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Amerikaner schulen die Elite von morgen und Deutschland macht es nach. Zukünftigen Akademikern nicht mehr drei Jahre Abiturzeit zu gönnen, sondern notwendiges Wissen innerhalb von straffen zwei Jahren zu vermitteln, ist nur der Anfang. Jetzt werden auch die kleinsten Staatsbürger gefordert. Das amerikanische Franchise-Unternehmen „FasTracKids“ (Kinder auf der Überholspur), das 1998 in Amerika gegründet wurde und seither seine Fühler in die Welt ausstreckt, hat jetzt auch Deutschland erreicht. In Berlin können seit 2007 Mädchen und Jungen zwischen zwei und neun Jahren vorschulische oder schulergänzende Kurse besuchen, die sie auf ihren späteren Bildungsweg vorbereiten sollen.
Technik, die begeistert
Bei „FasTracKids“ handelt es sich um ein Lernprogramm, das durch seine innovativen und technologisierten Lernmethoden die natürliche Neugier und Wissbegier von Kleinkindern fördert. Frühes Fördern von Wissen verbessere die Gehirnentwicklung von Kindern und erhöhe außerdem die Konzentrationsfähigkeit, sagen Experten. Beides sind gute Grundlagen, um mit Erfolg durch die Schulzeit und bestenfalls die Universität zu kommen.
In Berlin werden mittlerweile verschiedene Lerngruppen mit maximal zwölf Teilnehmern angeboten, die einmal pro Woche zwei Stunden lang die verschiedensten Themen behandeln, wie zum Beispiel die Planetensysteme, Umweltschutz oder auch Literatur. Das Angebot ist vielfältig: Zwölf Unterrichtsfächer stehen den jungen Schülern zur Auswahl und das nicht nur auf Deutsch, sondern sogar auf Englisch und Russisch.
Das Franchise-Unternehmen erfreut sich größter Beliebtheit bei Eltern und deren Kindern, die die Kurse besucht haben. Durch ein so genanntes „SMART Board“, einen interaktiven Bildschirm zur Übertragung von Bildern und Videos, wie es auch die Universität Harvard und die NASA verwendet, wird den Kindern die Themenbearbeitung erleichtert. Spielerisch lernen die Kinder dann eben nicht nur etwas über die Abholzung der Regenwälder, sondern auch über die modernste Computertechnologie, ganz wie es sich für ein Neuzeitkind gehört.
Vorsprung nur für Reiche?
Obwohl anscheinend gerade Eltern von der Methodik beeindruckt sind, die die Lernlust ihrer Kinder nachhaltig steigert, haben Kritiker ihre Probleme mit dem Lernprogramm. Sie sehen die Schwierigkeiten weniger in dem Bildungsvorsprung, den Kinder durch die Kurse erhalten, sondern im finanziellen und zeitlichen Aufwand, der vorher aufgebracht werden muss.
Zum einen wird bemängelt, dass „FasTracKids“ wie eben viele andere Privatinstitutionen eine Art geschlossene Gesellschaft bilde, die Kinder von Armen wieder einmal außen vor lasse. Tatsächlich sind 32 Euro pro Lerneinheit und Woche ein guter Grund, um seinem Kind einen frühen Start in die Wissensvermittlung zu verweigern. Einen Vorsprung ins Schulleben kann also nur der genießen, der das nötige finanzielle Polster mitbringt. Dazu gehören Arbeiterkinder offenbar nicht, von denen laut SPD-Bildungsexperten Karl Lauterbach ohnehin nur drei bis vier Prozent eine akademische Laufbahn anstreben. Doch gerade um die Prozentzahl nicht weiter sinken zu lassen, sollte der Staat Arbeiterkindern oder Kindern von Hartz-IV-Empfängern die Möglichkeit geben denselben Wissensvorsprung zu genießen wie ihre besser gestellten Altersgenossen.
Zum anderen kommt in unserer Gesellschaft, auch in Hinblick auf Ganztagsschulen, immer wieder die Frage auf, wie viel Freizeit den Kindern von heute eigentlich noch gegönnt wird. Frühe Bildung gut und schön, aber ist es nicht vielleicht doch angebracht, Kinder in der Kindertagesstätte malen zu lassen, anstatt sie vor einen LCD-Bildschirm zu setzen?
Früh übt sich
Laut Wissenschaftlern hat der Mensch circa bis zu seinem fünften Lebensjahr die schnellste Auffassungsgabe. Also scheint es gerechtfertigt, sein Kind schon mit zwei Jahren die Grundlagen der Mathematik lernen zu lassen. Je früher, desto weniger Probleme und Enttäuschungen folgen später in der Schule. Anscheinend ist Wissen in unserer Zeit nicht nur zum teuersten Gut, sondern auch zum wichtigsten Gut geworden, wenn Kinder von der Krabbelgruppe direkt zum Russischkurs geschickt werden.
Ob die Kinder es ihren Eltern einmal danken werden, schon früh in die Planetensysteme eingeweiht worden zu sein, bleibt abzuwarten. Ebenso, inwieweit die Lernbereitschaft tatsächlich stärker ist als bei anderen Kindern.
Das amerikanische Unternehmen „FasTracKids“ hat seit 1998 viele Franchisenehmer auf dem ganzen Globus gefunden. In Europa sind das nicht nur Deutschland, sondern auch Frankreich, Irland, Italien, Griechenland und die Ukraine. Momentan sucht „FasTracKids“ nach neuen Franchisenehmern in Deutschland, damit in Zukunft nicht nur Berliner Kinder ihre Altersgenossen überholen.
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