Verhalten von einem Einzeller mitbestimmt wird? Wir laden Sie herzlich ein, im Life-Go-Forum darüber zu diskutieren!
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