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Wer „Bio“ liest, denkt sofort an naturschonende Produktionsmethoden und Umweltschutz. Wer „Bio“ isst, will meist auch dem eigenen Körper etwas Gutes tun, und wer „Bio“ fährt, der möchte seinen fahrbaren Untersatz ohne schlechtes Gewissen durch die Lande bewegen. Ob die Verbraucher mit dieser Einstellung allerdings immer richtig liegen, ist schon längst nicht mehr außer Zweifel.
Natürliche Kraftstoffe wie Biodiesel und Bioethanol tragen ihren Namen, weil sie direkt aus organischem Material gewonnen werden. Dies hat den Vorteil, dass mit ihnen betriebenen Fahrzeuge von fossilen und damit limitierten Ressourcen wie Erdöl und Erdgas unabhängig sind. Außerdem versprechen die pflanzlichen Kraftstoffe erhebliche Emissionsminderungen, da bei ihrer Verbrennung nur soviel Kohlendioxid in die Umwelt freigesetzt wird, wie die Pflanzen während des Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen haben.
Bereits seit dem 1. Januar 2007 fahren Deutschlands Autos mit einem gesetzlich vorgegebenen Spritgemisch. Bis zu 6 % Biotreibstoff können den erdölbasierten Brennstoffen Benzin und Diesel beigemischt werden, ohne dass Tankstellen oder Verbrennungsmotoren eines Umbaus bedürfen.
Der gewünschte Klimaschutzeffekt ist jedoch fraglich: Zur Produktion der benötigten Biomassen werden massenhaft fossile Energieträger eingesetzt. Die intensive Stickstoff-Düngung von Rapsfeldern begünstigt beispielsweise die Freisetzung von Lachgas (N2O). Das Stickoxid weist eine etwa 300-mal größere Klimawirksamkeit als Kohlendioxid (CO2) auf, wie das Team um Chemienobelpreisträger Paul Crutzen berichtet. Ein weiteres Problem sind die begrenzten Anbaumöglichkeiten. Aufgrund dessen können „mit in Deutschland angebautem Raps maximal etwa 5 % des im Verkehrssektor benötigten Dieselkraftstoffs ersetzt werden“, so das Umweltbundesamt.
Unlängst machte der Wissenschaftliche Beirat Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Kritik an der Förderung von Biokraftstoffen deutlicher denn je. In einem umfangreichen Gutachten wurden Biodiesel und Bioethanol aus deutscher Produktion als kostspielig und nutzlos befunden. Daher könne „der deutschen Politik aus klimaschutzpolitischer Sicht nicht empfohlen werden, die Förderung der Bioenergieerzeugung auf Ackerflächen weiter auszubauen“.
Möglicherweise wird die Regierung sich nun tatsächlich überzeugen lassen und zumindest eine weitere geplante Erhöhung der Beimischungsquote vorerst nicht durchführen. Ob dafür das schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt oder die Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), nach denen rund drei Millionen Autos einen höheren Biospritanteil nicht verkraften würden, verantwortlich sind, bleibt allerdings zweifelhaft.
Was halten Sie von Kraftstoffen, die aus Biomasse gewonnen werden? Was sind die Vor- und Nachteile? Wir laden Sie herzlich dazu ein, sich im Life-Go-Forum näher zu informieren und miteinander zu diskutieren!
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