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Kleines Lexikon der Gewürze Teil 1: Vanille, Zimt, Safran und Anis


10.05.2008 (J. Richter) Kategorie: Panorama

Bild: www.balance-online.de

Tauchen Sie mit Life-Go ein in die betörende Welt der Gewürze! Ohne ihre vielfältigen Aromen würde jede Mahlzeit fade schmecken. Die geschmacksgebenden Eigenschaften machen aus einfachen Zutaten wahre Delikatessen und sind aus unserem täglichen Gebrauch nicht mehr wegzudenken. In der zweiteiligen Reihe, die sich mit der Welt der Gewürze beschäftigen wird, dreht sich alles um Geruch, Geschmack, Herkunft und Gewinnung der edlen Zutaten. Im ersten Teil sollen jeweils eines der bekanntesten (Vanille), eines der ältesten (Zimt), eines der teuersten (Safran) und eines der kleineren Gewürze (Anis) vorgestellt werden.

Vanille: Die Königin der Gewürze

Sie ist aus der Welt der Würzstoffe nicht wegzudenken. Bei der Vanillepflanze handelt es sich um eine rankende Orchideenart, die ursprünglich in Mexiko beheimatet ist. Heute wird sie jedoch auch in vielen anderen Ländern kultiviert. Bis sie zum ersten Mal Früchte trägt, vergehen vier volle Jahre. Größtes Anbaubaugebiet ist derzeit Madagaskar. Jedoch fehlen hier die Kolibris und speziellen Insekten, die bei der Orchidee in ihrer ursprünglichen Heimat für eine Befruchtung sorgen. Deswegen muss sie während der wenigen Stunden der Blütezeit per Hand vorgenommen werden. Nur dann kann sich innerhalb von etwa vier Wochen eine grüne Schote bilden, die nach ungefähr einem halben Jahr geerntet werden kann.

Erst durch den Wechsel von heißen Wasserbädern und Trocknungsvorgängen entwickeln die Vanilleschoten ihre typische schwarze Farbe und ihr unvergleichliches Aroma, das Speisen und Getränke veredelt. Außerdem werden die ätherischen Öle der Vanille schon seit Jahrhunderten bei der Parfumherstellung verwendet. Ihr Duft gilt als aphrodisierend und soll die Leistungskraft von Körper und Geist stärken. Außerdem wird der Vanille eine beruhigende Wirkung auf die Nerven nachgesagt.

Zimt: Die aromatische Baumrinde

Zimt ist ein besonders altes Gewürz. Um seine Herkunft ranken sich allerlei Erzählungen. So weiß zum Beispiel Herodot (5. Jahrhundert vor Christus) zu berichten, die Zimtpflanze wüchse auf dem Grund eines Sees. Dass das nicht der Wahrheit entspricht, ist schon lange bekannt. Das feine Pulver und die bräunlichen Röllchen werden aus der Innenrinde des tropischen Zimtbaumes gewonnen. Durch den Trocknungsvorgang in der Sonne entsteht die charakteristische gerollte Form. Schlussendlich werden mehrere Rindenstücke ineinander geschoben. Sie bilden nun die typische Zimtstange.

Je dünner die einzelnen Lagen der Baumrinde sind, desto höher ist die Qualität. Zimt findet auch in der Parfum- und Seifenherstellung Verwendung. Hierzulande wird er jedoch vorwiegend zum Aromatisieren von Süßspeisen verwendet. In Asien und im Orient wird er dagegen auch bei der Zubereitung von Fleischgerichten eingesetzt.

Anis: Kleines Korn mit großer Wirkung

Anis ist nicht nur als Zutat vorweihnachtlicher Backwaren bekannt, sondern sein Geschmack bestimmt auch zahlreiche Spirituosen. Dazu zählen etwa griechischer Ouzo, französischer Pernod und türkischer Raki. Sie alle haben gemeinsam, dass sie aus dem Mittelmeerraum stammen. Das ist nicht verwunderlich, denn auch die Gewürz- und Heilpflanze Anis ist ursprünglich dort beheimatet. Heute wird er jedoch auch in anderen Ländern gemäßigten Klimas angebaut.

Die zirka 60 Zentimeter hohe Pflanze bevorzugt einen gleichmäßig feuchten Boden und viel Licht. Im Spätsommer können die drei bis fünf Millimeter langen Samen der unscheinbaren Pflanze aus der Familie der Doldenblütler geerntet werden. Wie viele andere Gewürze ist Anis gleichzeitig eine Heilpflanze. Ihm wird eine den Magen beruhigende Wirkung zugeschrieben. Zudem findet er auch als Hustenmittel Verwendung und empfiehlt sich bei Verdauungsbeschwerden.

Safran: Macht den Kuchen gel!

Safran ist eines der teuersten Gewürze der Welt. Die Krokus-Art ist vermutlich auf Kreta beheimatet und wird heute vor allem im Mittelmeerraum und im asiatischen Raum kultiviert. Im Herbst, wenn der Safran seine violetten Blüten präsentiert, kann das edle Gewürz gewonnen werden. Dafür werden die duftenden Stempelfäden von Hand gepflückt. Um 100 Gramm des Würzmittels zu gewinnen, werden zwischen 8.000 und 20.000 Blüten benötigt. Neben der aromatisierenden Eigenschaft hat es jedoch auch die intensive Färbekraft der Safranpflanze zu Berühmtheit gebracht. Durch die in ihm enthaltenen Naturfarbstoffe wird eine intensive gelb-rötliche Färbung hervorgerufen.

Viele nahöstliche Gerichte und Speisen aus der Küche der Mittelmeerländer wie beispielsweise Paella werden mit Safran gewürzt. Aufgrund seines hohen Wertes wurde immer wieder versucht, Safran zu imitieren. Wer im Mittelalter beim Verkauf von Fälschungen erwischt wurde, dem drohten schwere Strafen. Sie reichten vom Abhacken der Hände bis hin zur Todesstrafe. So wurde der Fälscher beispielsweise eingemauert oder mitsamt seiner Ware verbrannt. Auch heute noch wird Safran oft gefälscht, allerdings zieht das in der Gegenwart glücklicherweise weniger drastische Strafen nach sich.

Im zweiten Teil werden die vier Gewürze Koriander, Muskat, Nelke und Ingwer im Mittelpunkt stehen. Erläutert werden sollen ihre Gewinnung, Herkunft, Eigenschaften sowie ihr Gebrauch. Bis dahin wünschen wir viel Spaß beim Würzen und guten Appetit!



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