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Zwischen Spiel und Ernst - „Serious Games“ im Kampf gegen den Krebs


27.05.2008 (U. Trauth) Kategorie: Computer

Bild: kotaku.com

Im silbernen Androidenanzug schwebt Roxxi durch die Körperlandschaften. Unzählige Bösewichte sind dabei, ihre Welt zu zerstören. Sie zu stoppen und zu vernichten, ist das Ziel des Kampfroboters, den der Spieler durch 20 Levels steuert. Bei „Re-Mission“, so der Name des Spiels, handelt es sich jedoch nicht um einen einfachen Third-Person-Shooter* der nächsten Generation. Nein, diesmal wird es ernst!

Das neue Killer-Spiel soll krebskranken Kindern im Kampf gegen ihre Krankheit helfen. Die Methode scheint zunächst unwirklich, die Idee klingt allerdings plausibel. Roxxi, der vorlaute, winzige Nano-Roboter und Hauptcharakter des PC-Spiels, bekämpft auf virtuellem Wege verschiedenste Tumorarten von Leukämie bis zum Gehirnkarzinom. Als Waffe gegen die bösartigen Zellen kommen dabei, wie im echten Leben auch, die Medikamente der Chemotherapie zum Einsatz.

So wird den Kindern auf spielerischem Wege demonstriert, was die Krebszellen in ihrem Körper anstellen und wie die Medikamente wirken. Der positive Effekt liegt dabei auf der Hand: Die kleinen Patienten setzen sich intensiv mit ihrer Krankheit auseinander. Unterstützt durch die graphische Darstellung und die mitreißende Geschichte fällt ihnen das verständlicherweise leichter als in der Sprechstunde ihres Hausarztes. Gleichzeitig wird ihnen vorgeführt, dass der Kampf gegen den Krebs nicht aussichtslos ist. Die virtuellen Erfolge spiegeln sich demnach auch in der realen Therapie wider. Viele der Kinder entwickeln einen regelrechten Ehrgeiz und nehmen ihre Medikamente regelmäßiger ein. Daneben ist auch der bloße Effekt des gestärkten Selbstbewusstseins auf die körpereigenen Abwehrkräfte nicht zu unterschätzen.

Bisher ist das Spiel gegen den Krebs leider nur auf Englisch, Französisch und Spanisch erschienen. Mit 4,5 Millionen Dollar Sponsorengeldern wurde das bereits im Mai 2007 erschienene „Re-Mission“ von dem Unternehmen HopeLab in den USA entwickelt. Die Idee ist allerdings prinzipiell nichts Neues: So genannte „Serious Games“ gibt es schon lange und in den unterschiedlichsten Genres. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen ernsten Zweck, zum Beispiel einen Lerneffekt, verfolgen. Die Innovation bei „Re-Mission“ besteht darin, dass der Spieler zusätzlich mit guter Graphik und einem gewissen Maß an Unterhaltung an den Bildschirm gefesselt wird.

Darüber hinaus rücken die ernsten Spiele zunehmend ins medizinische Interesse. In vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Psychotherapie oder der Rehabilitation, kommen heutzutage bereits moderne Therapiemethoden zum Einsatz, die den Patienten Spaß machen. Das sei wichtig, sagt Game-Designer Ulrich Götz von der Hochschule Zürich. „Dann ist die Behandlung erfolgreicher, denn alles, was wir mit Freude machen, machen wir lieber.“

(* Third-Person-Shooter = Videospiele, bei denen der Spieler Geschehen und Hauptfigur aus einer außenstehenden Perspektive beobachtet.)



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