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Wie ist das eigentlich mit dem Zölibat? Ist er nur ein veraltetes Bruchstück der hohen Geistlichen? Hat er heute noch Relevanz und lässt sich überhaupt belegen, dass eine Lebensweise, in der sich dem Zölibat verpflichtet wird, fördernd ist?
Der Zölibat (lateinisch: caelebs – „unvermählt leben“) bezeichnet das Versprechen nicht zu heiraten und enthaltsam zu leben. Die größte Bedeutung kommt ihm in der römisch-katholischen Kirche zu. Hier ist er für alle geweihten Amtsträger wie Diakone, Priester und Bischöfe verpflichtend. Eine Ausnahme bilden zu sogenannten ständigen Diakonen geweihte, bereits verheiratete Männer. Während Diakone in der Regel zu Priestern geweiht werden, verbleiben die ständigen Diakone lebenslänglich in ihrem Weihegrad. Bei ihnen gilt der Zölibat nicht für die bestehende Ehe, tritt aber dann in Kraft, wenn die Frau stirbt oder die Ehe kirchenrechtlich wirksam annulliert wird. In diesem Fall darf der Diakon nicht erneut heiraten. Ordensleute, die mit dem feierlichen Gelübde in einen Orden aufgenommen werden, müssen allerdings in jedem Falle den Zölibat ablegen. Weiterhin ist er elementare Vorraussetzung für die Priesterweihe.
Begründungen für die Einführung und den Erhalt des Zölibats gibt es zahlreiche. Nur lassen sie sich vor allem durch Bibelstellen schwer belegen. Es heißt zwar: „Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein.“ (1 Korinther, Kapitel 7, Vers 25 und folgende) Doch sagt allein diese Textstelle selbst schon aus, dass der Zölibat nicht als Pflicht, sondern als Rat zu verstehen sei. Ein weiterer Ausschnitt hingegen erwähnt sogar das Verheiratetsein eines Bischofs: „Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet […]“ (1 Timotheus, Kapitel 3, Verse 2 bis 4).
Das lässt Zweifel entstehen, ob die Ehelosigkeit tatsächlich ratsam oder allein eine schlecht begründete Vorschrift ist. Weitere Hinweise zum Zölibat werden im 4. Jahrhundert nach Christus gesehen, deren Zweck allein darin bestand der Kirche mehr Disziplin zukommen zu lassen. Mit der Einführung im 11. Jahrhundert sollte vor allem dem Vererben des Priesteramtes vom Vater zum Sohn vorgebeugt werden. Somit bestand wieder Gleichheit im Kampf um den Erwerb des Amtes, unabhängig von Stand oder Vermögen.
Heute ist der Zölibat aktuelles Thema hitziger Diskussionen. Während ihn die einen für völlig veraltet, sogar überflüssig einschätzen, halten andere an ihm fest und betonen im Gegensatz dazu seinen Nutzen. Selbst kirchenintern kommt es immer wieder in Konflikte. Ein Beispiel des Entgegenarbeitens zeigt der ehemalige Erzbischof Emanuel Milingo, der 2001 heiratete und später in Washington vier verheiratete Männer zu Priestern weihte. Er wurde daraufhin exkommuniziert, also aus dem Amt genommen. Gelegentlich werden Stimmen laut, der Zölibat solle abgeschafft werden, da sich Priester in ihrer häufig seelsorgerischen Arbeit zumeist mit Familien beschäftigen oder Eheleute betreuen, obwohl sie dabei selbst keine Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht haben können. Andererseits heißt es, dass unverheiratete Priester viel besser auf die an sie herangetragenen Probleme eingehen könnten, da sie ungebunden und damit frei und unbefangen seien.
Manche harten Äußerungen gegen den Zölibat gehen sogar soweit, dass verlangt wird ihn völlig abzuschaffen, auch um Kinder vor Missbrauch durch Priester zu schützen. Da die Sexualität ein elementarer Bestandteil des Menschseins ist, wäre es denkbar, dass Geistliche, die dem Zölibat unterliegen, sie auf andere Weise ausleben. Ein konkreter Zusammenhang zwischen Pädophilie und Zölibat lässt sich allerdings nicht nachweisen. Häufig wird erwähnt, dass der Zölibat Priester flexibler werden lässt. Durch das Fehlen einer Ehe und Familie seien die Diener Gottes besser einsetzbar und könnten sich unbeirrt den kirchlichen Diensten zur Verfügung stellen. Letztlich bleibt zu erwähnen, dass der Zölibat, der aus eigenem Willen eingehalten werden soll, eine gewisse Radikalität voraussetzt, die in der heutigen Zeit vielleicht immer seltener zu finden ist.
Es erheben sich Stimmen gegen den Zölibat allgemein oder für eine Lockerung und Aufweichung der Richtlinien. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nannte im Februar 2008 den Zölibat „nicht theologisch notwendig“. Doch auch nach Gesprächen und Verhandlungen mit dem Papst bleibt dieser hart in seiner Forderung den Zölibat absolut einzuhalten.
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