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Am 17. Februar 2008 erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit. Anerkannt haben die ehemalige Provinz Jugoslawiens inzwischen 39 Nationen, unter anderem die USA und 16 EU-Staaten, darunter Deutschland. Doch sowohl die Souveränität als auch deren Anerkennung sind umstritten.
Begründet liegt der Streit um die Unabhängigkeit unter anderem in der UN-Sicherheitsratsresolution 1244 vom 10. Juni 1999. In ihr werden zwei widersprüchliche Ziele formuliert, so dass sich nun zwei Konfliktparteien auf ein und dieselbe rechtliche Grundlage berufen. Zum einen ist dort die Wahrung der Grenzen der Republik Jugoslawien (damals noch bestehend aus Serbien und Montenegro) festgeschrieben. Dadurch fühlt sich Serbien in seinem Anspruch auf das Gebiet bestärkt. Auf der anderen Seite stärkt die Resolution aber die albanische Bevölkerungsmehrheit in dem Gebiet, denn sie garantiert ihr „substanzielle Autonomie“. Hierbei handelt es sich um eine ausgeprägte Selbstverwaltung, mit weitgehender Unabhängigkeit von der Regierung in Belgrad.
Geschichtlich reicht der Konflikt mehr als 600 Jahre zurück, bis zur legendären Schlacht der Serben gegen die Osmanen auf dem „Amselfeld“, dem „Kosovo Polje“. In jener verloren die Serben das Gebiet, das sie als Wiege ihrer Kultur und Religion erachten. Erst 1912 konnte das Kosovo in den Balkankriegen mit Hilfe des „großen Bruders“ Russland zurück gewonnen werden. Im Zuge des Panslawismus, einer Art Einigungsbewegung der slawischen Staaten unter der Führung Russlands, unterstützte die Föderation das ebenfalls orthodoxe serbische Volk. Auch im aktuellen Streit stellt sich die Russische Föderation hinter das slawische Brudervolk in seiner Forderung nach einer Ablehnung der Unabhängigkeit des Kosovos. Schon seit 1999 blockiert es, unterstützt von dem Vielvölkerstaat China, eine Anerkennung des Kosovos als eigenen Staat.
Die USA dagegen unterstützen traditionell die Unabhängigkeitsbestrebungen der albanischen Bevölkerungsmehrheit. So waren die Vereinigten Staaten auch unter den ersten, die die Unabhängigkeit des Kosovos von Serbien anerkannten. Serbien allerdings betrachtet die Abspaltung der Provinz als Verletzung seiner Souveränität und wehrt sich dagegen. So rief der Außenminister Vuk Jeremic in der UN-Sicherheitsratssitzung am 11. März 2008 die Staatengemeinschaft dazu auf, eine Schwächung des Systems der internationalen Beziehungen zu stoppen und das Kosovo nicht als eigenen Staat zu betrachten. Serbien werde niemals auch nur den Versuch einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung anerkennen.
Noch extremer äußerte sich der Vorsitzende der rechtsextremen serbischen Partei Srpska Radikalna Stranka (SRS). In einem Fernsehinterview drohte er, es könne zu neuen Auseinandersetzungen kommen, besonders wenn Nachbarstaaten wie Kroatien die Unabhängigkeit des Kosovos bestätigten. Denn damit würden die Grenzen Serbiens von ihnen in Frage gestellt. Im Gegenzug würde Serbien auch deren Grenzen nicht mehr respektieren. Übergriffe von serbischer Seite seien in dem Fall nicht auszuschließen. Schon infolge der Anerkennung des Kosovos durch die ersten Staaten kam es vor allem in Belgrad zu Ausschreitungen. Dabei wurden mehrere Botschaften, darunter auch die deutsche, angegriffen. Presseberichten zufolge, strebt Belgrad nun eine Teilung des Kosovos an, wobei der nördliche Teil mit der zum Großteil serbischen Bevölkerung an Serbien fallen sollte.
Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung macht allerdings der Rücktritt des serbischen Regierungschefs Vojislav Kostunica. Vorgezogene Parlamentswahlen am 11. Mai 2008 könnten eine Veränderung der verhärteten Fronten begünstigen. Vielleicht werden bis dahin ja noch gemäßigte Stimmen lauter, wie die des Vorsitzenden der Liberalen Partei (LSS), Cedomir Jovanovic.
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