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Wenn Kommerz den Fußball bestimmt
11.05.2008 (J. Wixforth)
Kategorie: Sport
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Es wäre die wohl bitterste Nachricht für alle deutschen Fußball-Fans seit vielen Jahren gewesen. Wie Anfang April verschiedene Fachmagazine berichteten, standen sowohl das DFB-Pokalfinale am 19. April 2008 in Berlin, als auch die beiden deutschen Länderspiele im Mai kurz vor der Absage. Der Grund: Das Bundeskartellamt ermittelt wegen unlauterer Absprachen gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL).
Bereits am 26. Februar 2008 hatte das Bonner Bundeskartellamt die Geschäftsräume des DFB und der DFL in Frankfurt durchsucht und dabei verschiedene Unterlagen beschlagnahmt. Dem Vorwurf nach sollen beide Verbände eine gemeinsame Arbeitsgruppe für den Bereich Sponsoring gegründet haben, um zu verhindern, dass sie sich gegenseitig die Sponsoren streitig machen. Nach Ansicht der Bonner Behörde sind DFB und DFL aber Konkurrenten, die sich in einem Wettbewerb bewegen, in welchem Absprachen einer Kartellbildung gleichkämen. Deshalb hat das Kartellamt nun ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren gegen beide Verbände eingeleitet.
Nach Informationen des Fußball-Magazins „Kicker“ drohen DFB und DFL sowie den handelnden Personen der Verbände bei Verstößen insgesamt Bußgelder in Höhe von bis zu 183 Millionen Euro. Die Großveranstaltung DFB-Pokalfinale sowie die beiden Länderspiele gegen Weißrussland und Serbien kurz vor Beginn der Europameisterschaft im Sommer scheinen wohl gesichert. Trotzdem könnte eine so drastische Strafe weitere Auswirkungen für den deutschen Fußball haben.
Falls es zu einer solchen Strafe kommt, soll demnach die Ausrichtung der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland für den DFB in Gefahr sein. Gleiches gilt für die Austragung von Länderspielen der Männer-Nationalmannschaft nach der EM in Österreich und der Schweiz. Die DFL hat vor allem zu befürchten, dass die geplante zentrale Vermarktung des neuen Fernsehvertrages für die Bundesliga ab 2009 neu verhandelt werden muss.
„Wir müssen uns zumindest auf das Worst-Case-Szenario einstellen“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger dem „Hamburger Abendblatt“. Auf der anderen Seite haben die Gespräche mit dem Kartellamt ihn beruhigt: „Das Bußgeldverfahren macht mich nicht nervös“, so das Oberhaupt des Deutschen Fußball-Bundes.
Letztlich muss das Kartellamt nun entscheiden, ob die Zusammenarbeit von DFB und DFL als unlautere Absprache zu werten ist oder nicht. Wolfgang Niersbach sieht den Tatbestand keinesfalls gegeben: „Wir arbeiten in gemeinsamen Gremien. Da gibt es eine totale Transparenz und nicht die Spur von Geheimhaltung. Wir tauschen uns mit der DFL sowohl in Marketing- und Fernseh-Angelegenheiten, wie in Fragen der Sicherheit aus“, so der DFB-Generalsekretär. Sein Präsident Theo Zwanziger ergänzt: „Was in diesem Staat passiert, ist nicht mehr nachvollziehbar. Wo sind wir denn, wenn Kommunikation schon gleich die Bildung eines Kartells sein soll?“
Auf der Strecke bleiben könnte am Ende vor allem der Fußballfan in Deutschland. Deshalb kritisieren viele deutsche Fanverbände schon seit Jahren die wachsenden Kommerzialisierungstrends im Profifußball. Bleibt zu hoffen, dass trotz Politik und Wirtschaft in Zukunft auch weiterhin ein runder Ball und 22 Akteure im Mittelpunkt des beliebtesten deutschen Sports stehen.
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