|
Vor mehr als 25 Jahren schuf Hollywood-Regisseur Steven Spielberg mit dem Film „Der Weiße Hai“ ein cineastisches Meisterwerk, das nicht nur ihm über Nacht zu Weltruhm verholfen hat. Auch sein Protagonist wurde ins Licht des öffentlichen Interesses gerückt – allerdings im negativen Sinne. Die brutale Darstellung des Haies als erbarmungsloser Raubfisch ließ ihn für viele zum Inbegriff des Schreckens werden. Ein lautloser Mörder, der auch vor Menschen nicht halt macht und jeden harmlosen Badeausflug ans Meer zum Wagnis werden lässt.
Mit diesem Klischee hat der Hai noch heute zu kämpfen. Schreckensszenarien von aggressiven Raubfischen, die Boote und Surfer attackieren, sind auch im 21. Jahrhundert in den Medien präsent. Erst kürzlich durfte die Welt den „Angriff“ eines Weißen Haies miterleben, der durch eine Welle auf das Sonnendeck einer Ausflugs-Yacht getrieben wurde. Die verzerrten Bilder der Handykamera – untermalt von den panischen Schreien der Besatzung – lieferten den nötigen Stoff für zahlreiche Reportagen, die sich die Bedrohung der Menschen durch den Hai zum Thema machten.
Die Realität sieht jedoch anders aus. Rein statistisch gesehen sterben mehr Menschen an Bienenstichen, als durch Haiangriffe. Bis zu fünfzehn Todesfälle gibt es jährlich zu verzeichnen – in anbetracht der Millionen von Badeurlaubern eine schwindend geringe Zahl. Des Weiteren zählt der Mensch laut wissenschaftlichen Studien nicht zum Beuteschema eines Haies. Angriffe auf Taucher oder Surfer beruhen eher auf fatalen Verwechslungen mit Robben, die wiederum zur natürlichen Nahrung des Meeresräubers gehören.
„Der Killer ist der Mensch, der Hai das Opfer – nicht umgekehrt“, erklärte Greenpeace-Fischereiexperte Jörg Siepmann. Die gezielte Tötung von 100 Millionen Haien im Jahr durch den Menschen scheint dies zu bestätigen. Verantwortlich dafür zeigt sich weniger die Sportfischerei, sondern eher der stetig wachsende Bedarf an bestimmten Körperteilen der Haie zu industriellen Zwecken. Haut, Augen, Rückenflosse, Leber und Knorpel des Fisches sind sehr begehrt.
So wird der Knorpel häufig zur Herstellung pharmazeutischer Produkte verwendet, die Flossen gelten sogar als Heilmittel gegen Krebs. Beim so genannten „Finning“ werden dem Tier auf brutalste Art und Weise die Flossen abgeschnitten und der Rumpf zurück ins Meer geworfen. Dort verbluten die Haie dann qualvoll.
Da der Hai jedoch bei vielen den Ruf als Menschenfressende Bestie innehat, wird der Gefährdung der Tiere kaum Beachtung geschenkt. Meeresbiologe und Unterwasserfilmer Rob Stewart bemängelt ein fehlendes Bewusstsein für die tatsächliche Situation: „Es ist ein wirklich komplizierter Kampf, die öffentliche Wahrnehmung zu verändern. Das Wichtigste dabei ist, die Leute dazu zu bringen, sich mit Haien zu beschäftigen, denn dann sehen sie die Haie sterben.“
In seinem Dokumentarfilm „Sharkwater“, der am 10. April 2008 in die Kinos kam, nimmt Rob Stewart sich dem Problem selbst an. Über vier Jahre dauerten die Dreharbeiten zu dem Film, für den er mit seiner Crew 15 Länder der Welt bereiste. Nach einem einschneidenden Erlebnis mit Hai-Wilderern vor der Küste Guatemalas entschloss sich Stewart dazu, explizit auf die Bedrohung der Tiere aufmerksam zu machen. Neben schillernden Unterwasseraufnahmen werden auch grausame Verstümmelungen von Haien gezeigt, die dem Publikum die Augen öffnen sollen.
Trotz einiger kleinerer Erfolge in Sachen Haischutz ist das Schicksal der 400 Millionen Jahre alten Meeresräuber ungewiss. Geht die Hetzjagd auf die Raubtiere der Meere jedoch so weiter wie bisher, könnten einige der wichtigsten Arten, wie der Weiße Hai und der Walhai, schon bald aus den Ozeanen verschwunden sein.
Mehr Informationen zum Thema Haie finden Sie unter: www.hainfo.de und www.haiwelt.de. Die offizielle Homepage zum Film lautet www.sharkwater.de.
|